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Nachricht vom 07.07.2021    

Das Aus für die Stadthalle Altenkirchen ist endgültig besiegelt

Es war nur noch eine Formsache: Die Stadthalle Altenkirchen wird am 31. Juli für immer geschlossen. Damit endet die gut 37 Jahre währende Geschichte der „guten Stube“, die am 14. April 1984 eingeweiht wurde. An gleicher Stelle hatte die erste Version gestanden, die 1924 in Betrieb gegangen war und dem Neubau hatte weichen müssen.

Aus und vorbei: In der Stadthalle in Altenkirchen gehen bald fast alle Lichter aus. Nur das Büro des Stadtbürgermeisters bleibt für eine Übergangszeit geöffnet. (Foto: Archiv vh)

Altenkirchen. Jetzt ist es amtlich, die Lichter gehen fast komplett aus: Die Stadthalle Altenkirchen schließt am 31. Juli endgültig ihre Pforten, wie der Stadtrat als finales Entscheidungsgremium in seiner Sitzung am späten Mittwochnachmittag (7. Juli) mit 14 Ja-Stimmen bei 7 Enthaltungen befand. Er bestätigte die vorausgegangenen Voten zweier Ausschüsse, die ebenfalls das Aus propagiert hatten. Lediglich das Büro von Stadtbürgermeister Matthias Gibhardt bleibt geöffnet - so lange, bis das neue Domizil im ehemaligen Postgebäude in der Bahnhofstraße hergerichtet ist. Wie sich die Zukunft des mit Kupfer verkleideten Gebäudes gegenüber des Schlossplatzes darstellt, vermag derzeit noch niemand zu sagen. Für einen Weiterbetrieb in alt bekannter Weise hätte die Stadt eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen. Vorsichtige Schätzungen beliefen sich auf mindestens 800.000 Euro, weil Sanierungen an allen Ecken und Kanten erforderlich gewesen wären, zudem eine Asbestbelastung in Klappen der Lüftungsanlage festgestellt worden war.

Kegler verlieren Spielstätte
Betroffen von dem K.o. sind auch die Wester-Wälder-Kegler, die ihre Trainings- und Spielstätte im Untergeschoss auf der Vier-Bahnen-Anlage räumen müssen. Das Szenario eines Abrisses wird in die laufende städtebauliche Untersuchung und im integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das das Büro Stadt-Land-plus (Boppard) für die Teilnahme Altenkirchens am Förderprogramm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung - Nachhaltige Stadt" erstellt, berücksichtigt. Finanziell bringt die Schließung eine Einsparung von rund 120.000 Euro im Jahr. Um die laufenden Kosten zu stemmen, werden für jeweils zwölf Monate 33.000 Euro angesetzt.

Projektgruppe erstmals am 13. Juli
Ob Altenkirchen eine neue „Stadthalle“ erhalten wird, steht zunächst einmal in den Sternen. Eine Projektgruppe, die am Dienstag, 13. Juli, zum ersten Mal tagt, wird sich intensiv mit einem „Raum- und Anspruchsprofil“ für einen neuen Veranstaltungsort befassen, wie Stadtbürgermeister Matthias Gibhardt darlegte: „Wir beginnen einen Prozess, wobei es zunächst keine Entscheidung für einen Neubau geben wird. Der Standort ist auf jeden Fall ins ISEK als Entwicklungsgebiet aufgenommen worden.“ Er schaute noch einmal ins Jahr 2012 zurück, als bereits festgestellt worden war, dass die Stadthalle nur wirtschaftlich betrieben werden könne, „wenn alles in einer Hand liegt“. Andernfalls sei bereits die Schließung aufgezeigt worden. Zwei Jahre zuvor hatte eine Prüfung Sanierungskosten in Höhe von zwei Millionen Euro ergeben. Zudem habe die Halle einige Nachteile wie den Saal im ersten Obergeschoss und den Standort, der nicht die optimalste Lösung sei und keine Parkmöglichkeiten für Busse biete.

