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Nachricht vom 18.03.2021    

Zukunft der Altenkirchener Stadthalle ist fraglicher denn je

Sind die Jahre der Altenkirchener Stadthalle gezählt? Wann diese Frage final beantwortet wird, ist noch nicht abzusehen. Aber: Neueste Erkenntnisse des TÜV zugrunde gelegt, kann sie wegen technischer Mängel im Lüftungssystem wahrscheinlich vom 1. Mai an nicht mehr genutzt werden.

Die Blütezeit der Stadthalle in Altenkirchen gehört längst der Vergangenheit an. (Foto: Archiv vh)

Altenkirchen. Darf die Altenkirchener Stadthalle in drei Jahren ihren 40. Geburtstag feiern? Zweifel sind seit dem späten Donnerstagnachmittag (18. März) angebracht, als der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung - just im Objekt des Unheils - erfuhr, dass vom TÜV festgestellte Mängel im Lüftungssystem die Nutzung der "guten Stube" vom 1. Mai an sehr wahrscheinlich komplett verbieten, weil die Defizite innerhalb dieses Zeitrahmens nicht behoben werden können. Im Fokus stehen in allererster Linie 47 Brandschutzklappen, in denen asbesthaltige Dichtungen verbaut sind. Ein Austausch der Schließmechanismen würde mit geschätzten 90.000 Euro zu Buche schlagen. Bislang waren die jährlichen Checks durch eine Fachfirma und alle drei Jahre durch den TÜV ohne Beanstandungen verlaufen.

Brandschutzklappen wurden nicht ausgelöst
Zum Prozedere: Zur Prüfung müssen die Brandschutzklappen ausgelöst werden, was jedoch aufgrund des Asbests nicht in die Wege geleitet wurde, die anschließende Freimessung der belüfteten Räume nicht vonstatten gehen und eine Gefährdungsbeurteilung nicht erstellt werden konnte. Bei einer Freimessung der Luft hätte sich eine Kontamination mit Asbest dargestellt. Negativ wirkte sich zudem die Überarbeitung der Leitlinie zur Gefahrstoffverordnung aus, die nunmehr eine zwingende Freimessung der Luft fordert, was zuvor nicht verlangt worden war. Darüber hinaus müssten weitere Bauteile der Lüftungsanlage ersetzt werden, so dass die Kosten von 90.000 auf 332.000 Euro steigen würden. Parallel besteht Sanierungsbedarf am Parkett-, am Bühnenboden, an den Aufzügen, im Kinosaal, in der Hausmeisterwohnung, im Restaurant und an der Betonfassade - macht summa summarum weitere 338.000 Euro. Unter dem Strich ergeben sich 670.000 Euro. Nicht berücksichtigt sind Investitionen in die Trinkwasserhygiene und die Klimaanlage für die Säle (ab circa 100.000 Euro) und unter Umständen noch energetischer Verbesserungsbedarf.

Sanierung nicht mehr wirtschaftlich
Fazit: In Anbetracht dieser Fakten erscheint bereits zum heutigen Zeitpunkt eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich. Jetzt rächt es sich zudem, dass die Stadt ein Gutachten aus dem 2012, das die Zukunft der Stadthalle zum Thema hatte, salopp formuliert, "links" liegen ließ. Vorgeschlagen wurde in der Expertenausarbeitung bereits damals, sie an einzigen Pächter zu vermieten oder sie zu schließen. Die Suche nach einem Betreiber für alle einzelnen Bereiche scheiterte, die Lichter gingen indes nicht komplett aus. Die Folge: Pro Jahr pendeln die Defizite um die 150.000 Euro, liegen inzwischen bei weit über einer Million Euro. Nunmehr soll eine Arbeitsgruppe, so der Beschluss des Umwelt- und Bauausschusses in seiner Sitzung am 3. März, ein Anforderungsprofil für einen Neubau erstellen. Darüber hinaus soll das Szenario eines Abrisses in der laufenden städtebaulichen Voruntersuchung und im integrierten Stadtentwicklungskonzept, das derzeit erarbeitet wird, berücksichtigt werden. Beide Ansätze sind Bestandteile des Städtebauförderprogramms "Wachstum und nachhaltige Entwicklung - Nachhaltige Stadt", in das Altenkirchen im Spätsommer 202 für die Dauer von zehn Jahren aufgenommen worden ist.

