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Nachricht vom 05.12.2021    

Altenkirchener Aktionskreis: Raus aus der Krise mit einer Doppelspitze

Die SPD ist mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans als Vorsitzenden wieder in ruhigeres und erfolgreiches Fahrwasser zurückgekehrt. Auch der Aktionskreis Altenkirchen setzt in den kommenden zwei Jahren auf eine Doppelspitze: Tanja Iserlohe und Dennis Eichel.

Tanja Iserlohe und Dennis Eichel wollen den Aktionskreis Altenkirchen wieder richtig flott machen. (Foto: vh)

Altenkirchen. Es war nicht immer Gold, was rund um den Aktionskreis Altenkirchen in der zurückliegenden Zeit glänzte. Katja Lang war im April von ihrem Posten als Vorsitzende zurückgetreten, für sie hatte Majed Mostafa als zweiter Chef die Geschäfte geführt. Mit einer Doppelspitze à la SPD will der Zusammenschluss nunmehr die Krise überwinden. Tanja Iserlohe (28), in der vierten Generation im elterlichen Betrieb Herrenmode Iserlohe in der Wilhelmstraße aktiv, und Dennis Eichel (40), Prokurist eines inhabergeführten Geschäftes für Garten- und Forstgeräte in der Kölner Straße, wollen wieder für bessere Zeiten sorgen. Im „doppelten“ Exklusiv-Interview mit dem AK-Kurier sprechen sie über den Zustand der Werbegemeinschaft, ihre Ziele und das Verhältnis zur Stadt Altenkirchen.

Die SPD hat es mit zwei Vorsitzenden vorgemacht. Lösen zwei Vorsitzende auch die Probleme des Aktionskreises?
Eichel: Ich glaube nicht, dass die Umstellung auf zwei Vorsitzende die Probleme des Aktionskreises löst. Sie löst das Problem des Einzelvorsitzenden, immer, also permanent, Ansprechpartner zu sein, immer alles gefragt zu werden, ohne selbst Rückhalt zu haben. Deswegen haben wir uns entschieden, gemeinsam anzutreten, in der Spitze uns zu ergänzen. Ein Problem wird mit Sicherheit gelöst. Tanja ist im Stadtrat, und die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat war in der Vergangenheit nicht immer glücklich. So haben wir nun einen ganz direkten Draht und eine Redundanz, sollte einer von uns einmal ausfallen. Zwei Köpfe leisten grundsätzlich mehr als einer.

Wer ist denn auf die Idee des Doppelvorstandes gekommen?
Iserlohe: Das Prinzip ist ja nicht neu, denn wir hatten schon immer einen ersten und einen zweiten Vorsitzenden. Sie waren laut Paragraf 26 des Bürgerlichen Gesetzbuches gleichermaßen vertretungsberechtigt. Man ergänzt sich. Wo der eine einmal richtig einspringen kann, kann der andere eher im Hintergrund arbeiten. Die Idee, als Doppel zu kandidieren, ist bei der Wahl des neuen Vorstandes entstanden. Wir haben uns überlegt, wie wir uns als Aktionskreis neu aufstellen. Es war nicht von Anfang an klar, dass wir das auf diese Weise machen.
Eichel: Das Auftreten nach außen war halt so, dass der erste oder die erste Vorsitzende an der Spitze stand. Wir haben uns klar dagegen entschieden und uns gesagt: Wir machen das im Team und haben uns im Vorfeld miteinander abgestimmt, ob wir in die gleiche Richtung zusammen gehen können. Darauf haben wir die ganze Strategie aufgebaut und geschaut, ob wir im Vorstand Menschen haben, die mitarbeiten wollen, ein Team haben, das alles mitträgt. Das ist das, was heutzutage funktionieren kann.

