Der Druidensteig: Etappe 6 von Betzdorf nach Steinebach (Sieg)
Kurz, aber oho! So kann man die sechste und vorletzte Etappe des Druidensteigs wohl beschreiben. Sie führt Wandernde von der Eisenbahnstadt Betzdorf hinauf zum aussichtsreichen Steinerother Kopf, hinab ins idyllische Elbbachtal und weiter bis zum Besucherbergwerk Grube Bindweide in Steinebach. Mit knapp 9,5 Kilometern ist sie die kürzeste, durch ihren Doppelanstieg aber eine überraschend sportliche Etappe.
Betzdorf. Der Druidensteig, der heute in sieben Etappen von Freusburg nach Hachenburg verläuft und mit rund 94 Kilometern als längste zertifizierte GeoRoute Deutschlands gilt, verknüpft auf besondere Weise Geologie, Bergbau und Verkehrsgeschichte. Betzdorf war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte für den Abtransport der Erze aus dem nördlichen Westerwald - noch heute zeugen Viadukte, Rangiergleise und das Bahnhofsensemble von dieser Zeit. Der Einstieg in die Etappe erfolgt über einen gelb‑schwarz markierten Zuweg vom Bahnhof oder von der Haltestelle Betzdorf Römerweg, die direkt am Hauptweg liegt.
Über 30 Info-Tafeln entlang des Druidensteigs vermitteln viel Spannendes und Wissenswertes über die Besonderheiten der Region. Die fünfte Etappe ist von allen die kürzeste, aber dennoch nicht weniger anspruchsvoll. Bei der Planung wurde auch bewusst die Distanz so gewählt, da das Ende am Besucherbergwerk Grube Bindweide liegt und man unbedingt die Gelegenheit nutzen sollte, an einer Führung teilzunehmen. Da das Besucherbergwerk nicht täglich geöffnet hat, empfiehlt es sich, bei der Planung die Öffnungszeiten der Website im Blick zu behalten. Mit dieser vorletzten Etappe verlässt man nun auch endgültig das Siegtal und wandert auf dem Rest des Druidensteigs durch die schöne und vielfältige Landschaft des Westerwalds.
Gleich zu Beginn zeigt die sechste Etappe, dass sie trotz ihrer Kürze ernst genommen werden will. Vom Siegtal in Betzdorf steigt der Druidensteig kontinuierlich an und legt bis zum Steinerother Kopf über 200 Höhenmeter zurück. Auf Waldwegen und schmaleren Pfaden führt der Weg durch die Hänge oberhalb von Dauersberg und Steineroth; immer wieder öffnen sich dabei weite Blicke über das Siegtal, die Höhen des nördlichen Westerwaldes und bei klarer Sicht sogar bis ins Bergische Land. Zahlreiche Bänke laden zu kurzen Verschnaufpausen ein - gut genutzt, kann man den Anstieg entspannt in mehrere Abschnitte aufteilen.
Oben angekommen, erreicht man den ehemaligen Basaltsteinbruch am Steinerother Kopf, der heute ein ganz besonderes Panorama bietet. Ein kleiner Picknickplatz markiert den Aussichtspunkt; von hier schweift der Blick über Wälder, Dörfer und Höhen, die den Wechsel von Bergbau- und Kulturlandschaft eindrucksvoll zeigen. Informationstafeln erläutern den früheren Basaltabbau, dessen Spuren als Stufen, Felswände und Geländekanten bis heute im Steinbruch erkennbar sind.
Der Steinerother Kopf ist die obere Abbruchkante eines Basaltabbaugebiets. In der bis zu 20 Meter hohen Abbauwand wurde einst unter erheblichen Gefahren und körperlichem Einsatz händisch Basalt gebrochen. Dabei pendelte ein sogenannter “Brecher“ an einem langen Seil vor der Basaltwand und löste mit einer langen Eisenstange und viel Kraft Gestein und ganze Säulenreihen heraus. In den am Fuße gelegenen “Kipperbuden“ warteten die “Kipper“ bereits darauf, mit Hämmern aus dem gewonnenen Material Pflastersteine zu schlagen und diese dann mit Ochsenkarren nach Betzdorf zu befördern. Erst im Jahr 1928 erhielt der Steinerother Kopf einen maschinellen Brecher und wurde an eine Beförderungsseilbahn angeschlossen. Diese Erleichterung kostete allerdings viele Steinbrucharbeiter den dringend benötigten Job. Das seit 1983 ausgewiesene Landschaftsgebiet gehört heute dem Land Rheinland-Pfalz, abgebaut wurde hier bis 1964. Ein kleiner Themenrundweg auf dem Steinerother Kopf erläutert die Geschichte des Areals. Außerdem findet man Picknicktische, um bei dem wunderbaren Weitblick eine Pause einzulegen.
