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Nachricht vom 18.01.2022    

Betzdorf: 140 Menschen protestieren friedlich gegen Impfpolitik und -pflicht

Gegen die Impfpolitik und eine Impfpflicht sind an die 140 Menschen in Betzdorf auf die Straße gegangen. Bei der angemeldeten Demonstration führten die Teilnehmer teils Grablichter mit sich. Zurück am Rathaus gab es eine Abschlusskundgebung. Die Demonstration verlief ruhig und friedlich.

Erstmals gab es in Betzdorf eine Demonstration zum Thema Impfpolitik und Impfpflicht. (Fotos: tt)

Betzdorf. Montagabend (17. Januar), kurz vor 18 Uhr: Vor dem Sockel des Rathauses stehen etliche Grablichter. Und noch mehr Menschen haben sich da bereits eingefunden, um bei einer angemeldeten Demonstration ihrem Unmut gegen Impfpolitik und -pflicht Ausdruck zu verleihen. Aus dem Megafon ist eine Stimme zu hören: Frank Hölzemann stellt sich vor. Er freut sich, dass die Menschen zur Demonstration gekommen seien. Diese habe er angemeldet, lässt er über Megafon wissen. Vertreter der Polizei Betzdorf sind auch vor Ort, ebenso Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain. Ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung Altenkirchen ist an der Aufschriften hinten auf seiner Jacken zu erkennen.

Von Hölzemann gibt es noch eher organisatorische Hinweise, bevor sich der Tross in Bewegung setzt: So sollen die Teilnehmer auf dem Weg durch die Innenstadt Abstand halten. Dann könne man auf Masken verzichten, war es aus dem Sprachverstärker zu vernehmen. Ohne Masken und zum Teil mit Grablichtern in der Hand ging es durch die City. Ausgangspunkt für den Rundgang war das Rathaus. Dort endete die Demonstration nach einer kleinen Kundgebung. Hölzemann ging voran. Aus der Flüstertüte war nun "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen zu hören. Das Lied begleitete den gesamten Weg der Demonstration, ebenso die Mitarbeiter der bereits erwähnten Behörden. Am Rampenwendel vorbei und über die Bahnhofstraße bewegten sich der Zug der Protestler, und weiter durch die Passage und über die Krell-Brücke bis auf die andere Seite der Sieg. An der Wilhelmstraße ging es weiter über die Fußgängerbrücke. Der weitere Rückweg verlief über den Gehweg der Friedrichstraße, am Amtsgericht und an der Polizei vorbei und weiter über die Hellerbrück. Hier kam das Rathaus wieder in den Blick der Demonstranten. Diese versammelten sich auf dem Vorplatz. Die mitgeführten Grablichter wurden unterhalb des Rathausbalkons abgestellt.

Hölzemann sprach zu den Demonstranten und äußerte, dass er "unpolitisch" sei. "Dass wir wegen eines 'Virus' noch auf die Straße gehen, hätte ich mir nie träumen lassen", sagte er: „Wo ich doch noch nie auf einer Demo war.“ Er ließ wissen, dass er seit zwei Jahren – "anfänglich angstvoll und hygienephobisch" – die Anweisungen über Abstand, Masken und Lockdown befolgt habe: "Egal, mit welcher Konsequenz, ob im privaten oder beruflichen Bereich", sagte Hölzemann. "Nach und nach wurde die Sinn- und Hilflosigkeit vieler Maßnahmen, die sicherlich zu unserem Besten sein sollten, immer offensichtlicher", tat Hölzemann kund. "Statt nun in die Diskussion zu gehen und Alternativen zur Lösung der vermeintlichen Katastrophe zu suchen", so der Redner, "und uns Bürger mitzunehmen", gehe man stur den eingeschlagenen Weg: "Erste und einzige Lösung die Impfung." Aus dem Megafon war zu vernehmen, dass ein Impfstoff eine gute Sache sei – wenn er sich bewähre, wie bei Pocken und Kinderlähmung, und wenn er zehn Jahre und länger Schutz biete. "Jeder hat das Recht sich zu schützen, sei es durch Abstand oder Impfung", meinte er. "Wer das nicht möchte, der verantworte es nur für sich selbst", legte Hölzemann seine Sicht dar. Für ihn hat das "mit fehlender Solidarität nichts zu tun, da die Virusübertragung bei allen, geimpft oder nicht geimpft, ähnlich ist". Dazu komme von der Politik kein Wort, kein Verständnis und keine Vermittlung. Stattdessen gebe es Ausgrenzung, Schuldzuweisung und Diffamierung. Für ihn sei das ganz klar ein Zeichen von Hilfslosigkeit. Solche Situationen könnten schnell zu einer Eskalation führen, "vor allem wenn Menschen zusätzlich ihrer Freiheit, der Teilnahme am öffentlichen Leben, beraubt werden", so Hölzemann. Er vertrat die Ansicht, dass es letztendlich nur der Hebel sei, "um auch die Letzten zur Impfung zu zwingen". Hölzemann: "Wie ich finde, der absolut falsche Weg."



Er könne teilweise nur noch lachen, "wenn die Politiker wieder neue Corona-Mythen prognostizieren, die wie vieles vorher verpuffen", sagte Hölzemann. "Die Politik habe es von vorneherein nicht geschafft, die Menschen zu überzeugen, mitzunehmen." Man sei hier, weil man selbstbestimmt sei, Dinge hinterfrage und diskussionsbereit sei. "Wir wollen fair und menschlich behandelt werden", sagte Hölzemann und forderte: "Macht endlich Schluss mit diesem Paniktheater." Die Demonstranten hatten einige Male Zwischenbeifall gegeben. Eine Frau tat ihre Meinung mit zwei Plakaten kund. Auf dem einen mit "Impfen – Nein danke", auf dem anderen mit "Impfen ist wie Gendern – sinnlos". Seit 25 Jahren sei sie Krankenschwester, gab eine Frau an, die nach Hölzemann das Megafon nutzte, um vor der versammelten Protestgruppe zu sprechen. Sie führte die Inzidenz im Landkreis Altenkirchen und folgerte daraus, dass mehr als 99 Prozent der Bevölkerung nicht infiziert seien. "Warum muss mein Sohn bei diesen Zahlen im Unterricht Maske tragen", fragte sie und erwähnte dann auch Bremen. Dort habe man die höchste Impfquote, aber auch die höchste Inzidenz: "Warum sollte ich mich da impfen lassen?" Nach dem Rundgang und den zwei Wortbeiträgen löste sich die Demonstration auf. (tt)


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