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Nachricht vom 03.01.2018 - 19:37 Uhr    

Karnevalsgesellschaft Burggraf '48 wird 70 Jahre alt

Die Karnevalsgesellschaft Burggraf '48 e.V., eine der ältesten Karnevalsvereine im Kreis Altenkirchen, feiert in diesem Jahr das 70jährige Bestehen. Die Geburt des Vereins wurde 1948 sogar in Paris beurkundet. Jung präsentiert sich der Verein in der beginnenden Session.

Die Tanzgarde der Burggrafen in ihren schönen blau-gelben Uniformen zählt zu den Aushängeschildern des Burglahrer Karnevals. Foto: Rolf Schmidt-Markoski

Burglahr. Der Ort Burglahr gehörte zur französischen Besatzungszone und Vereinsgründungen mussten von der Besatzungsmacht genehmigt werden. 70 Jahre sind ein guter Anlass um zurück zu blicken, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick zu wagen. Unser Redakteur sprach mit dem Vorsitzenden des rund 110 Mitglieder starken Vereins, Holger Becker und mit dem amtierenden Sitzungspräsident Ralf Noll (genannt "Bubi) aus Hümmerich.

Schnell wird in dem Gespräch deutlich, dass der Karnevalsverein über seine eigentlichen Aufgaben hinaus einen wertvollen Dienst für die Allgemeinheit leistet, und damit einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität und Lebensqualität in der schmucken Gemeinde Burglahr, die 500 Einwohner zählt, erbringt. So wird nicht nur der alljährliche Karneval, sondern auch bereits seit 1949 das Burgfest (damals noch als Burg- und Heimatfest mit der Aufführung von Ritterspielen bis in die 1950er Jahre) gefeiert. Die Burggrafen sind der größte Verein im Dorf und sie bringen sich auch bei anderen Festen in der Gemeinde ein.

Aushängeschild der Burggrafen sind die Tanzgruppen, bestehend aus den Burgspatzen (14 Mitglieder), der Jugendgarde (15 Mitglieder) und der Garde (10 Mitglieder), die in schönen Kostümen in den Vereinsfarben blau und gelb mit ihren Tänzen begeistern. Auch ein Solo-Tanzmariechen gehört zur Mannschaft. Aber auch die Burglahrer Möhnen zählen zu den tragenden Säulen des närrischen Geschehens.
Der karnevalistische Frühschoppen (diesmal am Sonntag, 14. Januar im Festzelt) mauserte sich zur größten Veranstaltung mit rund 600 bis 800 Besuchern im "Durchlauf". Nicht nur Gruppen aus dem gesamten Westerwald sondern auch aus Köln haben sich wieder angesagt.

Aus Rosenmontagszug wird Nelkensamstagszug
Erstmals nach 70 Jahren findet in Burglahr kein Rosenmontagszug mehr statt. "Wir mussten uns den heutigen Gegebenheiten anpassen, insbesondere weil montags der große Zug in Horhausen stattfindet, haben wir uns entschieden, unseren traditionellen Umzug auf den Karnevalssamstag vorzuverlegen. So heißt es am Samstag, 10. Februar, erstmals: "Auf, zum Nelkensamstagszug (der Name stammt vom Kölner Karneval) nach Burglahr". Der Zug startet dann wie immer um 14.11 Uhr in Peterslahr und führt über Heckerfeld zum Lusthof und nach Burglahr in die Ortsmitte (Ecke ehemals Kraus). Neu ist auch die anschließende Zugabschlussparty im Festzelt auf dem Parkplatz.

Mit Freude und auch mit etwas Stolz stellen Vorsitzender Holger Becker und Sitzungspräsident Ralf Noll fest, dass es in den 70 Jahren der Vereinsgeschichte 63 Prinzenpaare, und als alleinige Regenten einmal einen Prinz und einmal eine Prinzessin gegeben hat. "Auch für die kommenden zwei Jahre haben wir wieder Prinzenpaare verpflichten können", so Becker und Noll. Aus Anlass des 70jährigen Bestehens soll auch eine Vereinschronik herausgegeben werden. Der frühere Burglahrer Heinz Fischer (lebt heute in Köln - kommt aber regelmäßig zum Seniorenkaffee der KG-Senioren im Gemeindehaus) hat eigens Bilder und Zeitungsausschnitte hierfür gesammelt.

