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Nachricht vom 11.12.2021    

Jubiläum des Nachtwächters: Teilnehmer der ersten Führung eingeladen

Am Freitag (10. Dezember) gab es in der Kreisstadt die 100. Stadtführung mit dem Nachtwächter: Günter Imhäuser versteht es immer wieder, die Gäste mit Anekdoten zu unterhalten. Wohl wissend, dass die Stadt durch die Wirren des Krieges kaum alte Gebäude hat, findet Imhäuser den Zugang zu seinen Zuhörern.

Günter Imhäuser führte als Nachtwächter schon 100 Mal neugierige Zuhörer durch Altenkirchen. (Fotos: Privat)

Altenkirchen. Leicht haben es die Stadtführer oder der Nachtwächter nicht, in Altenkirchen, einer nicht mit Fachwerkidyllen gespickten und in den Jahrhunderten arg gebeutelten zerstörten Stadt, ihre Besucher zu begeistern. Dieser Schritt ist ihnen trotzdem sehr gut gelungen, was sich an der Gesamtzahl der geführten Besucher seit rund 15 Jahren zeigt. Dem Nachtwächter Günter Imhäuser folgten in sechs Jahren rund 1660 Gäste bei seinen Erzählungen und Geschichten über die Stadt.

Imhäuser beginnt, ohne Gesang, der ihm gar nicht liegt, mit seinem Eingangsspruch „Hüjed Ihr Leut on losd euch soon, sechs Our hädd de Glogg jeschloon. Wollen Ondücht dorch dat Toor, ech jaachen se fort, dat iss doch kloar. Wollen Ondücht durch de Dür, hat keen Angst ich stoon defuer." Übrigens wurden alle die auf Platt gesprochenen Hinweise und Anekdoten von dem Heimatdichter Walter Ochsenbrücher aus Heupelzen mundartlich übersetzt. Mit einem Schmunzeln weist der Nachtwächter darauf hin, dass morgen kein Aufsatz geschrieben werden müsse. Dies kommt besonders bei Schulklassen gut an. Imhäuser sagt, er arbeite so wenig wie möglich, aber mit den notwendigen Geschichtsdaten. Geschichten und Anekdoten wären für die Besucher ein besserer Weg, einiges mit nach Hause zu nehmen.

In die eigentliche Stellung des Nachtwächters in der Stadt, die er mit schlechter Bezahlung, zweifelhaftem Ruf und als unehrlich an einer der untersten Stufe der Beliebtheit darstellt, werden seine Besucher als erstes eingeweiht. Mit einigen wenigen Worten berichtet er, dass er aber Möglichkeiten - zum Beispiel bei der Bezahlung - gefunden habe, dies teilweise zu ändern. Hierzu zählt das Schließen der Stadttore, die Verzögerung der Sperrstunde in den Gasthäusern und das Schweigen über heimliche Liebschaften. Dies aber unter dem Motto, man dürfte ja fast alles, aber sich nicht erwischen lassen. Beginnend am Schlossplatz, führen seine Rundgänge durch die Gassen und an der Stadtmauer vorbei. Besondere Aufmerksamkeit wird ihm geschenkt, wenn er von den über die Stadt hinweggebrausten Brände erzählt, dadurch die Neuordnung der Straßen in Altenkirchen erklärt und zu den Dreckgassen kommt. Er bittet dann seine Begleiter, die Wortwahl zu entschuldigen, hier fand er seine Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes „scheiße“ und manchmal wurde er auch von Unrat und anderen Dingen, die nur in den Dreckgassen zu finden waren, von oben überrascht.



Die einzigen in Fachwerk erhaltenen Gebäude am Marktplatz und die Privilegierte Apotheke finden immer noch Bewunderung in der sonst neuzeitlich gestalteten Stadt. Noch vorhandene alte Stadtmauerreste in der hintersten Ecke, die zuvor erklärte Burg und das auch nicht mehr vorhandene Schloss erzeugen dann doch noch ein kleines Bild einer mittelalterlichen Stadt. Der Name Altenkirchen lässt auf ein sehr hohes Alter schließen und wird am Schluss der Führung mit der Geschichte der Kirchen verknüpft. Zum Ende weist Nachtwächter Günter darauf hin: „Hüjed Ihr Leut on losd üch soon, de Glogg hädd aacht jeshloon.....“ und so weiter bis er dann am Ende versucht, die Zuhörer lächelnd zu überzeugen mit den Worten: „Wem es nicht gefallen, mit dem geh ich 2 Uhrenstrich um die Ecke glatt, und erklär Ihm mit meinen Fäusten hart, dass Ihm die Führung doch gefallen hat“!

Aber der Beifall war ihm bei den 99 anderen Führungen immer gewiss, und die Faust gebrauchte er nie. Der Spruch „Man wird so alt wie eine Kuh, man lernt doch immer noch dazu“, ist nur eines der lobenden Worte der Gäste zum Abschluss auch dieser 100. Führung.



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