Sind sie für zwei Jahre gewählt?
Eichel: Ja, wir haben uns eine eigene Probezeit gegeben und wollen schauen, was wir nach einem Jahr erreicht haben. Wir wollen uns selbst nach einem Jahr beurteilen und auch die Beurteilung der Mitglieder bekommen. Dann wollen wir entscheiden: Sind wir auf einem guten Weg? Müssen wir auf unserem Weg Veränderungen vornehmen? Können es andere vielleicht besser? Da sind wir vollkommen ergebnisoffen. Aber wir müssen nach einem Jahr Bilanz ziehen, ob wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Wie ist es denn um den Aktionskreis überhaupt bestellt?
Iserlohe: Es ist aktuell eine schwierige Situation. Uns ist bewusst, dass viel Arbeit vor uns liegt in unterschiedlichen Bereiche wie Kommunikation, Mitgliederpflege, nämlich rauszufinden, was unsere Mitglieder möchten. Das ist ganz, ganz wichtig. Unsere Mitglieder müssen den Mehrwert einer Mitgliedschaft im Aktionskreis wieder erkennen. Wir haben bereits die Satzung geändert, dass über die Stadtgrenze hinaus eine Mitgliedschaft möglich ist. Das vereinfacht vieles. So können wir die Autohäuser oder die Industrie oder die Gastronomie ansprechen und fragen: Was stellt ihr euch unter einem aktiven Aktionskreis in eurer neu zu gründenden Fachgruppe vor? Wir brauchen aber auch von den Angesprochenen Feedback, um das Stimmungsbild aus den einzelnen Bereichen zu erfahren. Es ist glaublich schwer, als Vorstand die Entscheidungen für die einzelnen Bereiche richtig zu treffen. Wir brauchen ein Miteinander, eine Zusammenarbeit. Wir sind nicht die Helden der Nation, die alles lösen können. Wir geben uns Mühe, alles zu kanalisieren, um den Aktionskreis wieder lebendig zu machen. Wir müssen ebenfalls versuchen, unsere aktuellen Mitglieder wieder richtig mit ins Boot zu holen und konkret auf die Leute zugehen.

Eichel: Die Ausgangssituation ist natürlich coronageprägt. Zum einen konnten wir in den vergangenen Monaten keine gewohnten Veranstaltungen durchführen. Das hat dazu geführt, dass wir den einen oder anderen als Mitglied verloren haben. Sicherlich haben auch Sparmaßnahmen dazu geführt, dass der eine oder andere gekündigt hat. Das müssen wir im Moment auch auffangen. Wir starten trotzdem fast mit einer schwarzen Null in der Kasse. Der Weg für die Zukunft ist klar gezeichnet: Rück-. und Neugewinnung von Mitgliedern in einem harmonischen Miteinander. Es sind eigentlich drei Punkte: Mitglieder befragen, neue Mitglieder gewinnen und die Zufriedenheit steigern. Die Mitglieder müssen zu einer Mitarbeit aktiviert werden. Der Vorstand ist nicht dazu da, für den Verein die gesamte Arbeit zu leisten, sondern er ist zum Lenken da. Über Fachruppen wie die der Autohäuser beispielsweise können deren Themen und Belange aufgegriffen werden. Ich glaube, dass auf diesem Weg viele neue Ideen entstehen.



Bleibt die Basis der jährlichen Veranstaltungen bestehen?
Iserlohe: Wir werden auf jeden Fall darauf aufbauen. Das Grundkonzept ist sehr, sehr gut und erfolgreich gewesen. Es ist in den zurückliegenden Jahren ein wenig eingeschlafen, was auch sicherlich gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe hatte. Auf der bekannten Basis werden wir dieses Konzept weiterentwickeln. Wir können uns aber nicht nur auf den Handel fokussieren. Dafür hat Altenkirchen viel mehr zu bieten. Wir müssen schauen, dass Altenkirchen als Gesamtes attraktiv bleibt. Wir möchten uns gar nicht so klein machen. Es soll nicht nur die Fußgängerzone profitieren.

Eichel: Der Aktionskreis ist oft wahrgenommen worden als ein Zusammenschluss der Händler und dass er ein verkaufsförderndes Instrument ist. Das Schaffen von Kultur oder eines lebenswerten Umfeldes gehört aber genauso dazu, wie es die Gründerväter in die Satzung geschrieben haben. Da gibt es viele Dinge, die wir tun können und nun auch über die Stadt hinaus. Ein Thema wäre eine lokale Stellenbörse, weil alle momentan Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter zu finden - ob in der Gastronomie, im Handel oder in der Produktion. Über den Aktionskreis würde eine Bewerbung eingereicht, die an viele Unternehmen verteilt würde. Das ist auch für die Bewerber ein Riesenvorteil. Auch der eigene Auftritt, die Internetseite, und die Vermarktung der Aktionskreisgutscheine müssen wir voranbringen. Wir haben hohe Geldbestände auf den Konten, die treuhandmäßig diesen Gutscheinen zugeordnet sind. Das sind fünfstellige Beträge. Die Gutscheine können die Kunden in den Handel bringen, und für den Händler ist das bares Geld. In den momentan erneut schwierigen Zeiten wäre es für Handel, Dienstleister und Gastronomie ganz besonders wichtig, diese Gutscheine jetzt einzulösen.

