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Nachricht vom 28.10.2021    

Kreiseigene Schulen: Ausschuss findet Mittelweg für Kauf von Luftfilteranlagen

Die vierte Corona-Welle kommt immer schneller ins Rollen. Die Infektionszahlen klettern von Tag zu Tag rapide, auch Schüler stecken sich vermehrt mit dem Virus an. Kann der Präsenzunterricht in den kommenden Winterwochen - womöglich auch dank Luftfilteranlagen - aufrecht erhalten werden?

Derzeit sind CO2-Ampeln dafür zuständig, Lehrern und Schülern anzuzeigen, wann ein Klassen- oder Kursraum gelüftet werden muss. (Foto: Archiv vh)

Altenkirchen. Sind Luftfilteranlagen das Allheilmittel, um in den kommenden Wochen den Präsenzunterricht an Schulen in der vierten Corona-Welle dauerhaft und durchs obligatorische Lüften unterstützt zu garantieren? Geht es nach Ansicht der Fraktion der Bündnisgrünen im Altenkirchener Kreistag, sollten laut ihres Antrages alle Kurs- und Klassenräume der 16 Bildungseinrichtungen, die unter der Obhut des Kreises stehen, mit solchen Geräten ausgestattet werden. Schon einmal Thema im Kreisausschuss und auch im Kreistag, befasste sich am späten Donnerstagnachmittag (28. Oktober) der Schulträgerausschuss erneut mit diesem Ansinnen, an den die Beratung vom obersten Gremium in dessen Sitzung am 27. September überwiesen worden war. Und es wird ein weiteres Mal im Kreisausschuss (wahrscheinlich am 15. November) und wohl abschließend behandelt werden (müssen).

Ausgewählte Räume im Visier
„Der Schulträgerausschuss empfiehlt dem Kreisausschuss die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen für ausgewählte Räume in und in Absprache mit den kreiseigenen Schulen“, lautete nach einer sachlichen Diskussion die Empfehlung, die die Zusammenkunft schließlich nach einer Anregung von Udo Piske (FDP) einstimmig aussprach. „Alle Räume stehen nicht zur Diskussion. Was können wir noch kurzfristig machen? Jetzt können wir den Schulen helfen, die die größte Not haben. Wir haben schon Zeit verloren“, hatte Piske argumentiert. Die Kosten wird der Kreis ohne Wenn und Aber selbst tragen müssen. Ein Gerät, das einen Klassenraum bis maximal 60 Quadratmeter „beackern“ kann, kostet von 600 Euro an aufwärts. Größere (zum Beispiel für Lehrerzimmer) sind entsprechend teurer, oder es müssen zwei kleinere für die Säuberung sorgen. Hinzu kommen jährliche Wartungskosten (Austausch der Filter). Zuschüsse von Bund oder Land stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Zeit für einen Entschluss
Bevor der „gute Mittelweg“ in puncto Ausstattung zwischen gar keinem und allen Räumen gefunden worden war, hatte Kevin Lenz (Bündnisgrüne) darauf verwiesen, dass es an der Zeit sei, „zu einem Entschluss“ zu kommen. Denn viele Verbandsgemeinden hätten sich bereits auf den Weg (für ihre Schulen) gemacht, Lüftungsanlagen zu beschaffen. Sie stellten eine sinnvolle Ergänzung zu den AHA-Regeln und keinen Ersatz für diese dar. „Sie bieten einen Schutz für Kinder und Jugendliche von 99 Prozent“, fügte er an, denn die Masken würden bei Kindern und Jugendlichen oft nicht richtig sitzen. „Was ist uns der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Kreis wert, was die Aufrechterhaltung einer richtigen Bildung?“, fragte Lenz in die Runde.