Die Möhnen gaben vor 70 Jahren den Ausschlag für die Gründung des Burglahrer Karnevalsvereines „Burggraf ‘48“! 1998 berichtete die seit der Vereinsgründung aktive Karnevals-Seniorin Marga Girnstein: "Die Möhnen waren schon immer führend in Burglahr und schon lange vor dem Karnevalsverein da. So erging bereits im Jahre 1930 von einigen Frauen ein mächtiges Wort zum Zusammenschluss des Burglahrer Möhnenvolkes." Im Eberz-Saal in Peterslahr feierten die Burglahrer 1947 den Möhnenball. „Lena Fuchs (Obermöhn) blamierte die Burglahrer Männerwelt ganz schön. Jede Möhn holte sich zum Tanzen einen Mann und zog ihm dann eine Schlafmütze an. Doch da ging den Herren ein Lichtlein auf, denn selber kamen sie ja nicht drauf. Es sollte gegründet werden ein Karnevalsverein, und ein Jahr später hatten sie ihn schon auf de Bein“, so Marga Girnstein in ihrem damaligen Rückblick.

Die Begeisterung schlug hohe Wellen und fast aus jedem Haus war einer zur Stelle. Zu den Hauptakteuren zählten „Grets“ Klemens (Wiemar) und Fritz Girnstein. „Lust“ Josef (Busley) stellte sich als erster Prinz zur Verfügung und als Prinzessin hatte er seine Nachbarin Cäcilia Reifenhäuser auserkoren. Ein ganz besonders eifriger Narr war Hubert Mergeler. Sein selbst geschriebenes Lied wurde ein großer Hit: „Die Mädchen aus der Herrlichkeit Lahr sind ja im Köpfchen so klar......“ sangen junge und alte Narren. Ein treue Verfechterin des Karnevals war auch Hilde Melzer. Den „Alten“ klingt es sicher noch im Ohr, wenn sie das Lied von der „Schwiegermutter“ vortrug. Josef Fischer mit all seinen Söhnen sorgte mit seiner unvergesslichen Blasmusik für die richtige Karnevalsstimmung. Bei jeder Veranstaltung geleiteten immer zwei „Herolde“ die Redner in die Bütt. Friedel Siegel und der „Schmötz“ Peter (Reifenhäuser) versahen dieses Amt viele Jahre lang. Jeder hatte ein schicke Uniform mit blau-gelben Strümpfen an. Früher kamen auch noch zu jedem Möhnen- und Maskenball die Männer abends nach. Statt der Tanzgruppe gab es damals das Funkenmariechen. Es hielt beim Rosenmontagszug alles auf Trab. Die Beine flogen und das Röckchen wippte.

Kam der Rosenmontag dann ins Land, war ganz Burglahr aus Rand und Band. Mit primitiven Mittel wurden die schönsten Wagen gemacht und das zeugte von echter „Burglährtscher Fasenacht“. Jeder trug mit tollen Ideen und Begeisterung bei und der Prassels Karl ging vorne auf, als Polizei. Für den Prinzenwagen wurde sehr viel Mühe aufgebracht und „Steijarter“ Richard (Reifenhäuser) lenkte ihn „met de Pääd - mit hüh und hott“. In den ersten Jahren war der Wagenbau nicht so stabil. Fischers Julchen fiel vom Wagen auf einen kleinen Jungen. Der weinte und rief entsetzt: „Papa, en ahle Möhn es of mich gefallen!“

Die Burglahrer sind auch noch heute, nach 70 Jahren, für echten, rheinischen Karneval bestens bekannt und haben einen guten Ruf. Optimistisch blicken die Burggrafen auch in die Zukunft, besonders dank der guten Nachwuchsarbeit im Bereich der Tanzgruppen. Sorgen bereitet den Verantwortlichen allerdings die Forderungen der Behörden hinsichtlich des Lärmschutzes. (rsm)

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