Ans Jahr 2013 erinnert
Ralf Lindenpütz(CDU) sprach von einem „Sanierungsstau, weil viele notwendige Ausgaben in den zurückliegenden Jahren nicht getätigt wurden. Der Bau einer neuen Stadthalle wird Jahre dauern. Wir werden den zentralen Veranstaltungsort vermissen“. Vor dem Hintergrund, dass es eine „freiwillige Schließung“ sei, werde seine Fraktion in Ermangelung von Alternativangeboten den Beschlussvorschlag nicht mit tragen. Ans Jahr 2013 erinnerte sich Daniela Hillmer-Spahr (SPD), als sie damals schon ausgeführt hatte, dass „der Komplex nicht mehr zeitgemäß ist“. Der lange Weg der vielen Diskussionen habe viele Emotionen hervorgerufen. Sie führte als einen Grund für das Ja zur Schließung an, dass sich die Veranstaltungskultur geändert habe. „Die Stadthalle ist ein Fass ohne Boden. Sie belastet unseren Haushalt erheblich. Gefragt sind neue innovative Konzepte.“

„Es hat keinen Zweck mehr“
„Irgendwann muss man sagen, ,es hat keinen Zweck mehr‘“, sagte Jürgen Kugelmeier (FWG). Der 31. Juli sei wohlüberlegt, „wir müssen auch an die Bewahrung von Steuergeldern denken“. Für die Bündnisgrünen hatte Claudia Leibrock „einem Abschied auf Raten“ ausgemacht, wie sie ihn, 2000 zugezogen, in den zurückliegenden Jahren erlebt habe, „die Stadthalle hat immer mehr abgebaut“. Nun gelte es, bloß nicht das alte Gebäude zu sanieren, sondern „komplett neu zu denken“. Aus der einstmals „guten Stube“ sei eine „alte Stube“ geworden, erklärte Thomas Roos (FDP). Investitionen seien nicht mehr sinnvoll. „Es muss neu gedacht werden“, war auch er, wie Leibrock, der festen Überzeugung, dass neue und zukunftsweisende Ansätze vonnöten seien.

Viele weitere Beschlüsse
Ausbau (einstimmig): Die fünf Straßen im Baugebiet „Auf dem Steinchen“ (Auf dem Steinchen, Auf dem Rähmchen, Finkenweg, Lohmühlenweg, und Schwalbenweg) können saniert werden, da die Ausbauprogramme, wie sie von Planeo Ingenieure (Hachenburg) entwickelt worden waren, gut geheißen wurden. Es wird das erste Projekt sein, das nach dem Verfahren „wiederkehrende Beiträge“ abgerechnet wird. Zuvor muss noch die Satzung für diese Vorgehensweise erlassen werden. In der zurückliegenden Sitzung des Bau- und Umweltausschusses war über Änderungsvorschläge beraten und abgestimmt worden. 1958 wurde die rund zehn Hektar große Fläche mit der Flurbezeichnung „Das Steinchen" zum „Aufbaugebiet" erklärt. Der Plan wurde am 7. Juli 1959 von der Bezirksregierung Koblenz genehmigt. Nach den damaligen Gepflogenheiten hatten die Grundstücke durchweg eine Größe zwischen 800 und 1100 Quadratmetern. Bis auf ganz wenige sind alle bebaut.



Kultur (einstimmig): Die Stadt gewährt für das Projekt „Open-Air-Sommer Altenkirchen“, ausgerichtet vom Kultur-/Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller, einen Zuschuss in Höhe von 8000 Euro. Der Betrag wird mit 2987,64 Euro (Umsatzsteuerkorrekturen) verrechnet, so dass lediglich 5012,36 Euro ausgezahlt werden. Das Kultur-/Jugendkulturbüro erhält für die in diesem Jahr bereits ausgelegten Betriebskosten einen Betrag in Höhe von 9000 Euro. Der Zuschuss an die evangelische Bücherei, der bislang 5000 Euro pro Jahr betrug (seit 2002), wird auf 6000 Euro (Personalkostenzuschuss) erhöht. Inwieweit die Stadt das „Onleihe“-Projekt (Registrierung in Büchereien, um kostenlos E-Books ausleihen zu können) finanziell (einmalig und/oder fortlaufend) unterstützt, wird sie von einer Entscheidung der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld in gleicher Angelegenheit abhängig machen.

