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Nachricht vom 26.01.2022    

In Altenkirchen wiedereröffnet : "Café inklusiv" folgt auf "Café Weinbrenner"

Wort gehalten: Nach rund einem Monat (so lange sollte die Schließung dauern) hat Altenkirchen das Café, gelegen an der Schnittstelle von Frankfurter -, Rathaus- und Quengelstraße, zurück. Seit Heiligabend des vergangenen Jahres ist aus dem "Café Weinbrenner" das "Café inklusiv" geworden.

Es ist geschafft: Das „Café inklusiv“ ist eröffnet und hat die Nachfolge des „Café Weinbrenner“ angetreten. (Foto: vh)

Altenkirchen. 6 Uhr am Mittwochmorgen (26. Januar): Gerade erst die Pforten geöffnet, betritt bereits Sekunden später der erste Kunde das neue „Café inklusiv“ in den Räumen des ehemaligen „Café Weinbrenner“, das strategisch gut an der Kreuzung von Frankfurter -, Rathaus- und Quengelstraße in Altenkirchen residiert. Einen Monat war es geschlossen, damit der neue Betreiber, die Neue Arbeit gGmbH (gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung), die Räumlichkeiten inklusive Ankauf des Inventars seinen Vorstellungen anpassen konnte. Zur Feier des Tages erhielt der frühe Käufer weder ein Glas Sekt oder ein Präsent, sondern „das freundlichste Lächeln, das Altenkirchen zu bieten hat“, schmunzelt Stefanie Schneider, die Geschäftsleiterin der Neuen Arbeit, und freut sich, dass der Übergang doch einigermaßen reibungslos vonstatten gegangen war. Der letzte Öffnungstag unter der Führung der Familie Weinbrenner (Langenbach bei Kirburg) war der Heilige Abend des Jahres 2021 gewesen. Ganz außen vor sind die ehemaligen Pächter des Ladenlokals dennoch nicht. Sie liefern weiterhin einen größeren Teil der Backwaren, die das neue Team unter der Leitung von Konditormeisterin Christina Weiß verkauft. Sie selbst ist darüber hinaus zuständig für die Produktion von Torten. Zu den „aushäusig“ gebackenen Leckereien, deren Qualität über Jahre hinweg einen sehr guten Ruf hatte, gesellen sich haus- und handgemachte Croissants und Kartoffelbrote. Die Bäckerei Weinbrenner unterhält auch weiterhin eine Verkaufsstelle in ihrem Heimatort und betreibt nach wie vor ein kleines Café in der Hachenburger Fußgängerzone.

Lieferengpässe als Problem
Dass der Teufel durchaus im Detail stecken kann, diese Erfahrung musste Schneider in den zurückliegenden Wochen hin und wieder machen. Dank Lieferengpässen wurden Kaffeemaschine und Kassensystem jeweils nicht laut Terminierung zugestellt, konnten aber dennoch punktgenau ihren Betrieb aufnehmen. Noch fehlen kleine Milchkännchen, „die uns natürlich helfen sollen, weg von Einweg und Müll zu kommen“, wie sie eine der Grundüberlegungen des Betriebes formuliert. Beim Backen des süßen Naschwerks als auch bei der Zubereitung der Speisen für die kleine Mittagskarte gelte, so Schneider, für die Zutaten der Grundsatz „regional, selbstgemacht und ohne Dinge wie Geschmacksverstärker“. Vor diesem Hintergrund kommt der „Kochpunkt“ in der Neue-Arbeit-Zentrale in der Philipp-Reis-Straße unter dem Fernmeldeturm in der Nähe der Kölner Straße mit ins Spiel. Er, der ebenfalls stark auf regionale Produkte setzt, wird hin und wieder als Zulieferer (Suppen, Schnitzel etc.) fungieren. Neben dem Mittagstischangebot ist der „Kochpunkt“ als Caterer für Tagungen, Familienfeiern, Firmenevents oder besondere Anlässe mit Fingerfood oder Büffets (kalt/warm) spezialisiert. Trotz möglicher höherer Einstandskosten möchte Schneider „konkurrenzfähig sein. Ein Preisunterschied wird womöglich aber bleiben“.