Eine Menge Geld verbrannt
"Was damals im Gutachten stand, hat sich bewahrheitet. Wir haben seit fast neun Jahren schon eine Menge Geld verbrannt", sagte Stadtbürgermeister Matthias Gibhardt und spielte auf die deutlich reduzierte Nutzung des Objekts in den zurückliegenden Jahren an: "Wir leisten uns den Luxus, eine halbe Stadthalle leer stehen zu lassen." Schon vor beinahe zehn Jahren sei die energetische Sanierung mit zwei Millionen Euro angegeben worden, jetzt liege sie wahrscheinlich bei vier Millionen Euro. "Eine Nutzung, wie wir sie gewohnt sind, wird nicht mehr möglich sein", lautete sein ernüchterndes Fazit, "es gibt Dinge, die sucht man sich nicht freiwillig aus, um sie auf die Tagesordnung zu setzen. Wir bewirtschaften mit der Stadthalle eine schwierige Immobilie." Ralf Lindenpütz (CDU) versuchte ein wenig spitzfindig zu verdeutlichen, dass eine Schließung durch die Bauverwaltung des Kreises womöglich gar nicht greife, weil kein Prüfbericht und damit keine Gefährdungsbeurteilung vorliege. Er griff einer finalen Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle dann schon so weit voraus und brachte den Bau eines CO2-neutralen Mehrzweckgebäudes als Ersatz ins Gespräch. Gleichzeitig erinnerte er an Förderprogramme des Landes, mit denen Heizungsvarianten und Klimatechnik bezuschusst würden.

Diskussion weniger emotional führen
Daniela Hillmer-Spahr (SPD) forderte, die Diskussion nicht so emotional zu führen. "Wir wissen, dass die Stadthalle am falschen Ort steht und dass die Aufteilung nicht mehr zeitgemäß ist", erklärte sie. Asbest in der Luft sei besorgniserregend, "wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die sich im Saal aufhalten." Als "riesig" stufte Peter Müller (Bündnisgrüne) die Gefahr durch Asbest ein und blickte auf den in Wurfweite gelegenen Schlossplatz, wo seiner Meinung nach vor vielen Jahren das alte Gebäude der ehemaligen Kreissparkasse wegen Asbestsanierung abgerissen worden sei. Auch er machte sich diese Gedanken: "Welche Art von Gebäude braucht Altenkirchen in Zukunft?" Das weitere Geld-in-die-Stadthalle-pumpen, um sie künstlich am Leben zu halten, war für Thomas Roos (FDP) absolut nicht die Lösung des Problems . "Jetzt haben wir die Chancen, neu zu denken, weil wir es auch mit einer gesundheitlichen Fragestellung zu tun haben. Nein, die Stadthalle ist wirklich nicht zukunftsfähig", fügte er an. Gesundheitspolitisch könne die Stadthalle nicht weiterbetrieben werden, "Asbest ist der Gesundheit abträglich", verdeutlichte Jürgen Kugelmeier (FWG), "sie ist keine ,gute Stube' mehr, die Zeit ist vorbei." Der Renovierungsstau werde über Jahrzehnte vorgetragen. "Wir sollten uns Zeit nehmen, wie wir vorgehen wollen." Er brachte die Meinung seiner Fraktion auf den Punkt: "Wir schließen ab und sparen noch Geld ein."



