Werbung

Nachricht vom 21.09.2017 - 23:35 Uhr    

Projekt zum Artenschutz an der Nister vorgestellt

Die Nister bietet eine große Artenvielfalt, die es zu schützen gilt. Aus diesem Grund startet ein neues Artenschutz-Vorhaben unter der Trägerschaft des Kreises Altenkirchen in Kooperation mit weiteren Kreisen, Kommunen und Institutionen.

Die Verantwortlichen für das Projekt INTASAQUA informierten über das Vorhaben zum Artenschutz an der Nister. Fotos: Regina Steinhauer

Wissen. Die Nister und ihre Nebengewässer beheimaten viele, zum Teil sehr seltene, Tierarten wie den Lachs, die Bachmuschel und die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel. Diese Arten sind auf intakte Strukturen und eine gute Wasserqualität angewiesen. In den vergangenen Jahren war allerdings eine stetige Verschlechterung der Gewässerqualität zu beobachten und das nicht nur an der Nister, sondern auch an vielen vergleichbaren Gewässern in Deutschland.
Es existieren bereits zahlreiche Bemühungen, die Nister und ihre Bewohner zu schützen, unter anderem der Abschluss des Nistervertrages im Frühsommer 2017 oder ein von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördertes Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Verbesserung der Gewässerqualität durch Biomanipulation.

Nun wurden vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Voruntersuchungen zu einem von der Universität Koblenz-Landau beantragten Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zum integrativen Artenschutz bewilligt. Ehrenamtliche Gewässerschützer der Arge Nister e.V. hatten das Projekt „Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten an der Nister (INTASAQUA) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität entwickelt.

Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen zu einer Vorstellungsveranstaltung des Projektes in die Gaststätte „Hahnhof“ eingeladen.
Hierzu begrüßte Landrat Michael Lieber alle Experten und Interessierten. Über das Vorhaben informierten Andreas Krug, Abteilungsleiter „Integrativer Naturschutz und nachhaltige Nutzung“ des Bundesamtes für Naturschutz, Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord sowie der Dekan des Fachbereiches Mathematik/Naturwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Stefan Wehner.
Über das Projektvorhaben informierte Dr. Carola Winkelmann von der Universität Koblenz-Landau, Dr. Dirk Hübner vom Büro für fisch- und gewässerökologische Studien Marburg präsentierte ein Artenportrait der Flussperl- und Bachmuschel und Manfred Fetthauer, der Vorsitzende der Arge Nister und „Vater“ des Projekts, gewährte einen Einblick in die Artenvielfalt der Nister.

Ziel des Projektes ist es, neben der Erhaltung der Flussperlmuschel, eine Kombination verschiedener Schutzmaßnahmen zu erproben, um die Habitatqualität nachhaltig zu verbessern. Dadurch soll die außerordentlich hohe Biodiversität an der Nister erhalten und entwickelt werden. Die Besonderheit der Vorhabens ist der integrative, der darauf abzielt, nicht nur einzelne Arten zu schützen, sondern die ökologische Qualität des Gewässers insgesamt zu verbessern. Davon profitieren letztendlich alle in der Nister heimischen Arten. Gleichzeitig können die Ergebnisse auf andere Fließgewässer mit vergleichbarer Situation übertragen werden.

In der im Mai begonnenen Voruntersuchung finden durch die Universität Koblenz-Landau und die Technische Universität München zunächst Geländeuntersuchungen statt, um den aktuellen Zustand der Nister genau zu charakterisieren. Auf dieser Grundlage werden die konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Behörden, Anwohnern und Nutzern entwickelt. Die Maßnahmen sollen dabei nicht nur direkt im Gewässer ansetzen, sondern auch die Entwicklung des Gewässerumlandes beinhalten, um den Eintrag von Boden und Nährstoffen zu reduzieren. Sowohl die feinen Bodenpartikel (Feinsedimente) als auch die Nährstoffe tragen dazu bei, die Gewässersohle zu verstopfen. Dadurch können diese für viele Tiere wichtigen Lebensräume im Gewässergrund nicht mehr ausreichend mit frischem, sauerstoffreichem Wasser durchflossen werden. Die Entwicklung und Ausbreitung der Tierpopulationen wird dadurch verhindert. Diese als Kolmation bezeichnete Abdichtung der Gewässersohle wurde bisher als eines der wichtigsten Probleme für das Überleben der bedrohten Arten an der Nister und an ähnlichen Flüssen identifiziert.

