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Nachricht vom 05.09.2021    

Buchtipp: „Bendorf am Rhein“ von Adolf T. Schneider

Von Helmi Tischler-Venter

Der Untertitel „Eine historische Bilderreise von 1890 bis 1960“ verrät den Schwerpunkt des Bandes: 165 von Familien- und Heimatforscher Schneider subjektiv ausgewählte Fotos zeigen die Entwicklung der Stadt Bendorf, die ab 1928 durch Eingemeindung von Mülhofen, Sayn und Stromberg erweitert wurde.

Buchcover.

Dierdorf/Bendorf. Historisches, Revolutionäres und Persönliches wurde auf überwiegend schwarz-weiße Filme gebannt. Den Bildteil untergliedert der Autor: Das erste Kapitel zeigt „Gebäude, Straßen und Plätze“. Es beginnt mit einer Postkarte, die um 1900 als Collage gestaltet wurde und einer Panorama-Luftbild-Aufnahme aus den 1970er Jahren. Einzelaufnahmen der Hauptstraße von 1910 zeigen klassizistische Geschäftshäuser und die Straßenbahnlinie. Zu dieser Zeit bot die „Gastwirtschaft, Kohlen- und Fouragehandlung Georg Ferber“ in der Luisenstraße Verpflegung für Mensch und Tier.

Der Ortsteil Stromberg ist Mitte des 20. Jahrhunderts ein kleiner Luftkurort, während auf einer Aufnahme aus dieser Zeit in der Stadt Bendorf die Schornsteine der Firma Didier erkennbar sind und in Mülhofen „die Zwölf Apostel“, einheitliche Werkshäuser der Concordiahütte dominant sind. Der Sayner Burgberg wird auf einer Postkarte von 1914 in ruinösem Zustand abbildet. 1978 begann die Umgestaltung des Schlossgartens mit einer großen Baustelle. Bereits 1912 wurde ein Nachbau eines römischen Grenzturmes am Limes auf dem Pulverberg errichtet.

„Alltagsleben“ dokumentieren zum Beispiel Fotos von der Bendorfer Kirmes 1923, vom „Waldmensch“, von „Rösgens Schängel“, Kanalbauarbeiten im Jahr 1978, Burg und Schloss Sayn samt Fürstenpaar Sayn-Wittgenstein-Sayn, der Familien Bomm-Engel, Meuer und Klein sowie der Bendorfer Grundschüler um 1929. Den ersten Feuerwehrfrauen wurde 1994 in Sayn die Ernennungsurkunde verliehen und in den 1960er Jahren wurde in Stromberg am Sportplatz in Eigenregie eine Umkleidekabine mit Toilettenanlage gebaut.

Im Abschnitt „Arbeitswelten“ befindet sich ein Gruppenfoto aus dem Jahr 1913 von Arbeitern auf einer Großbaustelle im industriellen Bendorf. Bedeutend war der Bau der Bendorfer Brücke über den Rhein, die am 16. August 1965 als „Größte Betonbrücke der Welt“ eingeweiht wurde. Besonders klein war dagegen die „Sayner Mücke“, die von Kunstformer Josef Opp gegossen wurde. Die Sayner Hütte bestimmte das Schicksal vieler Menschen in der Region. Beschäftigung fanden sie dann bei der Firma Bruchof oder bei Sanapol, ehemals Bendorfer Remynol-Werke. Bauern, die per Pferdewagen Heu einholen, Maurer und Mitarbeiter, die bei „Fillingers“ Fässer mit Sauerkraut und Heringen abladen, sind ebenfalls festgehalten. Beliebte Anlaufstellen waren etwa das „Gasthaus zum Vater Rhein“ am Kirchplatz, die „Eisdiele Karl Steffens“, das „Cafe‘-Restaurant Schützenhöhe“ auf der Vierwindenhöhe oder die „Fernfahrer Station + Gaststätte Onkel Hermann, Hermann Hilgert“ in Mülhofen.



Unter der Überschrift „Institutionen“ finden sich Aufnahmen von Schülerinnen und Schülern der Handels-Hochschule Bendorf, der Belegschaft der Bendorfer Post inklusive eines Portraits des 1877 in Dierdorf geborenen Postmeisters Jungbluth mit imposantem Schnauzbart. Es gab auch das Knabenheim Kemperhof, die Haushaltungsschule Sayn-Mülhofen, die Wasserheilanstalt Rheinau, die Jugendherberge, das Krupp’sche Beamten-Erholungsheim Sayn, das AWO-Seniorenzentrum, das Hedwig-Dransfeld-Haus und den Bahnhof, der 1983 geschlossen wurde.

Zu „Kirchen und religiöse Feste“ zählen die Pfarrkirche St. Medardus, die St. Änna-Kirche, die katholische Kirche Mülhofen, die „Untere Kirche der Reformierten“, ergänzt durch Fotos vom Weißen Sonntag, Fronleichnamsprozession und Martinszügen sowie der 65. Geburtstagsfeier von Pfarrer Willi Madauß, Angehöriger des Ordens der Salesianer Don Boscos, der bis 2004 in der Abtei Sayn wirkte.

Eine Aufnahme von der Gründung der Vereinigung Sayner Heimatfreunde startet das Kapitel „Vereinsleben und Brauchtum“. Es folgen die Kapelle Würz, die Gesellschaft „Erholung“, das Bendorfer Mückenfest, der Vorläufer des heutigen Burgen- und Parkfestes¸ der Schiffsmodellbau-Club Sayn und Kirmesveranstaltungen mit Umzügen. Wichtig waren auch die Karnevalsgesellschaft und die Karnevalsumzüge, Prinzenpaare und Garden. Fotos von der Schützengesellschaft leiten über zu dem letzten Kapitel „Militär und Kriegszeiten“. Der Erste Weltkrieg ist unter anderem mit Soldaten des Königlichen Proviantdepots und drei Kameraden der Etappen-Kompagnie 44, die 1914 in das Koppel des Gefreiten Nüssgen passten, verbildlicht. Aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs liegt etwa das Foto eines Stromberger Wehrdienstleistenden auf Heimaturlaub vor.

Den Fotografien folgt eine kurze Chronik der Stadt Bendorf. Für alle Leser, die Bendorf kennen oder kannten oder dort lebende Menschen, ist der Band ein Erkenntnisgewinn. Erschienen ist das Buch im Sutton Verlag, ISBN 978-3-96303-343-8. (htv)



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