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Nachricht vom 23.11.2021    

18-jährige Samira aus Hilgenroth holt deutschen Karatetitel

Wenn Sportler Geburtstag haben, so unterstellt ihnen die Öffentlichkeit, ist ein Sieg in einem Wettbewerb das schönste Geschenk, das sie sich selbst machen können. Vielfach wird dieser Wunsch nicht Wirklichkeit. Doch Samira Mujezinovic schafft die Duplizität der Ereignisse.

Samira Mujezinovic (rechts) wie sie leibt und lebt: Sehr oft verlässt sie als Siegerin die Kampffläche. (Foto: privat)

Altenkirchen/Hilgenroth. Im Leben vieler stellt der 18. Geburtstag einen Meilenstein dar. Mit der Volljährigkeit beginnt ein weiterer Lebensabschnitt, der zahlreiche neue Pflichten und Rechte mit sich bringt. Wenn dann zusätzlich auf solch ein „Ereignis“ noch ein Erfolg gleich welcher Couleur fällt, sprechen viele davon, dass sich derjenige am Jubeltag selbst das schönste Geschenk gemacht hat. Zum Kreis dieser Glücklichen zählt auch Samira Mujezinovic. Der Triumph bei der deutschen Karatemeisterschaft in der Kumite-Kategorie der U-21-Klasse über 68 Kilogramm verleiht diesen so einmaligen 24 Stunden ihres Lebens einen wahrlich besonderen Aspekt, den sie so schnell nicht vergessen wird. Mit zwei klaren Erfolgen (8:1 gegen Bianca Trenz/4:0 gegen Talina Titz) bei dem Wettbewerb in Kempen in der Nähe von Krefeld krönt die junge Frau aus Hilgenroth, die für den KSC Puderbach startet, ihre sportliche Karriere, die zuvor bereits nicht ohne die ein oder andere gute Platzierung verlaufen ist. Kumite, im Gegensatz zu Kata, bei dem stilisierte Kämpfe ausgetragen werden, ist die eher handfestere Variante der fernöstlichen Disziplin, bei der sich zwei Akteure auf der Matte gegenüberstehen und „bekämpfen“. Beide Varianten präsentieren nach Judo und Taekwondo die dritte asiatische Kampfsportart, die ins olympische Programm aufgenommen worden ist. Die ersten Medaillen wurden 2020/2021 in Tokio vergeben. Ob Karate olympisch bleibt, ist noch nicht entschieden. So wäre für Samira ein Start 2024 in Paris wahrscheinlich das Nonplusultra ihres sportlichen Werdegangs.

Berufswunsch: Polizistin

Im Rückblick auf ihren großen Wurf bleibt Samira eher bescheiden. Sie spricht von einem „schönen Tag, auf den ich ein bisschen gewartet habe“. Mehr aber nicht. Überschwängliche Euphorie scheint nicht das Ding der 1,80 Meter großen Sportlerin, die noch bis zu den Sommerferien des kommenden Jahres ihr Freiwilliges Soziales Jahr an der August-Sander-Schule in Altenkirchen absolviert. Sie findet ihre momentane Tätigkeit, die Zusammenarbeit mit Kindern, „gut und schön“. Dennoch wird sie der Abschied von der Glockenspitze nicht unvorbereitet treffen. Vorstellungen, welcher berufliche Weg eingeschlagen werden könnte, sind fixiert: „Ich möchte gerne Polizisten werden und dann der Sportfördergruppe angehören. So könnte ich meine sportliche Karriere fortsetzen.“ In den nächsten Wochen, so Samiras Plan, will sie sich intensiv auf die Einstellungstests vorbereiten, um erfolgreich die Tür zum präferierten Job zu öffnen.

WM-Start in Chile 2019
Über ihren, eine Minute älteren Zwillingsbruder Samir (der inzwischen nicht mehr aktiv ist) entdeckt Samira ihre Liebe fürs Karate. Erste Übungsstätte ist ein Studio in Mammelzen, in dem nach und nach ihr Coach Uli Neumann auf ihr Talent aufmerksam wird. Mujezinovic wechselt in den Stammsitz des KSC nach Puderbach und intensiviert das Training. Dreimal pro Woche feilt sie an Technik und Kondition und wird belohnt. 2019 startet sie bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Santiago de Chile und verliert nach eigenen Angaben in der ersten Runde. „Es war eine gute Erfahrung“, resümiert sie im Rückblick ihre Vorstellung und auch die Reise, die pro Strecke 14 Stunden mit dem Flieger gedauert habe. Einsätze in der Youth-League mit Stationen in mehreren europäischen Ländern bescheren ihr mit dem Team den dritten Platz, die Bronzemedaille also. Wieder auf sich allein gestellt, zeigt Samira bei der DM der Leistungsklasse in Berlin im September, wozu sie fähig ist. Nach Erfolgen über Louisa Howaldt (Berlin), Selina Stamer (Meißen) und Amelie Lücke (Heiligenstadt) wird sie erst im Finale von Johanna Kneer (Ravensburg) gestoppt: Das 1:3 bedeuten Rang zwei und die Silbermedaille.

U-21-Turnier in Venedig

Die schönen Erfolge im Gedächtnis, ist für Samira trotz des zu Ende gehenden Jahres noch nicht die Zeit gekommen, Uwagi (Jacke), Zubon (weite Hose) und Obi (Gürtel) im Kleiderschrank zu belassen. Ganz im Gegenteil: Anfang Dezember reist sie zu einem U-21-Turnier nach Venedig, für das sie die Trainingsintensität deutlich erhöhen wird. „Sieben Mal pro Woche habe ich mir vorgenommen“, schildert Samira ihren Ansatz, um die gute Form zu konservieren, ja sogar weiter zu verbessern. Dafür bringt sie natürlich Opfer auf privater Seite. Das, was junge Leute eben gerne machen, sich beispielsweise mit Gleichaltrigen treffen, bleibt ein wenig auf der Strecke, weil alles diesem nächsten großen Ziel untergeordnet wird. Auch die Hobbys „Pferde und Familie“ müssen zurückstehen, zumal Samira darüber hinaus mit einer Teilnahme an der U-21-Europameisterschaft im Februar des kommenden Jahres in Prag liebäugelt. „Die wäre möglich“, meint sie lapidar und macht derzeit also nicht viel Aufhebens um die Chance, nach kontinentalen Meriten zu greifen.

Gute familiäre Absicherung

Für Samira resultieren die sportlichen Erfolge aus einer guten familiären Absicherung. „Ohne meine Eltern und meine Oma wäre ich nicht so weit gekommen“, richtet sie, die in Waldbröl geboren wurde, einen großen Dank in Richtung Hilgenroth. Vater und Mutter als auch ihre Faible für Karate sollen natürlich auch in den nächsten Wochen und Monaten die Hauptbestandteile ihres Lebens sein. Dafür nimmt sie weiterhin gerne die Pendelei in den Nachbarkreis in Kauf. Und ihr Trainer freut sich, die Arbeit mit Samira fortsetzen zu können. „Sie ist fleißig, blickt im Training auch mal über den Tellerrand hinaus und ist an Turniertagen sehr diszipliniert - gerade was die Ernährung betrifft“, lobt Neumann. Weitere Grundlagen des Erfolges seien die körperlichen Voraussetzungen. Halte die gute sportliche Entwicklung an, könnten Teilnahmen an Welt- oder Europameisterschaften gelingen, fügt der Coach an und hofft, dass der Coup von Kempen keine „Eintagsfliege“ gewesen ist. (vh)


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