Parterre der Post wird saniert
Sanierung (19 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen): Die Sanierung des Erdgeschosses, der Fassade und die Herrichtung des Kellers im (ehemaligen) Postgebäude in der Bahnhofstraße ist unter Dach und Fach. Die Kostenschätzung beläuft sich auf 500.820 Euro und beeinhaltet nicht den Einbau einer Lüftungsanlage, die weitere knapp 60.000 Euro (Stadtanteil 18.000 Euro) gekostet hätte. Der Antrag der FWG-Fraktion, eine solche doch noch während der Aufpäppelung aus gesundheitsrelevanten Gründen zu realisieren, fand keine Mehrheit. Eine Förderung aus dem LEADER-Topf unter dem Aspekt „sozialräumliche Nutzung“ ist mit bis zu 70 Prozent möglich, so dass die Stadt mit 150.246 Euro nach Hause gehen würde. Eine multifunktionale Nutzung (Büro des Stadtbürgermeisters, Co-Working-Spaces, Werkstatt für Ehrenamtsinitiative im Untergeschoss etc.) wird angestrebt. Die Postbank war bis zum 24. Juli 2018 der bislang letzte Mieter in Parterre. Seit 2008 ist die Stadt Eigentümerin des Gebäudes. Die Außenstelle des Koblenzer Studienseminars fürs Lehramt an Gymnasien hat seit dem 1. Februar 2010 die erste Etage und 180 Quadratmeter der zweiten mit Beschlag belegt. Frei im zweiten Obergeschoss sind zwei Räume, die unter Gibhardts Vorgänger Heijo Höfer zunächst als Büro für den Stadtbürgermeister angedacht waren.

Sport (einstimmig): 2500 Euro überweist die Stadt an die Organisatoren des achten Tennisturniers „AK Ladies Open“, das im Februar ausgespielt wurde. Die Zusage hatte sich verzögert, weil der Antrag erst am 10. Februar eingereicht worden war und im Anschluss die Corona-Pandemie die Mühlen der Genehmigung ein wenig langsamer hatte mahlen lassen.

Spielplatz erhält neues Outfit
Spielplatz (einstimmig): Die Anlage „Auf dem Eichelchen“ im Baugebiet rund um das DRK-Krankenhaus, die seit Jahren stillgelegt ist, wird wieder, komplett neu gestaltet, zur Verfügung stehen - auch vor dem Hintergrund der möglichen Entwicklung des neuen Baugebietes „Auf dem Eichelchen“. Das Planungsbüro Stadt-Land-plus (Boppard) wird für 27.067 Euro die Planungsleistungen übernehmen.

Wohnungsbau (einstimmig): Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für das Grundstück Kölner Straße 25 (ehemaliges Forsthaus) kann erstellt werden. Ein Investor möchte in mehreren Gebäuden 52 Wohnungen in der Größe zwischen 50 und 100 Quadratmeter schaffen.

Koordination (19 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen): Von der Steuerungsgruppe „Fairtrade Stadt“ die Förderung einer Personalstelle zur Umsetzung entwicklungspolitischen Engagements in Kommunen ins Spiel gebracht, sahen viele Teilnehmer der Zusammenkunft einen solchen Posten eher auf „höherer“ Ebene angesiedelt. Der Stadtrat befürwortete zwar den Antrag der Steuerungsgruppe, „bittet aber die Verwaltung diesen an die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld weiterzuleiten, da diese Stelle nicht bei der Stadt angesiedelt werden soll“. Förderungen, begrenzt auf zwei Jahre, sind möglich: 90 Prozent Personalkosten, Förderung konkreter Maßnahmen bis maximal 15.000 Euro und Verwaltungskostenpauschale (7 Prozent). Altenkirchen ist bereits seit 2015 „Fairtrade Stadt“.

Große Spende angenommen
Annahme einer Zuwendung (einstimmig): Insgesamt 18.000 Euro in zwei Teilbeträgen spendete ein Altenkirchener Ehepaar für den Bau der Disc-Golf-Anlage im Parc de Tarbes. So hoch waren auch die Investitionskosten, so dass „wir nunmehr den Spielplatz ,Auf dem Eichelchen‘ großzügiger planen können“, wie es Gibhardt ausdrückte. Lindenpütz betonte angesichts des hohen Betrages, „dass uns keine Verpflichtung daraus entsteht, wenn wir diese Spende annehmen. Wir müssen sie genauso behandeln, als wenn jemand 500 Euro gegeben hätte“, dem Gibhardt ohne Wenn und Aber zustimmte.

Personalie: Für Annelie Korte (CDU), die ihr Mandat niedergelegt hatte, rückte Markus Trepper nach. Als Folge dessen mussten Änderungen in den Besetzungen von Ausschüssen vorgenommen werden. Korte hatte seit 2004 dem Gremium angehört und sich immer vorgenommen, in einem Alter so um die 65 Jahre herum die kommunalpolitische Tätigkeit zu beenden.(vh)


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