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Nachricht vom 24.09.2021    

Aus und vorbei: Impfzentrum in Wissen ist Geschichte

Die Lichter sind ausgegangen, die Türen verschlossen: Das Impfzentrum für den Kreis Altenkirchen im Gebäude der Westerwald Bank in Wissen hat seine Schuldigkeit getan. Seit Freitagnachmittag (24. September) ist es nach knapp achteinhalbmonatigem Betrieb "dicht" - und das hoffentlich für immer.

Abschiedsfoto im Impfzentrum: Nach achteinhalb Monaten wurden die Lichter ausgeschaltet, die Türen verschlossen. (Foto: vh)

Wissen. Die letzte Spritze wurde als Booster-Impfung am Freitagnachmittag (24. September) gegen 15.15 Uhr verabreicht. Mit diesem finalen Pieks in einen Oberarm hat das Impfzentrum des Kreises Altenkirchen, extra für die Bekämpfung der Corona-Pandemie wie viele weitere quer durch die Republik ins Leben gerufen, ausgedient. In der nächsten Woche werden die Räume im Obergeschoss der Westerwald Bank in Wissen „entkernt“, die Ausstattung in einer kreiseigenen Schule und hoffentlich auf Nimmerwiedersehen verstaut, ehe die Etage wieder an das regionale Geldhaus zurückgegeben wird. Rund achteinhalb Monate lang wurde in erster Linie (zu weit über 75 Prozent) das Vakzin von Biontech/Pfizer den Impfwilligen injiziert. Unter dem Strich stehen 34.435 Erst-, 33.409 Zweit- und rund 300 Booster-Impfungen (Auffrischungen). Premiere war am 7. Januar, am 31. August wurde die letzte Erstimpfung dokumentiert.

Vollständig geimpft: Quote im Kreis liegt bei 69,68 Prozent
Die Hausärzte im Kreis waren ebenfalls an der Kampagne, die Immunisierung der Bevölkerung flächendeckend voranzutreiben, mit einiger Verspätung beteiligt: 35.265 Erst-, 42.007 Zweit- und 380 Auffrischungsimpfungen. Hinzu kamen Vakzinationen in Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen sowie in Impfbussen und durch Betriebsärzte: 6350 Erst- und 4660 Zweitimpfungen. Über Auffrischungen liegen keine Daten vor. Mit Stand vom 20. September waren im AK-Land 69,68 Prozent der Menschen ab 12 Jahre vollständig geschützt (Rheinland-Pfalz: 69,89 Prozent), die Quote der Erstimpfungen lag bei 66,04 Prozent (71,19 Prozent). Die Kosten für das Impfzentrum wurden mit rund 1,1 Millionen Euro angegeben, die auf Bund und Land entfielen. 14 Ärzte, 7 medizinische Fachleute, 5 Apotheker, 14 Mitarbeiter in der Verwaltung und Administration sowie 141 Ehrenamtler des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes sorgten für den reibungslosen Ablauf.

Wenig engagierte Akquise des Personals
Landrat Dr. Peter Enders blickte kurz vor dem Kehraus und damit bilanzierend an Ort und Stelle auf die vergangenen speziellen Monate zurück, die im November 2020 mit der Aufforderung begannen, ein Impfzentrum einzurichten. Die Einsatzbereitschaft sei am 15. Dezember gemeldet worden. Er kritisierte die Kassenärztliche Vereinigung für deren wenig engagierte Akquise des Personals. „Ein Schreiben an alle Ärzte in Rheinland-Pfalz, das war überschaubar“, berichtete Enders, ehe er selbst die Fäden zog, beispielsweise Kollegen im Ruhestand ansprach und seine Verbindungen ins Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz (wo er selbst als Mediziner arbeitete) spielen ließ, um einen kontinuierlichen Betrieb zu garantieren - und nicht nur zu den Zeiten, in denen Hausärzte praxisferne Freiräume hatten. Auch den stetigen Anstieg der Kapazitäten auf bis zu 3500 Impfungen pro Woche und in zwei Impfstraßen ließ Enders nicht unerwähnt. Zudem stellte er die flachen Hierarchien, die gute Kollegialität und den großen Respekt der Beteiligten untereinander heraus. Ein dickes Lob richtete er an das DRK, „ohne das wir nicht hätten leisten können, was wir leisten mussten. Für das DRK war es eine realistische Übung über Monate hinweg“.

