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Pressemitteilung vom 04.11.2021    

Evangelische Kirche Oberwambach: Zum 150. Geburtstag Feier des Glaubens und Lebens

Frisch herausgeputzt lud die Oberwambacher Kirche ihre Gäste aus nah und fern zu ihrem Geburtstag ein. Angesichts eines quicklebendigen, fröhlichen Gottesdienstes und einer warmherzigen, üppigen Feier in bunter Gemeinschaft habe es laut dem Kirchenkreis nur noch den Raum für positive Gedanken gegeben: „Auf in die nächsten 150 Jahre!“

Wie mag sich ein Arbeiter 1871 beim Bau der Oberwambacher Kirche gefühlt haben? Presbyter Matthias Ludwig schlüpfte beim Festgottesdienst in diese Rolle und nutzte seine Frühstückspause, um „erdverbunden und himmelsnah“ der großen Festgemeinde in Oberwambach Einblicke in Historisches und Bewegendes mitzugeben. (Fotos: Petra Stroh)

Almersbach/Oberwambach. Alte Gemäuer bergen Schätze und Erinnerungen, verbinden Generationen, machen ihren Besitzern vermehrt Sorgen, verschlingen Geldmittel… Aber, schreibt der evangelische Kirchenkreis Altenkirchen: „Alles Negative tritt abrupt in den Hintergrund, wenn das alte Gemäuer vor Lebendigkeit nur so strotzt!“ So geschehen beim 150. Geburtstag der Oberwambacher Kirche, der am Reformationstag gefeiert wurde. Angesichts eines quicklebendigen, fröhlichen Gottesdienstes und einer warmherzigen, üppigen Feier in bunter Gemeinschaft habe es laut dem Kirchenkreis nur noch den Raum für positive Gedanken gegeben: „Auf in die nächsten 150 Jahre!“

Frisch herausgeputzt – erst jüngst gab es eine Außenrenovierung, die Innenarbeiten an dem alten Gotteshaus stehen im kommenden Jahr an – lud die Oberwambacher Kirche ihre Gäste aus nah und fern zu ihrem Geburtstag ein. Viele nahmen (coronakonform) laut dem Kirchenkreis die Einladung an und füllten die Reihen. Gemeindepfarrer Joachim Triebel-Kulpe freute sich über das Interesse von Gemeinde, kirchlichen, ökumenischen und politischen Akteuren, die das gute Miteinander auf zahlreichen Ebenen dokumentierten, aber auch über all die Vielen, die sichtbar oder im Hintergrund den Festtag möglich machten.

Wie vor 150 Jahren bei der Einweihung kam auch die „Kirchen-Prominenz“ zum Fest. War es im Oktober 1871 der damalige General-Superintendent der Rheinprovinz, Heinrich Eberts, so freuten sich diesmal alle, dass der im Januar neugewählte Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, am Festtag als Festprediger mitwirkte.
„Sie feiern nicht nur ein 150 Jahre altes Gebäude, sondern das spürbare Leben! Das Leben in ihrer zwar zahlenmäßig kleinen Gemeinde, aber dennoch in einer prallen Fülle“, unterstrich er.

Diese Freude am prallen Leben – so der Ratschlag des Präses in seinem Grußwort auf dem Empfang, bevor er zu überregionalen Reformationsfeierlichkeiten weiterreisen musste – sollten die Menschen in der Kirchengemeinde auch im Alltag vergegenwärtigen: „Ich wünsche Ihnen bei den täglichen Entscheidungen auch immer die Weisheit, alles Tun im Widerschein solcher rückblickenden Jubiläen zu betrachten: Hat sich manche Klein-Klein-Denke oder Streiterei wirklich gelohnt?“

„Beiing old is not a crime!“ Angelehnt an das Motto der Herdorfer Feierlichkeiten vor zehn Jahren zu deren Kirchenjubiläum erinnerte Superintendentin Andrea Aufderheide in ihrem Grußwort an die Kostbarkeit eines solchen Jubiläumsfestes. „Ihr Fest ist mehr als die bloße Würdigung eines errichteten Kirchengebäudes. Sie erinnern zugleich an die geistlichen Mütter und Väter der Kirchengemeinde Almersbach, deren lebendiger Glaube zum Werden und Wachsen dieser Gemeinde geführt hat. Diese Menschen haben sich von Gott ‚herausrufen‘ lassen – das bedeutet das Wort ‚ekklesia‘, zu deutsch: ‚Kirche‘. Die Superintendentin hatte eine Altarkerze als Geschenk mitgebracht, deren Glanz auch weiterhin an die Geburtstagsfeier erinnern möge, die auch sie sehr beeindruckt hatte, und die stetig die Zuversicht ausstrahlen möge.



Der Historie und den Baugeschichten der Oberwambacher Kirche widmete sich Baukirchmeister Oswald Schüler in einem kleinen Festvortrag bei der Feierstunde. Im Gottesdienst hatte es Presbyter Matthias Ludwig als Bauarbeiter „Anno 1871“ menschen- und himmelnah aufgegriffen.

„Es gibt keinen Glauben ohne die liebende Hinwendung zum Mitmenschen.“ Diese Überzeugung stand für Präses Thorsten Latzel bei seiner Festtagspredigt am Reformationstag im Zentrum der Antwort auf die Frage, was es bedeutet, in evangelischer Freiheit an Gott zu glauben. „Ein Glaube, der nicht in Liebe tätig ist, ist tot. Weil er nicht mein Leben bestimmt. Aber die Verbindung gilt auch andersherum: Eine Liebe, die nicht im Glauben verwurzelt ist, wird haltlos. Weil sie ihre geistliche Wurzel, ihre Kraftquelle, ihre Hoffnung verliert.“

In vier Fragebereichen griff er auf, was es im evangelischen Sinne bedeute, Christ zu sein. Auf alle diese Fragestellungen konnte er Antworten geben, doch letztlich bleibe für ihn immer die große Frage: Was heißt es für jeden ganz persönlich, als Christ in evangelischer Freiheit an Gott zu glauben? Sie gelte es, immer neu zu beantworten. Dies vor allem auch in einer Zeit, die viele Menschen als schwierig und belastend erleben. „Corona, Klimawandel, Flüchtlingsnöte, soziale Unsicherheit, eine Gesellschaft, die sich immer schneller verändert und wo viele das Gefühl haben, nicht mehr mitzukommen?“

„Die Art, wie ich mein Christsein verstehe, ist immer im Fluss, hat sich in den Jahren immer wieder verändert. Das ist notwendig, weil Glaube und Liebe nie etwas Statisches sind“, ließ Präses Latzel die Festgemeinde wissen.
Für ihn sei entscheidend, „in Liebe tätig zu sein, auch wenn alles andere dagegenspreche. Und darauf zu vertrauen, dass Gott es zu einem guten Ende führen wird, auch wenn ich nicht weiß, wie es geschieht, und Gott oft nicht einmal spüre“.

„Das heißt für mich, in evangelischer Weise Christ zu sein. Und das macht frei, anders zu leben: mutig, trotzig, widerständig, liebevoll!“
Eingebettet waren die protestantisch-freien Worte des leitenden Geistlichen in die unterschiedlichsten Zeugnisse lebendigen christlichen Seins der Oberwambacher Christenmenschen: die Darstellung audio-visueller Gemeindevielfalt; das fröhliche, urkindlich gesungene und getanzte Gottvertrauen des Spatzenchores; die sich versichernde Liturgie; die herzerwärmenden klassischen Kirchenmusikelemente; die Spielfreude der Blechbläser und den mitreißenden Sound von Kirchenband und Projektchor. (PM/PES)


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