Bis Ende 2018 soll in Kooperation aller Beteiligten der Antrag für ein dreijähriges Hauptvorhaben entwickelt und eingereicht werden, in dem die praktische Umsetzung und Erprobung des Maßnahmenkonzeptes geplant ist. Als Projektträger soll der Kreis Altenkirchen fungieren, der durch den Westerwaldkreis und einige am Nistervertrag beteiligte Verbandsgemeinden unterstützt wird. Neben der beim BfN zu beantragenden Förderung im Umfang von maximal 66 Prozent der Projektausgaben hat das Land Rheinland-Pfalz bereits eine finanzielle Beteiligung zugesagt. Die verbleibenden Mittel wollen die beiden Landkreise mit Unterstützung der Verbandsgemeinden Hachenburg, Hamm, Altenkirchen, Wissen und Gebhardshain einbringen. Parallel zur praktischen Erprobung soll eine wissenschaftliche Begleituntersuchung den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen ermitteln.

Es wird davon ausgegangen, dass dieser integrative ökologische Ansatz unter Einbeziehung verschiedener Interessengruppen bei der Umsetzung der Maßnahmen ein wichtiger Schritt für die Erhaltung der Artenvielfalt an der Nister ist, aber auch ein Beispiel für andere Gewässerschutzprojekte sein kann.

---
Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Wissen auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       


Kommentare zu: Projekt zum Artenschutz an der Nister vorgestellt

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Region


Verbandsgemeinde Kirchen setzt auf E-Mobilität

Kirchen. Die Verbandsgemeinde Kirchen setzt auf Elektromobilität. Im Rahmen des Klima- und Umweltschutzes hat sich der Verbandsgemeinderat ...

Kreisweite Übung: Einsatzkräfte probten für Großeinsätze

Kirchen/Kreisgebiet. Am zweiten Adventswochenende trafen sich Vertreter der verschiedenen Organisationen im Katastrophenschutz ...

Vorlesewettbewerb: Michael Jakuschin gewinnt mit „Mein Freund Kalle“

Betzdorf. Seit 60 Jahren gibt es ihn inzwischen, den Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels. Bundesweit nehmen auch ...

Energietipp der Verbraucherzentrale: Neubau aus Holz oder Stein?

Betzdorf/Altenkirchen. Die Qual der Wahl fängt spätestens beim Baumaterial für einen geplanten Neubau an. Grundsätzlich kann ...

Erlöse aus Kreativ- und Flohmarkt: 2.300 Euro für Grundschulen

Daaden. Insgesamt 2.300 Euro gehen an die Grundschule in Daaden-Biersdorf und an die Daadetal-Grundschule. Dabei handelt ...

Hammer Raiffeisenschulen begegnen sich

Hamm. Die beiden Hammer Raiffeisenschulen begegneten sich: In zahlreichen Angeboten, die von Kollegen und Oberstufenschülern ...

Weitere Artikel


Türkisch-Islamische Union DITIB ruft zur Wahlbeteiligung auf

Region. Zu den bevorstehenden Bundestagswahlen am 24. September ruft die DITIB alle muslimischen und türkischstämmigen Wahlberechtigten ...

Vorschau auf die Ausstellung im Raiffeisenjahr in Berlin

Region/Berlin. Am Donnerstag, 21. September, wurde in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin im Beisein vieler ...

Gelbe Villa feiert Jubiläum

Kirchen. Am Mittwoch, den 27.September um 10 Uhr findet ein Festakt im Ratssaal Kirchen mit dazu geladenen Gästen statt. ...

Spende für den Jugendtreff Betzdorf

Betzdorf. Die Kicker sollten an karitative oder ehrenamtliche Organisationen weitergegeben werden. Auf Vermittlung der Betzdorferin ...

Hospizhelfer wanderten trotz Regen

Altenkirchen. In bewährter Weise führte Wanderführer Bernd Krämer durch Wald und Wiesen zum Ziel ins Hofcafe und Restaurant ...

Für den Notfall: Erste-Hilfe-Kurs für Ehrenamtliche

Altenkirchen. Im Notfall gut vorbereitet zu sein um Menschen in Not sicher helfen zu können, erfordert eine gute Kenntnis ...

Werbung