Nach dieser ersten "Gipfelpause" führt der Druidensteig hinab in das Elbbachtal. Der Weg wechselt auf schmale Pfade und Naturwege, begleitet den Elbbach durch ein ruhiges, fast schon märchenhaft wirkendes Tal und erreicht die historische Dickendorfermühle. Diese historische Mühle ist technisch voll funktionsfähig. Sie befindet sich in Privatbesitz, allerdings kann man sie über das Mühlencafé der Eigentümer auch besichtigen. Die Mühle mit ihrem erhaltenen Mahlwerk und dem großen Wasserrad ist ein lebendiges Zeugnis der früheren Wirtschaftskultur des Westerwaldes - viele Wandernde nutzen die Gelegenheit für eine Einkehr und ein Stück selbstgebackenen Kuchen. Wer die Zeit hat, sollte auch die Gelegenheit nutzen und einen Blick in den liebevoll gestalteten Garten werfen, bevor man sich weiter auf den Weg hinauf zum Weißen Gaul macht, wie der zu erklimmende Höhenrücken genannt wird. Auf der Strecke zum Weißen Gaul fallen am Wegrand und dem Gelände tiefe Gräben und Vertiefungen auf. Diese sind Pingen, welche noch aus Zeiten des Erz-Schürfens stammten. Bei Pingen wurde oberflächennah nach den Mineralien gegraben, bis man auf Grundwasser oder andere Blockaden stieß. So wurden einst die Gebiete abgegrenzt. Betreten sollte man diese Pingen allerdings nicht, denn die tatsächliche Tiefe ist meist weder bekannt noch ersichtlich.
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Von der Dickendorfermühle beginnt der zweite nennenswerte Aufstieg der Etappe: hinauf auf den "Weißen Gaul" - einen bewaldeten Höhenzug, auf dem der Druidensteig erneut ein typisches Erzbergbaurevier quert. Entlang des Weges finden sich wieder vermehrt Spuren früherer Tagebaue und kleiner Stollen; mit etwas Aufmerksamkeit erkennt man Pingen, Halden und überwachsene Einschnitte am Wegrand. Gleichzeitig vermitteln kurze Infotexte, wie hier einst Eisenerz gefördert und über Betzdorf in die Hüttengebiete transportiert wurde.
Hat man den Rücken des "Weißen Gauls" erreicht, ist der größte Teil der Höhenmeter bewältigt. Nun führt der Weg leicht wellig und schließlich abwärts in Richtung Steinebach an der Sieg. Zwischen Waldrändern, Wiesen und kleineren Weideflächen taucht bald das markante Fördergerüst der Grube Bindweide auf - das Besucherbergwerk, das als Geo‑Infozentrum einen eindrucksvollen Einblick in die Welt unter Tage ermöglicht. Hier endet die sechste Etappe offiziell; wer möchte, rundet den Tag mit einer Einfahrt in den Stollen und einer geführten Tour im Bergwerk ab.
Die sechste Etappe des Druidensteigs ist damit geschafft. Auf nur etwa 9,5 Kilometern Länge bündelt sie zwei deutliche Anstiege, weite Panoramablicke, ein idyllisches Bachtal und mit der Grube Bindweide eines der wichtigsten Besucherbergwerke der Region. Dank der guten Anbindung mit Bahn und Bus - Bahnhof Betzdorf auf der einen, Buslinie 271 mit Haltestelle Steinebach (Sieg) Motorrad‑Museum und kurzem Zuweg zur Grube Bindweide auf der anderen Seite - eignet sie sich ideal als Wochenendtour oder als Einstieg in den Druidensteig. Wie immer empfiehlt es sich, ausreichend Wasser und einen kleinen Snack mitzunehmen: Trotz ihrer Kürze verlangt die Etappe Kondition und belohnt dafür mit echten "Westerwald‑Bilderbuchmomenten".
Da es in Steinebach selbst kaum ein gastronomisches Angebot gibt, kann man über einen ebenfalls wieder gelb-schwarz markierten Zuweg nach Gebhardshain weiterwandern. Hier findet man verschiedene Einkaufs-, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten. Damit hat man die vorletzte Etappe geschafft und es bleibt nur noch eine Abschlussetappe, welche allerdings eine der beiden längsten ist. Darum sollte man sich noch einmal mit genügend Verpflegung und Wasser eindecken, um auch die letzte Etappe gut zu meistern.
Der Druidensteig ist als Deutschlands schönster Wanderweg 2026 nominiert und freut sich über jede Stimme aus der Wandercommunity. Unter https://www.westerwald.info/druidensteig-waehlen-2026 kann noch bis zum 30.06.2026 abgestimmt werden.
Tour‑Informationen:
Art: Fernwanderweg‑Etappe
Schwierigkeit: mittel
Strecke: rund 9,5 km
Dauer: rund 3 Stunden
Steigung: rund 330-340 Höhenmeter auf, rund 220 Höhenmeter ab
Beschildert: Ja, durchgehend markiert
Beschaffenheit: etwa zur Hälfte Naturwege, dazu Pfade, etwas Asphalt und kurze Straßenabschnitte
Besonderheit: Steinerother Kopf mit weitem Panoramablick, ehemaliger Basaltsteinbruch mit Picknickplatz, Elbbachtal, historische Dickendorfermühle, Höhenzug "Weißer Gaul", Besucherbergwerk Grube Bindweide als Geo‑Infozentrum
Startpunkt: Betzdorf - Zuweg vom Bahnhof oder Haltestelle Betzdorf Römerweg (direkt am Druidensteig)
Zielpunkt: Besucherbergwerk Grube Bindweide, Steinebach (Sieg); rund 500 m Zuweg von der Bushaltestelle "Steinebach (Sieg) Motorrad‑Museum"
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