Elf Corona-Fälle an Kreisschulen
Erster Kreisbeigeordneter Tobias Gerhardus, in dessen Geschäftsbereich das Thema Schulen angesiedelt ist, vertiefte die umfangreiche Ausarbeitung der Sach- und Rechtslage, die die Verwaltung vorgelegt hatte. In ihr wurden beispielsweise die Kosten für den Einbau von dezentraler Raumlufttechnik in alle 738 Klassenzimmer mit rund 13 Millionen Euro angegeben, die für die zentrale Variante mit rund 24 Millionen Euro. Die Beschaffung von mobilen Unterstützern wurde mit 2,7 Millionen Euro ausgewiesen. „On top“ wären an Wartungskosten 450.000 Euro und die Energiekosten pro Jahr hinzugekommen. „Die Ausstattung aller sprengt das Volumen, das wir zur Verfügung haben“, verdeutlichte Gerhardus. Vor dem Hintergrund, dass mit Stand Donnerstag, 28. Oktober (12.30 Uhr), elf Corona-Fälle an kreiseigenen Schulen gemeldet worden waren, freute sich Gerhardus, dass „die Hygienekonzepte an Schulen funktionieren“. Es habe bislang keine Ausbrüche gegeben. Dennoch: „Wir müssen die Corona-Verordnungen ernst nehmen. Luftfilteranlagen können unterstützend eingesetzt werden.“ Grundsätzlich orientiere sich der Kreis an den Erkenntnissen und Ausarbeitungen des Bundesumweltamtes und an denen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).



Neun Anlagen bereits gekauft
Ganz blank steht der Kreis dennoch nicht da, was mobile Luftfilteranlagen betrifft: Neun wurden bereits in Dienst gestellt für Klassenräume, in denen Fenster nicht geöffnet werden können. „Alle anderen verfügen über Fenster für Stoß- und Querlüftung“, ergänzte Gerhardus. Darüber hinaus beschaffte der Kreis praktisch für jedes Klassenzimmer eine CO2-Ampel, die ersten wurden im Herbst 2020 gekauft, „eine weitere Lieferung ist gerade eingetroffen“. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Corona-Pandemie möchte Gerhardus auch die Schulbaurichtlinien, die aus dem Jahr 2010 stammen, angepasst wissen. Für ihn stand ganz klar fest: „Seit Anbeginn haben wir uns sehr, sehr intensiv mit der Corona-Pandemie beschäftigt. Mit den Maßnahmen, die wir beschlossen haben, sind wir gut gefahren.“

„Wir frieren wirklich“
Als Leiter der Westerwald-Schule in Gebhardshain berichtete Ralph Meutsch über den Unterrichtsalltag ob der Lüftungsvorgabe. „Wir frieren wirklich. Die Schüler sitzen im Durchzug, weil Türen für die Querlüftung geöffnet sind. Es regnet teilweise rein, der Wind weht bisweilen Bilder von den Wänden und Blätter von den Tischen. Wir schauen in der Schule mit Sorgen in den Winter.“ Torsten Löhr (CDU) konstatierte: „Wir beschäftigen uns seit Juli damit. Die Entscheidung ist nicht einfach.“ Mobile Geräte seien an manchen Stellen eine sehr gute Ergänzung. „Insgesamt läuft es bei uns sehr gut“, ließ Norbert Schmalen, Chef der IGS Horhausen, verlauten, „die Schüler der fünften und sechsten Klassen kommen dennoch an ihre Grenzen.“ Das Stoßlüften im Lehrerzimmer sei schwierig. Schmalen sah keine Notwendigkeit, für die gesamte Schule Luftfilteranlagen zu beschaffen. „Wir müssen sehen, dass wir mit Flexibilität weiterkommen“, meinte er.

Förderschule hat keinen Bedarf
Andrea Lottritz-Roth, die der Förderschule Am Alserberg in Wissen vorsteht, sah für ihre Einrichtung keinen Bedarf für Automaten dieser Prägung: „Das Lüften funktioniert bei uns gut. Wir erreichen pro Woche und zwei Tests für jeden Schüler einen viel höheren Sicherheitsstandard. Und wir arbeiten auch sehr eng mit unseren Schülern zusammen.“ Michael Schimmel, Leiter der Berufsbildenden Schule Betzdorf-Kirchen, äußerte die Befürchtung, dass „wir bei der Beschaffung der Geräte zu spät dran sind. Sie dürfen nicht erst im Sommer geliefert werden. Es gibt bei uns Räume, in denen wir Geräte brauchen. Wenn es gilt, die Viruslast zu reduzieren, sollte jede gebotene Möglichkeit genutzt werden. Mobile Geräte sind gut und geeignet, wenn der Präsenzunterricht beibehalten wird.“ Die Lüftungszyklen seien bereits verinnerlicht, erklärte Katja Weidt, die das Kopernikus-Gymnasium in Wissen lenkt. „Wir haben sehr, sehr disziplinierte Schüler. Wir nehmen Luftfilteranlagen natürlich dankend an, kommen auch mit dem Lüften sehr, sehr weit“, schob sie nach. Im Lehrerzimmer sorge ein Gerät für mehr Sicherheit.(vh)


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