Werbung

Nachricht vom 27.04.2021    

Hospizverein Altenkirchen: Zeit, Halt und Sicherheit auf dem letzten Weg

Einen geliebten Menschen bei den letzten Schritten auf seinem Lebensweg zu begleiten, ist nicht nur emotional schwer. Der Mehrener Pfarrer Bernd Melchert berichtet, wie er diese Zeit erlebt hat und wie der Hospizverein Altenkirchen ihm dabei geholfen hat.

Bernd Melchert hat seinen Vater bis zum Schluss begleitet. Der Hospizverein Altenkirchen hat ihn dabei unterstützt.

Altenkirchen. Der Hospizverein Altenkirchen will Angehörigen von Sterbenden Zeit, Halt und Sicherheit schenken: Im besten Fall können dann trotz aller Beschwernisse auch die positiven Seiten gesehen und erlebt werden. Um andere Pflegende zu ermutigen, Nähe zuzulassen, hat sich Pfarrer Bernd Melchert aus Mehren entschlossen, seine eigenen Pflege-Erfahrungen zu teilen.

Bernd Melcherts an Demenz erkrankter Vater Dietrich lebte seit 2016 nach dem Tod seiner Ehefrau im Haushalt seines Sohnes. Der damals 83-Jährige konnte dank großem Rückhalt der Gemeindemitglieder und Sozialdienste am Leben der Kirchengemeinde teilnehmen.

Als sich im Januar 2020 der gesundheitliche Zustand seines Vaters deutlich verschlechterte, zog Bernd Melchert den Altenkirchener Hospiz- und Palliativberatungsdienst hinzu. „Das war wirklich ein Segen. Ohne den Hospizverein hätte ich die kommenden Monate sicher nicht so gut erlebt“, so Melchert. Auch ein Seelsorger ist in dieser Situation zuerst einmal ein Sohn, der seinen Vater pflegt, der Gespräche, Unterstützung, Rückhalt und Sicherheit braucht. Zusätzlich hielt wöchentlich einige Stunden eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizvereins „die Stellung“, wenn Bernd Melchert eine Auszeit brauchte. „Dietrich Melchert hat nicht mehr viel geredet“, berichtet Monika Gerhardt, die dann an seiner Seite war, mit dem stets freundlichen Mann Musik hörte, ihm vorlas oder einfach seine Hand hielt.

Nach acht Monaten der Begleitung hieß es Abschied nehmen. Auch dies musste Bernd Melchert nicht alleine tun. Hospizkoordinatorin Erika Gierich agierte „als stille Regie im Hintergrund“, half Bernd Melchert, die gefühlte Hilflosigkeit auszuhalten.

Liegt es an unserer Gesellschaftsform, dass Sterben und Tod tabuisiert, für die Öffentlichkeit weitestgehend unsichtbar in Krankenhäusern abgehandelt werden? Laut Statistischem Bundesamt wurden Ende 2019 mehr als die Hälfte aller 4,1 Millionen Pflegebedürftigen allein durch Angehörige zu Hause versorgt. 72.700 von ihnen hatten den höchsten Pflegegrad 5, das bedeutet schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung. Ein Kraftakt für die pflegenden Angehörigen, die eine 24-Stunden-Rundumbetreuung leisten müssen, und damit schnell an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, sollte möglichst früh Hilfe gesucht und angenommen werden, um selber stark zu bleiben.



Der Hospizdienst möchte Schwerkranke, Sterbende und ihre Angehörigen nicht allein lassen. In seiner Arbeit als Pfarrer und Seelsorger macht Bernd Melchert die Erfahrung, dass dieses wertvolle Angebot den Menschen oft nicht präsent ist. Seine Offenheit soll Mut machen, den Hospizdienst in Anspruch zu nehmen. Nicht erst im akuten Sterbeprozess, sondern schon dann, wenn klar wird, dass der Tod in absehbarer Zeit bevorsteht. Gemeinsamkeit macht stark und die gute Zusammenarbeit im Netzwerk mit den verschiedenen Diensten kann ein Verbleiben zu Hause möglich machen.

Melcherts großer Respekt und Hochachtung gelten hier der Leistung der Pflegedienste und der Pflegenden, die zu Coronazeiten uneingeschränkt unterwegs sind. Zusätzlich möchte er das Angebot der hospizlichen Begleitung, die er ebenfalls erfahren durfte, Betroffenen ans Herz legen.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.hospizverein-ak.de oder telefonisch unter (0 26 81) 87 96 58. (PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


13-jähriges Mädchen aus Koblenz vermisst

Seit dem 4. März wird die 13-jährige Klara Luise W. aus Koblenz vermisst. Die Jugendliche war zuletzt ...

Zeugen gesucht: Auseinandersetzung in Betzdorf

In Betzdorf kam es am gestrigen Nachmittag zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, bei der ein 47-jähriger ...

Bauausschuss berät über umfassende Hochwasser- und Starkregenvorsorge

Starkregen und Hochwasser stellen Kommunen zunehmend vor große Herausforderungen. Der Bauausschuss der ...

E-Scooter-Fahrer in Betzdorf unter Drogeneinfluss gestoppt

In Betzdorf wurde ein E-Scooter-Fahrer von der Polizei gestoppt, der unter dem Einfluss von Drogen stand. ...

Kuschel-Duo mit Abenteuer-Garantie: Ida und Ivy suchen ihre Familie

Ein Rascheln im Spieltunnel, ein schwarzer Blitz um die Ecke, dicht gefolgt von einem getigerten Wirbel ...

"Vom Affen gebissen–Geschichten für Boomer": Manuela Lowak liest aus ihrem aktuellen Buch

Die in Wissen geborene und aufgewachsene Autorin Manuela Lowak kommt am Dienstag, den 24. März erneut ...

Weitere Artikel


Martin Diedenhofen zum Tag der Arbeit

Deutlicher als jemals zuvor ist für die Gesellschaft sichtbar, welche Bedeutung ein starker Sozialstaat ...

Fernstudium trotz(t) Corona

Die IHK-Akademie Koblenz baut ihr Angebot an Fernlehrgängen aus, die die Voraussetzungen nach dem Fernunterrichtsgesetz ...

Test-Drive-In Katzwinkel: Bilanz nach 160 Corona-Schnelltests

Von bisher 160 durchgeführten Tests waren im Drive-In, das ehrenamtlich vom DRK-Ortsverein Wissen betrieben ...

Traumpfade Streuobstwiesenweg in Mülheim-Kärlich: Wunderschöner Rundwanderweg inmitten traumhafter Blüten

Jedes Jahr im Frühling zur Blütezeit ist der Streuobstwiesenweg ein ganz besonderer Rundweg. Der zu den ...

Soulmatic entfacht Hoffnung auf Live-Konzerte

Die New-Rythm-Blues-Band aus dem Westerwaldkreis meldet sich aus dem Home-Office-Studio. Seit September ...

Kreisweites Projekt „Blühende Friedhöfe“ ist gestartet

In der letzten Woche startete das kreisweite Projekt „Blühende Friedhöfe“. Insgesamt haben sich rund ...

Werbung