Werbung

Nachricht vom 23.09.2021    

Betzdorf: Ein Foto für den Weltfrieden

Anlässlich dieses 40. Weltfriedenstages stellten sich ein Dutzend Menschen am Weltladen in Betzdorf für ein Friedensfoto auf. Die Teilnehmer sagten damit Nein zum Wettrüsten und Ja für gewaltlose Konfliktlösungen. Der Steinebacher Hermann Reeh hatte dazu aufgerufen – und: Er soll mit der Willy-Brandt-Medaille geehrt werden.

Ein herzliches Dankeschön entrichtete Bernd Becker (links) an Hermann Reeh (rechts). Letzterer soll mit der Willy-Brandt-Medaille geehrt werden. (Fotos: tt)

Betzdorf. Hermann Reeh ist ein Friedensaktivist und setzt sich für Gerechtigkeit ein. Er tritt dafür in die Pedalen, verkauft fair gehandelte Produkte und wird nicht müde, für Friedenspolitik die Stimme zu erheben und andere Menschen für die Sache zu gewinnen. Zwölf Menschen hatte er nun anlässlich des Weltfriedenstags um sich geschart, mit einem konkreten Ziel: Sich mit ihm für ein gemeinsames Friedensfoto ablichten zu lassen. Seit 1981 – also seit 40 Jahren – ist der 21. September der Weltfriedenstag. Das hatte die UNO 1981 damals festgelegt. Die UN-Generalversammlung legte 2001 sogar fest, dass der Weltfriedenstag immer am 21. September gefeiert werden soll. „Es soll ein Tag des Waffenstillstandes und der Gewaltlosigkeit sein“, erinnerte Reeh. Dass auch heute an diesem Datum alles andere als Weltfrieden herrscht, das zeigen die täglichen Bilder in den Nachrichten. Mehr oder weniger viel Beachtung erhalten die kriegerischen Auseinandersetzungen, unter denen immer die Zivilbevölkerung leidet.

Und so engagiert sich Hermann Reeh aus Steinebach auch am 40. Jahrestag des Tages des Weltfriedens für Frieden und gewaltlose Konfliktlösungen. Es ist nicht ganz neu, dass er Menschen bittet, sich für eine Aktion fotografieren zu lassen. Das hatte er seinerzeit auch bei der Aktion „Schutzengel“ so praktiziert. „Frieden beginnt in den Köpfen der Menschen“: Diese Aussage aus der Charta der UNESCO zitierte Reeh, als er am „Weltfriedenstag“ vor dem Weltladen Betzdorf in der Fußgängerzone in Betzdorf sprach und die Menschen begrüßte, die sich mit ihm für das Weltfriedenstags-Foto ablichten lassen wollten.

Bündnisgrüne und heimische Kolping-Vertreter waren dem Aufruf gefolgt, aber auch Vertreter des Dekanats Kirchen. Dechant Pfarrer Augustinus Jünemann und die Pastoralreferenten Ulrike Ferdinand und Christian Ferdinand stellten sich mit Plakaten wie „Rettet den Frieden! Stoppt den Rüstungswahn!“ auf. Es war ein klarer Appell für Abrüstung. Reeh zeichnete jedoch ein aktuell ganz anderes Bild, das bei ihm Sorgenfalten auf die Stirn projiziert. Laut dem Friedenforschungsinstitut Sipri, so Reeh, würden alle Atommächte ihre Bestände an Nuklearwaffen „modernisieren“. Führende Friedensforscher würden Anzeichen einer beunruhigenden Trendwende in den weltweiten Beständen an Atomwaffen sehen. Dass sich die „nukleare Rüstungsspirale“ weiter drehe, dafür sei auch die Bundesrepublik Deutschland mitverantwortlich, und zwar mit der geplanten Anschaffung von atomwaffenfähigen Kampfjets: „Dieser Bedrohung müssen wir ein Ende setzen“, forderte Reeh, der die Anschaffungskosten für diese Flugzeuge mit sieben Milliarden bezifferte. Für Reeh ist klar: Mit der Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages würde die Bundesrepublik nicht nur Geld sparen, sondern auch „ein Zeichen setzen und der Welt zeigen, dass wir dieses ,Teufelszeug' nicht haben wollen“. Die Teilnehmer an der Friedensfotoaktion würden deshalb „Ja zum Atomwaffenverbotsvertrag“ sagen.



