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Nachricht vom 24.06.2021    

Abfallentsorgung könnte von 2022 an „merklich“ teurer werden

Die Einwohner des Kreises Altenkirchen können sich, was die Abfallentsorgungsgebühren betrifft, seit vielen Jahren fast wie auf einer Insel der Glückseligen fühlen. Im Vergleich zu anderen Regionen der Republik müssen sie deutlich weniger für die so eminent wichtigen Leistungen zahlen. Das könnte sich mit dem Start ins Jahr 2022 ändern.

Symbolfoto: ddp

Altenkirchen. Es war ein Satz, den Gerd Dittmann als für den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Kreises Altenkirchen zuständiger (dritter) Kreisbeigeordneter eher beiläufig kundtat: „Es wird sich merklich in den Abfallentsorgungsgebühren für 2022 niederschlagen.“ Mit diesen Worten knüpfte er an die Darstellung des AWB-Werkleiters Werner Schumacher an, der in der jüngsten Sitzung des Werkausschusses am Mittwochnachmittag (23. Juni) über den Stand der aktuellen Projekte informiert hatte. Und dazu zählen unter anderem die beiden neuen Wertstoffhöfe, die in Kirchen-Wehbach und in Altenkirchen in Betrieb gehen sollen. „Sie werden natürlich Folgekosten verursachen, zum einen für den Hof selbst und zum anderen für das Personal“, ergänzte Dittmann. Die Sammelplätze sollen nach Schumachers Auskunft zu Beginn des nächsten Jahres in Altenkirchen und am 1. April („vielleicht auch ein, zwei Monate später“) in Kirchen-Wehbach geöffnet werden. Mit der Genehmigung für Kirchen-Wehbach rechnet er im Herbst, für den Standort in der Kreisstadt war lediglich eine „Anzeige“ erforderlich, da das Gelände der Firma Remondis früher schon für Abfallwirtschaft genutzt worden sei.

Gespräch mit Beschwerdeführern

Bei zwei weiteren Vorhaben des AWB zeigte sich Schumacher zufrieden mit dem Stand der Realisierung. Für den Start der Oberflächenabdichtung der Deponie auf dem Gelände des Betriebs- und Wertstoffhofes (BWH) in Nauroth sei der Antrag auf Genehmigung eingereicht worden, „wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2022 beginnen können“, verdeutlichte er. Die Genehmigung für die Erweiterung der Bauschutt- und Erdaushubdeponie in Kirchen-Wehbach, die von der Firma Gebrüder Schmidt (Freusburg) betrieben wird, sei „so gut wie durch. Sie könnte im Spätsommer vorliegen“. Mitte Juli finde ein erster Termin mit Beschwerdeführern statt, „es hat nur ganz wenige Einsprüche gegeben“, merkte er an und hoffte, „dass diese unproblematisch aus dem Weg geräumt werden können“.

Dritte Fotovoltaikanlage in Betrieb

Der technische Leiter des AWB (BWH/Deponie), Andreas Haiduk, freute sich, dass eine dritte Fotovoltaikanlage in Nauroth nunmehr Strom liefert. Insgesamt weist das Trio eine Leistung von 130 kWp auf. Es ist dermaßen intelligent geschaltet, dass der Netzbetreiber per Funksignal den Zufluss in die öffentliche Versorgung so steuern kann, dass zuerst die Altanlagen die Energie „abgeben“, weil die Vergütung für die Module aus dem Jahr 2010 deutlich höher liege als für die aus dem Jahr 2021 (rund 32 Cent zu 7,1 Cent). „So können wir einen möglichst großen Ertrag erreichen“, erklärte Haiduk.




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Routenoptimierung in Arbeit

Quer durchs AK-Land müssen sich die AWB-Kunden vom kommenden Jahr an auf neue Abfuhrtermine (an anderen Wochentagen) einstellen. Die Firma Remondis überarbeitet den kompletten Tourenverlauf. „Die aktuellen Routen sind über 20 Jahre alt und basieren noch auf den damals vorhandenen drei Logistikstandorten in Altenkirchen, Katzwinkel und Grünebach und verschiedenen Dienstleistern“, erläuterte Schumacher, „heute wird alles aus Altenkirchen heraus bedient.“ Derzeit deute sich an, dass ein knappes Fahrzeug (im Dienst sind 15 Fahrzeuge) eingespart werden könne. Zudem ließen sich die Überstunden der Mitarbeiter reduzieren, denn eine Tour gelte erst als erledigt, wenn alle Tonnen geleert seien, egal zu welcher Uhrzeit das geschehe. „Die Abfuhren der gelben und grauen Tonnen bleiben auf jeden Fall an einem Tag“, nannte er ein Detail, das sich bewährt und auch künftig Bestand haben werde.

Extrem lange Touren streichen

Weitere Vorteile seien die Vermeidung extrem langer Touren quer durch den Kreis (zeitlich als auch kilometermäßig), der mögliche Wegfall von Zwischenentleerungsfahrten, einfachere Nachfahrten, eine bessere Klimabilanz (CO2-Minderung) und eine zeitgemäßere Grundlage für Ausschreibungen (die nächsten stehen im kommenden Jahr an). Zudem wären neue Straßen und weitere Einwohner hinzugekommen. Der neue „Fahrplan“ soll dank guter Logistik-Software bis Ende August fertig sein, weil dann bereits die Arbeit für den Umweltkalender 2022 beginnt. Grundsätzlich wird laut Schumacher ein solches Routing alle 15 bis 20 Jahre überarbeitet.

Recycelte graue Tonnen bestellt

Inzwischen wagt sich der AWB auch an recycelte Gefäße mit einem Anteil von mindestens 85 Prozent schon einmal verwendeten Materials heran, die mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ gekennzeichnet sind. „Eine erste Tranche grauer Tonnen ist bestellt worden“, informierte Schumacher, „sie sind teurer als die normalen.“ Ebenfalls in neuem Grundstoffmix gebe es darüber hinaus blaue und braune Tonnen, lediglich komplett gelbe fehlten noch, weil die Einfärbung Probleme bereite: „Aber solche haben wir ja nicht.“ (vh)


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