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Nachricht vom 05.04.2021    

Sympathieträger Kiebitz ist stark gefährdet

Von Helmi Tischler-Venter

Die Ostereier sind alle gesucht und gefunden worden. Wenn Sie demnächst ein Gelege mit meist vier birnenförmigen, olivbraunen und schwärzlich gefleckten Eiern finden, können Sie sich glücklich schätzen. Es ist ein Kiebitz Gelege.

Kiebitz-Gelege. Foto: LBV

Region. Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist ein Zugvogel, der gerade jetzt aus dem Süden zurückkehrt. Kiebitze sind standorttreue Koloniebrüter mit Bodengelegen. Zwischen Ende März und Anfang Juni erfolgen Eiablage, Bebrütung sowie Jungenaufzucht. Nach 26 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Es sind Nestflüchter, die mit 35 bis 40 Tagen fliegen können und selbständig werden. Der Kiebitz hat meist nur eine Jahresbrut, bei Verlust erfolgen jedoch häufig Nachgelege.

Die vor circa 100 Jahren noch weit verbreiteten Zugvögel waren häufig entlang der Rheinniederungen auf Feuchtwiesen, Weiden und extensiv bewirtschafteten Äckern zu beobachten.

Die Bestände nehmen allerdings seit Jahrzehnten massiv ab, weshalb die Art auch deutschlandweit als streng geschützt eingestuft ist. In Rheinland-Pfalz zählt der Kiebitz gemäß der landesweiten Roten Liste mit nur noch 100 bis 200 Brutpaaren zu den vom Aussterben bedrohten Arten (RL 1) mit stark negativem Trend.

Intensive Landwirtschaft bedroht die Bestände, daher wurde im Rahmen der Aktion Grün des Landes Rheinland-Pfalz bereits 2019 ein landesweites Kiebitzprojekt zur Entwicklung und Erprobung von Artenschutzmaßnahmen für die rheinland-pfälzische Kiebitzpopulation begonnen. Link zum Projekt.

Bodenbrüter werden sehr oft Opfer der Bodenbearbeitung (zum Beispiel in Maisschlägen oder im Gemüsebau). Die kurzfristige und vorübergehende vertragliche Vereinbarung mit dem Bewirtschafter soll Gelege und Jungvögel sichern. Beim Kiebitz besteht oftmals ergänzend noch die Notwendigkeit zur Abwehr von Bodenprädatoren durch Elektrozäune.

Projektziele sind die Entwicklung und Erprobung von Schutzmaßnahmen für die rheinland-pfälzische Kiebitzpopulation. Über eine abschließende Evaluation dieser Schutzmaßnahmen soll ein nachhaltiges Schutzkonzept erstellt werden, das als neues Modul in das Artenhilfsprogramm „gefährdete Bodenbrüter“ der Landesregierung aufgenommen werden kann. Langfristig sollen dadurch die Bestände in den Hauptverbreitungsgebieten erhalten und stabilisiert werden.

Der Kiebitz war der Vogel des Jahres 1996. Sein Aussehen und sein Flugbild sind unverwechselbar. Der Watvogel ist ungefähr taubengroß. Seine Oberseite schillert grünlich-grau und kontrastiert mit der weißen Unterseite mit schwarzem Brustband. Auf seinem Kopf hat der Vogel markante Schmuckfedern anhand derer sich Männchen und Weibchen unterscheiden lassen. Die männlichen Kiebitze haben eine lange, die Weibchen eine kürzere "Federholle".



Die Vögel fliegen mit lockeren, gemächlichen Flügelschlägen, ihre Flügel selbst sind paddelförmig gerundet. Da die Bewegungen der schwarzen Ober- und weißen Unterseite wie ein Blinken erscheinen, ist der Kiebitz schon von weitem zu erkennen.

Während der Brutzeit der Kiebitze hört man die Rufe häufig und weiß sofort, was ihnen ihren Namen eingetragen hat: klagend-schrill ertönt ihr "kie-wi" als Kontaktlaut und "chä-chuit", "wit-wit-wit-wit" sowie "chiu-witt" während des Fluges. Den Vogelruf hören können Sie hier.

Geräusche verursacht oft auch das Flügelschlagen der Männchen bei deren spektakulären Balzflügen, die auch als "gaukeln" bezeichnet werden. Seitlich kippende Sturzflüge und senkrechtes zu-Boden-Trudeln sind nur ein Teil des Repertoires. Die Männchen legen während der Balz mehrere Nestmulden an. Hat ein Männchen ein geneigtes Weibchen gefunden, so entscheidet die Auserwählte, in welche Mulde sie ihre Eier legt.
Weitere Informationen beim BUND.

Kiebitze waren früher, vor der Trockenlegung von Agrarflächen, weit verbreitet und die Eier galten als Delikatesse. Reichskanzler Otto von Bismarck zum Beispiel bekam jedes Jahr zu seinem Geburtstag 101 Kiebitzeier von einer Stammtischrunde aus Jever geschenkt. In Holland bekommt noch heute derjenige, der im Frühjahr als erster der Königin ein Kiebitzei bringt, ein silbernes Ei als Belohnung. Alle Suchenden haben dort jedoch eine Lizenz und gehen hauptsächlich auf die Wiesen, um Schutzvorrichtungen über die Nester zu stellen oder sie sichtbar für die Landwirt/innen zu markieren.

In Europa ist das Sammeln von Kiebitzeiern heute verboten, da der Vogel global in seinem Bestand bedroht ist. Ersatzweise gibt es jedoch beutelweise hübsche „Kiebitzeier“ in Form von Dragees oder als Trüffel-Eier gefüllt mit Amaretto-Marzipan und Cappuccino zu kaufen.

Der BUND gibt auf seiner Homepage Beobachtungstipps und Aktionstipps. Wer den Sympathieträger Kiebitz "kiebitzen" möchte (was so viel wie "beobachten" oder "neugierig zusehen" bedeutet), sollte feuchte Wiesen und Moore oder auch Felder und Weiden aufsuchen.

Die Yoga-Übung "Kiebitz" ist für gelenkige Menschen als Aktionstipp in einem Video veranschaulicht

Spenden für die gefährdeten Wiesenbrüter nehmen mehrere Naturschutzorganisationen entgegen.
Der Landesbund für Vogelschutz e.V, der auch einige sehr schöne Fotos zeigt.

Der BUND

Der NABU

Schauen Sie bei Ihren Spaziergängen öfter einmal auf den Boden, damit Sie keine Rarität zerstören und genießen Sie den Ruf oder das Flugbild des markanten Vogels. htv


Mehr zum Thema:    Naturschutz   
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