Die Geschichte der Stadthalle
Die Geschichte einer Stadthalle am jetzigen Standort reicht bis in den Anfang der 1920er-Jahre mit dem Baubeginn der ersten Variante zurück, die 1924 eingeweiht wurde und gar den Bombenterror der Alliierten Luftstreitkräfte im Frühjahr 1945 so gut wie unbeschadet überstand, während in unmittelbarer Nachbarschaft die meisten Gebäude in Schutt und Asche lagen. Die Umsetzung des neuen Verkehrskonzeptes mit der Innerortsumgehung und der Fußgängerzone bedingte den Abriss der alten "gute Stube", an deren Stelle nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit das Folgemodell mit der Eröffnung am 14. April 1984 trat. Über Jahre hinweg war der Komplex mit den Sälen, Restaurant, Union-Kino-Center und Kegelbahnen gut ausgelastet, ehe im Frühjahr 2011 die ersten dunklen Wolken am Himmel über dem Treffpunkt aufzogen. Zum 31. Mai schlossen die beiden Lichtspieltheater, weil der Betreiber die Kosten nicht mehr decken konnte.

Dem Pächter wurde gekündigt
Nur ein knappes Jahr später, im Februar 2012, prangerte der Landesrechnungshof das Defizit aus dem Betrieb der Stadthalle, das sich pro Jahr auf rund 250.000 Euro belief, an. Parallel wurde dem Pächter des Restaurants zum 30. Juni gekündigt, so dass auch die Kegelbahnen und die Bierstube im Untergeschoss dicht gemacht werden mussten. Versuche, neue Betreiber für die Gaststätte zu verpflichten, scheiterten - sogar noch kurz vor Vertragsabschluss. Seit rund neun Jahren dümpelt das markante Objekt mehr oder minder vor sich hin. Veranstaltungen mit im Laufe der Jahre unterschiedlichen Caterern waren möglich. In einem Teil des ehemaligen Restaurants residiert inzwischen bürotechnisch der Stadtbürgermeister inklusive seines Sekretariats. Für kleinere Zusammenkünfte steht zudem ein weiterer Raum zur Verfügung. Die Corona-Pandemie lässt derzeit städtische Gremien und ggf. einige der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld im Obergeschoss tagen - mit nunmehr absehbarem Enddatum.

Weitere Ergebnisse der Sitzung

Nachrücker: Thomas Roos löst im Rat für die FDP Dr. Akbar Ayas ab, der sein Mandat Ende vergangenen Jahres niedergelegt hat. Die personelle Änderung wirkte sich logischerweise bis in die Ausschüsse hnein aus.
Breitbandausbau: Die Stadt beteiligt sich über die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld am Förderprogramm "Graue Flecken" des Kreises. Es sieht vor, jedes Haus per Glasfaser per FTTH (fibre to the house) an die weltweite Datenautobahn anzubinden. Auf die Stadt kommen Kosten in Höhe von knapp über 515.000 Euro zu, jeder der insgesamt 972 Anschlüsse kostet dank Förderung 530 Euro. Über die Finanzierung soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden (einstimmiger Beschluss).
Geschäftliches: Vier verkaufsoffene und anlassbezogene Sonntage sind fix (wenn sie die Corona-Pandemie überhaupt zulässt): 2. Mai (Stadtfest/Mobilitätstag), 29. August ("Weiße Tafel"/Food-Festival), 18. Oktober (Herbstfashion), 28. November (Weihnachtsmarkt/einstimmiger Beschluss).
Kulturelle Förderung: Das Bildungsbüro im Haus Felsenkeller "anders lernen" erhält einen Betriebsmittelzuschuss in Höhe von 2116 Euro und eine Corona-Überbrückungshilfe in Höhe von 5000 Euro, die wegen der radikal erzwungenen Betriebsbeschränkungen gezahlt wird und die als außerplanmäßige Ausgabe deklariert werden musste (einstimmige Beschlüsse). Dem Verein Kultur-/Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller werden 1000 Euro für die Deckung der Betriebsmittel überwiesen. Darüber hinaus gibt es 2000 Euro zur Förderung der Kleinkunstbühne (nur Mitteilungen).
Sondernutzungsgebühr: Die Stadt bittet Gastronomie- und Einzelhandelsbetriebe nicht zur Kasse, was die jährliche im März fällig werdende Sondernutzungsgebühr für die Dauererlaubnis für Verkaufseinrichtungen, Verkaufsstände sowie Tische und Sitzgelegenheiten vor den jeweiligen Gebäuden betrifft. Sie verzichtet auf Einnahmen in Höhe von 3260 Euro (einstimmiger Beschluss). (vh)


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