Wie stehen Sie zur Geburt des „Wäller Markts“, der Online-Plattform, die sich die Stärkung des regionalen Handels zum Ziel gesetzt hat?

Iserlohe: Der Aktionskreis hat das unterstützt. Ich kann nur von uns sprechen. Wir sind neugierig. Es ist ein sehr spannendes Projekt. Wir planen mitzumachen. Die Altenkirchener sollten es sich nicht nehmen lassen, den Aufwand zu betreiben, um mitzumachen, und ein bisschen Risiko zu fahren, um so auch neue Kunden zu gewinnen. Der „Wäller Markt“ hat Potenzial. Wenn jeder alleine für sich kämpft, bringt das nichts.

Eichel: Wir warten darauf, dass es im Januar oder Februar nächsten Jahres „live“ geht, um zu sehen, wie es um die Stabilität der Plattform bestellt ist. Mit solch breit angelegten regionalen Plattformen kann man Handel und lokalen Umsatz stärken.

Sie sprachen bereits das Verhältnis zwischen Aktionskreis und Stadt an. Wie könnte eine Verbesserung aussehen?
Eichel: Ich glaube, dass die Kommunikation in der Vergangenheit nicht glücklich gelaufen ist. Vielleicht hat das eine oder andere persönliche Thema mit hineingespielt, so dass man sich persönlich nicht grün war. Davon müssen wir als Verein weg. Wir können nur mit einer guten Kommunikation besser zusammenarbeiten. Ich weiß, dass von beiden Seiten die Bereitschaft groß ist. Es wird gar nicht mal so sehr um Finanzielles gehen, sondern darum, an einem Strang zu ziehen, um Ideen gemeinsam voranzubringen anstatt dass der eine oder der andere für sich allein kaspert. In der Ausschreibung der Stadt für die Stelle des City-Managers ist bereits die Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis verankert. Wir können uns sogar vorstellen, räumlich gemeinsam aufzutreten. Aber das muss erst noch angestimmt werden. Es soll eine viel bessere Verzahnung stattfinden, als es bislang der Fall war.

Iserlohe: Mir ist aufgefallen, dass die Fronten sehr verhärtet waren. Das hat die Zeit mit sich gebracht. Viele unschöne Gespräche, viele persönliche Schwierigkeiten: Deswegen möchten wir gerne nach vorne schauen. Es ist uns ein Herzensanliegen, dass wir das Alte hinter uns lassen. Wir können uns jetzt neu beweisen. Wir können jetzt sagen: Hey, wir haben alle das gleiche Ziel. Wir kämpfen für das gleiche Ziel. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Es muss ein regelmäßiger Austausch her, damit es keine Missverständnisse gibt. Gegeneinander geht einfach nicht.

Was ist Ihr größter Wunsch für die nächsten zwölf Monate?

Iserlohe: Ich wünsche mir vom Herzen ein fröhliches Miteinander, eine gute Stimmung untereinander, einen großen Zusammenhalt, dass man sich auf die Gemeinschaft berufen kann, die miteinander gut auskommt. Wir alle haben soviel einzeln gekämpft in dieser harten Zeit. Ich hoffe, dass ein Netzwerk entsteht, in dem es jedem Spaß macht mitzumachen.

Eichel: Ich kann den Wunsch nach einem harmonischen Miteinander nur unterstreichen und hoffe, dass es kein Gequengel gibt, dass alle an einem Strang ziehen, dass die Arbeit auf viele Schultern verteilt werden kann, dass neue Mitglieder gewonnen und dass die Fachausschüsse gebildet werden, die ihre Themen besetzen, dass mehr Menschen mitarbeiten als nur der Vorstand. Nach Corona muss man den Fokus nach vorne richten und nicht das Vergangene betrachten. Hier und da gehört das Zuschütten von Gräben mit dazu. Wir lassen uns auch von einzelnen Rückschlägen nicht bremsen. (vh)


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