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Nachricht vom 05.09.2021    

CDU im Kreis Altenkirchen: Adrenalin-Spritze zum 75-jährigen Jubiläum

Von Daniel-David Pirker

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl sieht es schlecht aus für die CDU. Mitten in dieser Phase feierte der Kreisverband Altenkirchen nun sein 75-jähriges Bestehen in Wissen. Das Motto der meisten Reden war vor diesem Hintergrund ein „Jetzt erst recht!“. Besonders kämpferisch zeigte sich der Anführer der CDU-Fraktion im Landtag, Christian Baldauf.

"Wahlkampf statt Wahltrott" - der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Baldauf (großes Bild) appellierte eindringlich an die Mitglieder. Auch die Reden etwa vom Bundestagsabgeordneten Rüddel (rechts oben) oder dem Kreisvorsitzenden Wäschenbach fielen unter die Kategorie "Motivationsansprache". (Fotos: ddp)

Wissen. „Da schwillt einem doch der Kamm, wenn wir uns anschauen, wie wir uns selbst behandeln!“, rief Christian Baldauf den zahlreichen Parteimitgliedern und Funktionären im Wissener Kulturwerk entgegen. In dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag hat sich offenbar einiges angestaut in letzter Zeit. In seinem Grußwort auf dem Jubiläumspartei der CDU im Kreis Altenkirchen brach sich der Frust nun Bahn.

Kalkuliert? Auf jeden Fall ging es Baldauf – und nicht nur ihm – auf diesem besonderen Parteitag vor allem um zwei Ziele: Erstens: Den Mitgliedern den Ernst der Lage klar zu machen. Und zweitens: Ihnen einen Motivationskick zu verpassen – der Partei kollektiv eine hochdosierte Adrenalin-Spritze zu geben. Und zumindest die Reaktionen der Anwesenden, die verteilt im großen Saal des Kulturwerks an Cocktailtischen saßen, lässt darauf schließen, dass Baldaufs Worte ihre Wirkung erzielt haben könnten.

Die Energiereserven der Mitglieder wurden aktiviert, die Leistungsbereitschaft gesteigert. Zuvor hatte Baldauf nämlich heftigen Applaus geerntet, als er angemahnt hatte, die Partei müsse nun endlich „in die Pötte kommen“, um ein „anderes Gesellschaftsmodell“ zu verhindern. Und wer dieses Gesellschaftsmodell durchsetzen will? „Die Grünen und die Roten“, so Baldauf. Seit die Umfragen die CDU klar nur noch auf dem zweiten Platz sehen werden die Warnungen der Unionsfunktionäre vor einer rot-rot-grünen Koalition, die von der SPD nicht deutlich ausgeschlossen wird, immer lauter.

Baldauf: Adenauer-Zitat wichtiger denn je
So erinnerte Baldauf an den ersten Bundeskanzler der Republik, Konrad Adenauer, und sein 1954 ausgegebenes Leitmotiv für das Land wie für die CDU, nämlich: „Wir wählen die Freiheit!“. Diese Klarstellung sei wichtiger denn je für diese Bundestagswahl. Die eigenen Leute nahm Baldauf explizit in die Pflicht und verschwieg nicht, dass er eine zu geringe Motivation und zu wenig Teamplay beobachtet hat. Anfangs hatte er noch an die Bedeutung der CDU in den Anfangsjahren der Bundesrepublik erinnert. Doch: „Diese Wurzeln werden gerade über den Haufen geworfen!“ Und nicht nur das.

Die Chance, die Leistungen der Kanzlerschaft Merkel fortzuführen, werde gerade verspielt. „Helmut Kohl würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sieht, dass wir nicht alles für die Kandidaten tun“, so Baldauf, der für diese Aussage langanhaltenden Applaus bekam. Der verstorbene ehemalige Bundeskanzler, rheinland-pfälzische Ministerpräsident und nicht zuletzt CDU-Vorsitzender wurde nicht nur in der Rede von Baldauf bemüht. Der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Wäschenbach, der durch die Veranstaltung führte, erinnerte daran, dass Kohl ähnlich „verhöhnt wurde“ wie der aktuelle CDU-Kanzlerkandidat. Dabei regiere Armin Laschet als Ministerpräsident besonnen und erfolgreich – und das nur mit einer Stimme Mehrheit – mit NRW das größte Bundesland. Nun gelte es, ihn zu unterstützen und mit Zuversicht die Wähler zu überzeugen. SPD-Kanzlerkandidat Scholz zeige zwar die Merkel-Raute –mache dann aber Politik wie die linke Parteivorsitzende Saskia Esken.



Baldauf machte Scholz dafür verantwortlich, dass die Corona-Hilfen so verzögert ausgezahlt worden sind. Denn er habe als Finanzminister verhindert, dass die Zahlungen nicht über die Finanzämter gelaufen sind. Auch nahm er Scholz beim Wirecard-Skandal in die Pflicht.

Rüddel: SPD „extrem linke Partei“
Auch der heimische Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel warnte vor der Politik von SPD und Grünen. Die SPD sei laut ihm eine „extrem linke Partei", die sich kaum von der Linkspartei unterscheide. Und die Grünen? In den vorderen Reihen „weichgespült“. Auch der Bundestagsabgeordnete vergegenwärtigte ein CDU-Motto, das sich in die politischen Geschichtsbücher eingebrannt hat: „Freiheit statt Sozialismus“ aus den Siebzigern. Und um den Bogen zur jüngsten Vergangenheit zu schlagen: Deutschland habe die Pandemie, die mittlerweile nur noch eine „Pandemie der Ungeimpften“ sei, „besser als alle anderen Länder dieser Welt“ gemeistert. Die Wirtschaft sei während der Krise „stark gemacht worden“, so Rüddel weiter. Doch gleichzeitig warnte er davor, dass die Industrie sich stärker Richtung Ausland orientieren könnte bei einer linken Regierung.

Vor vermeintlichen Gefahren einer rot-grünen Politik auf EU-Ebene warnte der Europaabgeordnete Ralf Seekatz. Die Grünen und „Roten“ wollten den Stabilitätspakt aufkündigen – was die Vergemeinschaftung von Schulden mit sich ziehen würde. Apropos Geld: „Wenn man die Grünen in Europa lassen würde, würden die eine Steuerorgie feiern.“ Folgt man den Worten von Christian Baldauf steht es grundsätzlich nicht gut um die EU. Sie sei vorm Auseinanderdriften, hatte er zuvor in seiner Rede gesagt, um zu betonen, wie sehr es auf die Politik der Union aus seiner Sicht ankommt. Zudem schaue bei dieser Bundestagswahl „der Chinese über unsere Schulter“.

Nachdem der langanhaltende Applaus nach der Rede von Baldauf abgeebbt war, konnte der Kreisvorsitzende nur noch feststellen: „Wer bis jetzt nicht wach war, ist es jetzt.“ Zuvor hatte Baldauf „Wahlkampf statt Wahltrott“ gefordert. Er ist auf jeden Fall mit gutem Beispiel vorangegangen. (ddp)



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Mehr dazu:   Erwin Rüddel   CDU   Bundestagswahl 2021  
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