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Nachricht vom 02.04.2021    

Ostern: Gedanken zum höchsten kirchlichen Feiertag

Ostern bringt in diesem Jahr eher Nachdenklichkeit und Traurigkeit mit sich. Eine Vielzahl von Bräuchen weist auf das erwachende Leben in der Natur hin.

Fotos: Jürgen Grab

Neuwied. Ostern ist vor Pfingsten und Weihnachten der höchste Feiertag der Kirche. An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu und seinen Sieg über den Tod, nachdem er am vorangegangen „Karfreitag“ gekreuzigt und sodann in ein Grab gelegt wurde. Seine Auferstehung an Ostern gehört zu den „beweglichen“ Feiertagen und ist abhängig vom Frühlingsvollmond – infolgedessen verändert sich das Datum des alljährlichen Osterfestes, das jedoch immer im März oder April stattfindet.

Christen wie Nicht-Christen verbinden mit Ostern die Freude auf den Frühling, mit Licht und Wärme
Die Herkunft des Wortes Ostern ist nicht eindeutig: wobei Vieles für eine Ableitung vom altgermanischen „Austro“ spricht, was „Morgenröte“ bedeutet, aber auch die germanische Frühlingsgöttin Ostara könnte die Namensgeberin für das Osterfest gewesen sein.

Ursprünglich feierten die frühen christlichen Gemeinden an jedem Sonntag die Begegnung mit dem Auferstandenen. Erst im 2./3. Jahrhundert entwickelte sich eine alljährliche, selbständige Feier: Das erste Konzil von Nizäa im Jahre 325 legte fest, dass die Feier der Auferstehung Christi am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond begangen werden sollte. In der bis heute stattfindenden Osterfeier wird das Geheimnis der Auferstehung Christi liturgisch in besonderer Weise gegenwärtig.

Die Lichtsymbolik spielt an Ostern eine ähnlich große Rolle wie an Weihnachten. Die Osternachtfeier, die je nachdem am Abend vor Ostersonntag oder am frühen Ostermorgen stattfindet, beginnt in der Regel außerhalb der Kirche an einem Feuer, dem sogenannten Osterfeuer. Daran wird die Osterkerze, Symbol für den auferstandenen Christus, angezündet. Die Flamme der Osterkerze wird an die Gläubigen weitergereicht, sodass der Kirchenraum immer mehr vom Licht, dem Symbol der Auferstehung, erhellt wird. Für Christen bedeutet Ostern die Hoffnung auf eine Zukunft, die jenseits unserer Geschichte liegt und diese vollenden wird und die einen anderen Blick auf die Gegenwart und eine neue Perspektive für das eigene Leben ermöglicht. Doch gerade in diesen eher freudlosen Zeiten können/dürfen Menschen froh sein, denn Jesus Christus lebt und wir können trotz aller bedrückenden Erlebnisse sicher sein, dass der Heiland auferstanden ist und wir trotz aller negativen Erlebnisse nicht alleine sind und der Auferstandene bei uns ist.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich überall in der Welt ein vielfältiges österliches Brauchtum entwickelt. Eine zentrale Rolle spielen bis heute bunte Ostereier, die seit dem 7./ 8. Jahrhundert als flüssiges Fleisch galten, das während der Fastenzeit nicht gegessen werden darf. Seit dem Mittalter war es Brauch, Eier an Ostern als Abgabe an Klöster oder Grundherren, Pfarrer oder Messdiener zu entrichten, aber auch an Lehrer, Krankenhauspatienten oder Arme.



Bis heute ist das Osterfest ein Anlass zum Schenken und Eierschmuck in allen denkbaren Variationen und darf bei der Osterdekoration nicht fehlen. Traditionen wie Osterfeuer werden ebenso gepflegt wie der Osterspaziergang am Ostermontag, der auf den Emmausgang zurückgeht. Großer Beliebtheit erfreuen sich seit dem 17.Jahrhundert auch der Osterhase, die Ostereier, das Osterlamm, das Osterwasser, die Osterkerze, aber auch die zahlreichen diversen Veranstaltungen wie das Ostereiersuchen, das Eierlaufen, das Eierwerfen, die Osterritte, das Ratschen und Klappern und vieles andere mehr.

Allerdings sind in diesen unseligen Corona-Pandemie-Zeiten kaum irgendwo in der Welt kirchliche Feiern „live“ zu erleben, sodass der eigentliche Sinn österlicher, freudvoller Zusammenkünfte in den Gotteshäusern und im Familienkreis eher im Verborgenen bleibt. Selbst das familiäre oder das Beisammensein mit Verwandten und Freunden bleibt derzeit im Wesentlichen aus, da auch solche Zusammenkünfte behördlicherseits streng reglementiert oder sogar verboten sind.

Insofern bleibt es den Christen verwehrt, nach der karfreitäglichen Trauer das Osterfest mit Freude in den Gotteshäusern zu begehen sowie auch die bekannten fröhlichen weltlichen Bräuche im Familien- und Freundeskreis feiern zu können.

Pfarrer Werner Zupp zu Ostern
Zum Abschluss dieser Abhandlung über Ostern, seine Botschaft, und seine Bräuche soll der Neuwieder Pfarrer Werner Zupp zu Wort kommen, der im jüngsten Gemeindebrief schrieb: „Auch wenn Angst und Ungewissheit nun schon seit Monaten unser Leben bestimmen. Das Heil ist nicht aus dieser Welt verschwunden. Wir feiern auch in diesem Jahr Ostern, (auch wenn dies eher im engsten privaten Bereich geschehen wird). Die Auferstehung durchdringt unser Leben behutsam mit Hoffnung. Sie lässt uns zurückkehren aus Tränen, Schweigen und Ratlosigkeit. Wir dürfen aber unbedingt hoffen... Die Passionszeit und die Karwoche mit Ostern an deren Ende eröffnen die Solidarität mit allen Weinenden. Sie führen uns an wunde Punkte und laden ein, Schmerz gemeinsam zu tragen und in der Fürbitte vor Gott zu bringen... Wir dürfen hoffen...“
Jürgen Grab


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