Reeh drückte auch seine Besorgnis aus, die Kampfdrohnen und deren Angriff bei ihm auslösen. Er gab Zahlen weiter, wonach es von 2015 bis 2020 13000 Drohnenangriffe in Afghanistan gegeben haben soll: „In dem am meisten mit Kampfdrohnen bombardierten Land der Welt waren die meisten Opfer Zivilisten, allein 1600 Kinder.“ Neben dem Leid und den Toten der zivilen Bevölkerung durch Kampfdrohnen sieht Reeh durch dieses Waffensystem eine weitere Spirale beim Rüstungswettlauf in Gang gesetzt – denn: „Jetzt wird in den Rüstungsschmieden für eine Gegenwaffe geforscht, also eine Waffe, die Drohnen abschießen kann.“

Dass die NATO-Staaten zwei Prozent ihres Bruttoinlandproduktes für ihre Armeen ausgeben sollen, auch dazu hatte Reeh eine klare Meinung: „Dazu sagen wir Nein.“ Aber: „Wir sagen Ja zu gewaltlosen Konfliktlösungen. Am Weltfriedenstag appelliere man an die verantwortlichen Politiker: „Suchen und unterstützen sie Organisationen, auch mit finanziellen Mitteln, die andere Wege der Konfliktlösung suchen“. Reeh freute sich, dass die Teilnehmer an der Aktion Friedensfoto sich mit ihm gegen den Rüstungswahn aufstellten. „Wir sollten nicht vergessen, dass wir weltweit viele Verbündete haben“, sagte der Friedensaktivist aus Steinebach. Als „prominente Unterstützer“ nannte er UN-Generalsekretär Antonio Guterres und Papst Franziskus. Guterres habe die Staaten der Welt aufgefordert, die „atomare Bedrohung zu beenden“. Er habe auch aufgefordert, den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen. Der Pontifex habe auch dazu aufgerufen, und selbst habe Papst Franziskus den Vertrag bereits unterzeichnet.

Klare Wort von Reeh, und eine klare Botschaft von denjenigen, die sich mit dem Steinebacher für das Foto aufstellten. Darunter auch Bernd Becker aus Fensdorf. Der Sozialdemokrat und Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion dankte Reeh für sein Wirken. „Sanftmut ist der Himmel, Zorn ist die Hölle, je sanftmütiger ihr seid, je näher seid ihr dem Himmel“: Becker zitierte die Worte von Martin und Luther und entrichtete ein herzliches Dankeschön an Reeh für dessen Engagement.

Das soll auch noch eine Würdigung erfahren, wie Becker anmerkte: „Wir wollen Hermann Reeh die Willy-Brandt-Medaille verleihen.“ Er hoffe, dass das noch in diesem Jahr vorgenommen werden kann. Bislang habe man nur noch keinen Termin mit einem „Promi“ für die Verleihung hinbekommen. (tt)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Betzdorf-Gebhardshain auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
   


Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


EC-Kartenbetrug in Siegen und Herborn: Kripo sucht diese Frau

Die Kriminalpolizei Marburg sucht eine Frau, die unter dem Verdacht des Computerbetrugs steht. Es handelt sich offenbar um eine Täterin, die überregional agiert - etwa in Siegen und Herborn. Mehrfach soll sie zuletzt mit einer gestohlenen EC-Karte an mindestens zwei Geldinstituten in Biedenkopf Geld erbeutet haben.


Leserbrief zu „Werden Wölfe im Westerwald illegal abgeschossen?“

Die Pressemitteilung der Naturschutzinitiative, die wir am 12. Oktober veröffentlicht haben, hat für kontroverse Reaktionen gesorgt. Unser Leser Stefan Buchen hat zu dem Artikel nachfolgend Stellung genommen.


Übersicht zu 2G, 2G+, 3G und den Warnstufen: Was gilt wann?