Neuer Innenanstrich
Gäste, denen die Innenausstattung des Cafés vor der befristeten Schließung geläufig war, werden kaum Änderungen wahrnehmen. Ein frischer Anstrich und eine neue Beleuchtung sowie hin und wieder ausgetauschte Sitzbezüge fallen kaum ins Gewicht. Im „Background“ entstand zudem im ehemaligen Personalraum eine hochmodern eingerichtete Backstube mit rund 30 Quadratmetern, in denen Weiß ihre Kreationen Wirklichkeit werden lassen kann. Insgesamt erstreckt sich das Café auf einer Fläche von rund 250 Quadratmetern mit rund 100 Quadratmetern, die sich auf weitere Räume wie unter anderem Toiletten verteilen. Im vorderen Bereich (Schaufensterseite) entstand ein gemütlicher Loungebereich. Die Beschriftung am Gebäude wurde bereits getauscht, die am Parkplatz soll umgehend folgen, wobei auf diesem Areal zusätzlich eine Stellfläche für einen Wagen entsteht, dessen Fahrer als behindert gilt. „Der Mietvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren“, ergänzt Schneider und fügt an, dass Weinbrenners ebenfalls eine Dekade lang am Start gewesen seien.



Ausbildungsplätze schaffen
„Wir werden auch Ausbildungsplätze hier für Menschen mit Behinderung schaffen“, lenkt Uwe Reinhardt, der Neue-Arbeit-Ausbildungsleiter, den Blick auf einen weiteren Aspekt des gerade geborenen „Kindes“, auf diese Weise werde ein „Sprungbrett für Menschen mit Behinderung“ geschaffen. Möglich sind unter anderem „Lehren“ in diesen Sparten: Konditoren, Bäckereifachverkäufer, Bürokaufleute oder Hauswirtschafter. Derzeit sucht das Café händeringend noch einen Bäckereifachverkäufer (m/w/d). Ein wenig geändert haben sich die Öffnungszeiten: montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 7 bis 17 Uhr. Daraus ergeben sich 80 Wochenstunden, der Personalansatz (derzeit auf acht Köpfe verteilt) liegt rechnerisch bei 260 Wochenstunden. Zum Wochenende, also an beiden Tagen, wird jeweils das bisher bereits sehr gerne genommene Frühstücksbüffet angeboten.

Gegenseitige Rücksichtnahme
Die gemeinsame Vorbereitungszeit des Teams möchte Schneider nicht missen. „Es war eine anstrengende, aber auch eine interessante Phase“, berichtet sie, die der Mannschaft gut getan habe, „sie hat sich gefunden.“ Alles sei von einer gegenseitigen Rücksichtnahme geprägt gewesen, „weil alles mit den verschiedenen Befindlichkeiten unter einen Hut zu bringen war“. Trotz Behinderung gelte: „Menschen wie du und ich machen ihren Job hier.“ Für Schneider steht, was den Erfolg des Cafés betrifft, eines unumstößlich fest: „Es ist die Qualität, die auf den Tisch und an die Kunden kommt“ - ebenfalls eine Voraussetzung, denn das Café müsse sich komplett selbst tragen.

Gemeinnütziger Verein
Die Neue Arbeit ist ein gemeinnütziger Verein, der seit über 30 Jahren soziale Dienstleistungen anbietet. Er will Menschen helfen, die aufgrund ihrer persönlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Situation auf Unterstützung und Hilfe angewiesen sind. Ziel ist es, psychisch Kranken, sozial Schwachen und/oder Benachteiligten durch Betreuung, Qualifizierungsmaßnahmen und Schaffung von Arbeitsplätzen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die Neue Arbeit setzt sich ein für die Achtung und Einhaltung der Menschen-, Sozial-, und Bürgerrechte und will einen Beitrag leisten, dass Menschen ökonomisch, sozial und kulturell integriert werden und Randständigkeit verhindert wird. Das Portfolio der Angebote ist breit gefächert: Es beinhaltet Bildungsangebote, Dienstleistungen, Armutsprojekte oder Erlebnispädagogik. Dazu kommen die Möbelhalle (eine weitere in Westerburg), der „Kochpunkt“ und nunmehr das „Café inklusiv“. Schneider fungiert seit dem 1. Juli 2012 als Geschäftsleiterin, die Neue Arbeit residiert seit Mitte 2016 in ehemaligen Telekom-Räumen unter dem Richtfunkantennenturm. (vh)


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