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Nachricht vom 02.07.2018 - 12:08 Uhr    

Tobias Ramminger von Schaeffler spricht über Innovation Management im WW Lab

Wie können Unternehmen im Bereich Digitalisierung innovativ sein? Eine Möglichkeit wäre selbst mehr Forschung zu betreiben. Dies ist teuer und risikoreich. Eine andere, es von Start Ups einzukaufen. Tobias Ramminger von Schaeffler sprach im WW Lab über Unternehmensstrategien und warum die deutsche Fehlerkultur dabei hemmt, innovativer zu sein.

Zahlreiche Interessierte höhren dem Vortrag des Gastredners Tobias Ramminger der Schaeffler AG aufmerksam zu. Foto: jkh

Betzdorf. Innovation in festen Strukturen zu betreiben ist nur schwer möglich. Gerade in der Umbruchphase zur Industrie 4.0 und zur Digitalisierung hin wird Innovation immer wichtiger. Alte Geschäftsfelder lösen sich auf und weichen neuen, digitalen Modellen. Um diesen Wandel nicht zu verschlafen, sondern mitzugestalten, ist Innovationskraft gefragt. Doch dies ist einfacher gesagt als getan.

Tobias Ramminger, Leiter Corporate M&A für Strategische Projekte, Unternehmensentwicklung und Strategie bei der Schaeffler AG, war der Referent des 9. WW Lab Gründertalks am Donnerstag, den 28. Juni. Veranstalter Hartmut Lösch hatte ihn einst auf der CeBIT kennengelernt. Seitdem pflegen beide den Kontakt. Ramminger referierte vor zahlreichen Interessierten über Innovation Management und Digitalisierung sowie die „Make or Buy“ Entscheidung.

Herzogenaurach, Stammsitz der Schaeffler AG, sei nicht viel größer als Betzdorf. Daher fühle er sich hier sehr wohl, begann Ramminger den Abend. Zudem freue er sich, dass trotz des sehr sonnigen Wetters so viele ins WW Lab gefunden haben. Ramminger erzählte zunächst über die Historie des börsennotierten Unternehmens Schaeffler. Dabei stand es während der Weltwirtschaftskrise nicht immer gut um das Unternehmen. Da es sich aber kontinuierlich bis heute im Wandel befindet, hat Schaeffler dennoch immer wieder die Herausforderungen der Zeit gemeistert.

Heute gestaltet Schaeffler die Mobilität für Morgen. Dabei sind vor allem umweltfreundliche Antriebsformen für Fahrzeuge gefragt. Das Stichwort ist Elektromobilität. Von der E-Kupplung, über die E-Axe, bis hin zu Fahrzeugen für die Formel E, ist Schaeffler tätig.

Doch woher nimmt das familiengeführte Unternehmen diese Innovationsstärke? Hier kommt die Make or Buy Entscheidung ins Spiel. Nicht durch Recruting gelingt einem dies, sagt Ramminger. Cooperation and Partnership sind bessere Lösungsansätze. Schaeffler korreliert mit Universitäten. Kauft Start Ups und Firmen auf, entwickelt aber auch selbst. Somit zieht er als Résumé, dass es eine gesunde Mischung sein muss, um sein Unternehmen innovativ zu machen. Es sollte also nicht “Make or Buy” heißen, sondern “Make and Buy and Cooperate”.

Im Falle "Make" erklärt Ramminger dem Publikum, dass am besten alte und bewährte Normen und Prozesse nicht eingehalten werden dürfen. Daher entsteht Innovation umso besser, desto weiter entfernt man sich von der Zentrale des Konzerns befindet. Nur so kann man die Dinge von einem anderen Blickwinkel betrachten.

Dennoch stellt Ramminger bei seinen Besuchen in China mehrmals im Jahr fest, dass die Deutsche Industrie bei den Schwerpunkten der heutigen Zeit nicht mehr hinterherkommt. In den Produktionsstätten in China sieht man bereits jetzt schon keine Menschen mehr. Die Fertigung läuft im Sinne der Industrie 4.0 vollkommen automatisch.

Warum ist das so? Es fehlt nicht an Kapital, sagt Ramminger. Es fehlt an Risikobereitschaft. In Deutschland gibt es eine schlechte Fehlerkultur. Doch nur wer Risiko eingeht kann scheitern, daraus lernen, weitermachen und letztendlich gewinnen. Genauso funktionieren Start Ups. Während einerseits die Chancen viel höher sind innovationsreich zu sein und etwas Großes aufzubauen, verdient man andererseits kein Geld in den ersten Jahren in einem Start Up. Höchstens Studenten, deren Kostenapparat nicht hoch ist, können sich dies leisten. Sobald man Familie bzw. finanzielle Verantwortung besitzt, geht man als Arbeitnehmer lieber zu einem Konzern, sagt Ramminger. Im Konzern steckt man dann jedoch schnell in Strukturen fest. Diese verhindern wiederum Innovation.

Um genau aus diesem Kreislauf heraus zu kommen, kann die „Make and Buy and Cooperate“ Strategie hilfreich sein. Zusätzlich wäre es wünschenswert für die Innovativität der Deutschen Industrie, wenn sich die Fehlerkultur hierzulande ändern würde. (jkh)

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