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Nachricht vom 22.03.2011    

Anne Solbach hat gekämpft - und gewonnen

Ihre Behinderung gleicht Anne Solbach mit viel Lebensfreude aus.
Mit Unterstützung der Arbeitsagentur fand die junge Frau in Mehrener Seniorenheim doch noch ihren Traumjob. Nach einigen Hindernissen und etlichen Tränen.

Einrichtungsleiterin Michaela Gihel (Mitte) ist nach anfänglichen Bedenken begeistert von Anne Solbach - und auch die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims Sonnenhang in Mehren lieben die stets fröhliche junge Frau.

Mehren. Leicht hatte sie es nie. Trotzdem sprüht Anne Solbach vor Lebensfreude. Nur einen Job, den wollte ihr lange Zeit niemand geben. Doch die Aufrichtigkeit, mit der die 22-Jährige ihr Schicksal annimmt, hat nicht nur ihre Berater bei der Agentur für Arbeit überzeugt, sondern am Ende auch ihre neue Chefin - die ihr eigentlich schon eine Absage erteilt hatte.

Es ist seine Aufgabe Menschen zu helfen, die es schwerer haben als andere. Als Reha-Beauftragter im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Altenkirchen sucht Thomas Fritsch ständig nach Betrieben, die bereit sind, auch beeinträchtigten Arbeitnehmern eine Chance zu geben. Kein leichtes Unterfangen, bei dem ihn das Schicksal seiner Schützlinge mitunter tief berührt. So ging es Thomas Fritsch auch mit Anne Solbach. Als Fünfjährige hatte die junge Frau bei einem tragischen Unfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Lange bangte die Familie um das Leben des kleinen Mädchens. Anne schaffte es - aber leicht war es nicht. Ein ganzes Jahr verbrachte sie in Krankenhäusern, lernte recht schnell wieder zu sprechen und nur mühsam zu laufen. Als sie schließlich mit acht Jahren eingeschult werden sollte, war längst klar: Sie würde für immer lern- und gehbehindert bleiben. Für Eltern und Geschwister war das ein Schock, aber die kleine Anne ließ sich nicht entmutigen - und wuchs zu einer lebensfrohen jungen Frau heran. Nach der Schule fand sie mit Hilfe der Arbeitsagentur einen Ausbildungsplatz als Hauswirtschaftshelferin im Christlichen Jugenddorf Wissen.

Damals, erzählt die junge Frau, kam sie zum ersten Mal an ihre Grenzen. Zwar nahm man Rücksicht auf ihr verkürztes Bein, aber letztlich musste sie den Ansprüchen der Ausbildung genügen. "In dieser Zeit habe ich gelernt, dass man nie aufgeben darf. Und das habe ich auch meinen Betreuern im Jugenddorf und bei der Arbeitsagentur zu verdanken." Wie dringend sie diese Haltung noch brauchen würde, ahnte Anne Solbach zu dieser Zeit freilich nicht. Nachdem sie ihre Ausbildung beendet hatte, machte sie sich voller Stolz auf die Suche nach einem Job, schrieb mit Feuereifer Bewerbungen. "Meist habe ich nicht mal eine Antwort bekommen", erinnert sie sich. Und wenn sie doch mal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, bekam sie am Ende eine Absage. Obwohl Thomas Fritsch immer wieder Betriebe auftat, in denen sie sich bewerben oder sogar zur Probe arbeiten konnte, und sich auch die Betreuer des CJD weiterhin liebevoll um sie kümmerten, war Anne Solbach zum ersten Mal in ihrem Leben tief frustriert. "Ich brauche nun mal für alles etwas länger. Und heute muss es ja immer ganz schnell gehen."

Trotzdem war sie voller Hoffnung, als sie die Chance bekam, im Seniorenheim Sonnenhang in Mehren auf Probe zu arbeiten. Dort suchte man eine Betreuerin für die pflegebedürftigen Bewohner. "Natürlich war ich skeptisch", räumt Heimleiterin Michaela Giehl ein. "Ein Pflegeheim ist ein sehr sensibler Betrieb. Da muss alles reibungslos funktionieren." Anne wurde in verschiedenen Abteilungen eingesetzt. Überall kam sie hervorragend mit ihren Kollegen klar und auch die Bewohner gewannen die fröhliche junge Frau schnell lieb. Aber körperlich überforderte die schwere Arbeit sie bald, und auch an ein eigenständiges Arbeiten war kaum zu denken. Am Ende des dreiwöchigen Praktikums bekam Anne Solbach deshalb genau das zu hören, was schon so viele andere Arbeitgeber zu ihr gesagt hatten: "Sie sind ein wundervoller und liebenswerter Mensch. Aber unseren Anforderungen sind sie einfach nicht gewachsen."

Die Situation war nicht neu - und doch war es diesmal anders. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich genau die Arbeit gefunden hatte, die zu mir passt - und dass ich hierher gehöre", erinnert sich die junge Frau. "Aber man wollte mich offenbar nicht haben." Als ihre Träume sich einmal mehr in Luft auflösten, bemühte Anne Solbach sich, die Fassung zu bewahren. Aber als schließlich doch Tränen flossen, da war es auch um die Heimleiterin geschehen. "In meinem Job muss ich häufig solche Gespräche führen, und die meisten sind nicht gerade angenehm. Aber Annes Tränen beim Abschied haben mich tiefer berührt als alles andere, was mir bis dahin passiert war." Als dann auch noch Thomas Fritsch darauf drängte, gemeinsam eine Lösung zu finden, war Michaela Giehl sicher: Sie wollte versuchen, Anne Solbach in ihrer Einrichtung zu halten. Auch die Geschäftsleitung des Heims war schnell überzeugt und so wurde eine zusätzliche halbe Stelle geschaffen, die nicht nur Anne Solbach unendlich glücklich macht, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner deutlich steigert. Denn die freundliche junge Frau kümmert sich nun liebevoll um sie, hilft bei den Mahlzeiten, begleitet sie bei Ausflügen, spielt mit ihnen oder liest etwas vor - all die Dinge eben, die im Heimalltag allzu leicht zu kurz kommen. Zufrieden ist aber auch Michaela Giehl. "Ich habe diese Entscheidung keine Sekunde lang bereut. Anne versprüht so viel Lebensfreude, sie ist absolut zuverlässig und ungeheuer beliebt bei Bewohnern und Kollegen. Mittlerweile haben wir alle das Gefühl, dass sie hierher gehört." Glücklich ist auch Thomas Fritsch - zum einen, weil er sich riesig freut, dass Anne Solbach nun endlich einen Job gefunden hat, der ihr Spaß macht und in dem sie die Bestätigung findet, die sie braucht. Zum anderen gibt ihr Beispiel ihm und seinen anderen Schützlingen aber auch Hoffnung: "Egal wie schwer es ist - wenn man nicht aufgibt, hat man immer eine Chance."


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