Um einen erneuten Lockdown im Winter zu umgehen und dennoch einem Großteil der Bevölkerung ein normaleres Leben zu ermöglichen, hat sich bei den Optionen der Personen-Beschränkungen und der Definition der Warnstufen einiges getan.


Brand in Hasselbach forderte am frühen Morgen zwei Löschzüge

Am Samstag, dem 16. Oktober, wurden die freiwilligen Feuerwehren Mehren und Weyerbusch gegen 3.50 Uhr durch die Leitstelle Montabaur alarmiert. In Hasselbach war es in einem Nebengebäude zu einem Brand gekommen. Als die Hausbewohner das Feuer bemerkten, alarmierten sie umgehend die Feuerwehr über den Notruf.


Katharinenmarkt soll Corona-konform und sicher stattfinden

Nachdem der beliebte Katharinenmarkt im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, soll die über 500-jährige Tradition in diesem Jahr am 6. November wieder fortgeführt werden. "Absagen ist für uns keine Option", so Stadtbürgermeister Stefan Leukel.




Aktuelle Artikel aus Politik


Bietet der Bundesverkehrswegeplan Voraussetzung für bessere Infrastruktur in der Region?

Berlin/Region. „Im Vorfeld des aktuellen Bundesverkehrswegeplans von 2016 habe ich mich gemeinsam mit den Kommunen, dem Land ...

Luftreinigungsgeräte für Grundschulen in VG Betzdorf-Gebhardshain

VG Betzdorf-Gebhardshain. Künftig sollen rund 70 Unterrichtsräume in den Grundschulen der Verbandsgemeinde mit mobilen Luftreinigungsgeräten ...

Die Westerwälder können sich auf Martinsumzüge und Weihnachtsmärkte freuen

Mainz. „Wir kommen in der Pandemiebekämpfung weiter voran. Unser Warnstufenkonzept hat sich bewährt und wird daher fortgesetzt. ...

Kreis-GEW ehrt langjährige Mitglieder

Seelbach. Das war laut Pressemitteilung eine mit besonderer Freude verbundene Aufgabe für den GEW-Kreisvorsitzenden Heribert ...

Bildungsgewerkschaft GEW: Digitalisierung an Schulen im AK-Land geht voran, aber…

Seelbach. Auf der Jahreshauptversammlung der GEW im Kreis Altenkirchen referierte Axel Karger zu einem, wie die Lehrergewerkschaft ...

Neue Schülervertretung am Gymnasium Betzdorf-Kirchen

Betzdorf/Kirchen. Die Zusammensetzung des neuen SV-Teams repräsentiere die Schulgemeinschaft gut, so Schülersprecher Colin ...

Weitere Artikel


Germania in Wissen: Neue Betreiber stellen sich vor

Wissen. Was in den letzten Tagen schon über verschiedene Medien an die Öffentlichkeit trat, wurde anlässlich eines offiziellen ...

Schulschwimmen im Siegtalbad Wissen wieder möglich

Wissen. Bürgermeister Berno Neuhoff dankte den Schulen für ihre Geduld und Kooperationsbereitschaft in der Pandemiezeit und ...

Erfolgreicher Lesesommer in der evangelischen Bücherei Hamm

Hamm. Diese Regeln wurden von allen Beteiligten akzeptiert und sorgsam eingehalten. Dass es zu manchen Wartezeiten vor der ...

Autofreies Jugenddeck: Ein Bolzplatz mitten in Betzdorf

Betzdorf. Stadtkinder müssen vor der Haustür die Möglichkeit haben zu spielen, sagte Jugendpflegerin Jenny Müller, als das ...

"Lichtblicke 2022": Neuer regionaler Kalender schaut auf das Raiffeisenland

Altenkirchen-Flammersfeld. „Zu versuchen, die Schönheit des Raiffeisenlands in 52 Lichtblicken darzustellen, kann nur ein ...

"Der Biogarten der Frauen": Kurse der Kreisvolkshochschule

Altenkirchen. Frauen gärtnern anders als Männer. Sie nutzen gerne ihre Intuition, haben andere Bedürfnisse, wenn es um Pflanzenauswahl ...

Werbung