Nur ganz, ganz wenig Kritik
Fast völlig beschwerdefrei seien die Öffnungszeiten abgelaufen, resümierte Stefan Deipenbrock von der Kreisverwaltung Altenkirchen als stellvertretender Koordinator fürs Impfzentrum. Lediglich einmal habe sich ein Patient über die im Hintergrund zu hörende Musik negativ geäußert, ein weiterer habe eine offenbar vertrocknete Blume bemängelt. „Ansonsten war es eine sehr ruhige und angenehme Atmosphäre“, stellte Deipenbrock dar und bedankte sich ausdrücklich beim DRK, „das uns eine große und gute Mannschaft zur Verfügung gestellt hatte“. Immer wieder aufgefallen sei, dass viele Impfwillige über falsche Informationen verfügt hätten und teils irritiert als Folge von Presseveröffentlichungen waren. Auch für Stefan Theis von der DRK-Bereitschaftsleitung hatte sich der Dienst vor Ort in einer „sehr angenehmen Atmosphäre“ abgespielt. Summa summarum leisteten die Rotkreuzler rund 15.000 Einsatzstunden und wurden, wie die anderen Mitarbeiter auch, vielfach mit einem „süßen Dankeschön“ bedacht. „Die Reserven sind so langsam aufgebraucht“, raubte Theis all denen fast komplett die Hoffnung auf ein „Bonbon“ zum Shutdown.



„Alle waren immer gut drauf“
Impfarzt Prof. Dr. Helmut Wieler, Bruder des Präsidenten des Robert-Koch-Institutes Prof. Dr. Lothar H. Wieler, in Höhr-Grenzhausen wohnend und für die FDP im VG-Rat tätig, sprach Enders ein „nicht parteigebundenes Lob“ für die Organisation und den Arbeitsablauf im Impfzentrum aus. Er hob ebenfalls die „super Atmosphäre, alle waren immer gut drauf“ hervor. Darüber hinaus sei die Logistik hervorragend und der Standort gut gewählt gewesen. „Niemand wurde in einer kühlen Halle geimpft, und Leute mussten nicht durch Matsch gehen, weil Leute nicht gerne durch Matsch gehen“, konstatierte Wieler. Nach seiner Aussage war die Aufklärung vor der Impfung „ethisch und moralisch gut. Mit jedem wurde allein gesprochen, das Arztgeheimnis immer gewahrt. Das war vernünftig und gut geregelt“. Wie Enders vertrat auch er die Ansicht, dass die Quote der Komplettimpfungen eigentlich zu niedrig sei, selbst wenn rund drei Prozent an Immunisierungen aufaddiert würden, die nicht statistisch erfasst worden seien.

Lob für Online-Schulungen
Auch aus Sicht der Apotheker, die laut Landesanweisung für die Vorbereitung des Impfstoffes (Aufziehen) verantwortlich waren, gab es nichts zu mäkeln. „Es war immer einer von uns fünf da“, bilanzierte Apotheker Bernhard Pohlmann, „alles hat wunderbar geklappt". Er konnte sich noch gut an den Transport der ersten Charge des Medikaments von Hachenburg nach Wissen erinnern, „mit einem DRK-Wagen und mit Blaulicht und die Dosen auf dem Schoß transportiert“. Pohlmann schloss kategorisch aus, dass anstelle eines richtigen Vakzins eine Kochsalzlösung - wie beispielsweise im Kreis Friesland geschehen - gespritzt hätte werden können. Die Runde sandte zudem eine dicke Anerkennung an den Hersteller mit Sitz in Mainz für die „tollen Online-Seminare“ im Vorgriff auf den Impf-Marathon: „Das war exzellente Arbeit. Aber das Mittel von Biontech/Pfizer war zunächst mit den ganzen Vorgaben auch ein ,Sensibelchen‘ “. So bleibt nur noch ein Fakt, der berichtenswert ist: Eine Dankeschön-Veranstaltung für alle, die in irgendeiner Weise mit dem Impfzentrum verbandelt waren, ist am Sonntag, 31. Oktober, in der Betzdorfer Stadthalle. Zum Glück ist tagsdrauf ein Feiertag (Allerheiligen)... (vh)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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