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Nachricht vom 11.03.2022    

Evangelische Gemeinde Betzdorf: In der Gemeindewerkstatt an der Zukunft schmieden

Die sich abzeichnenden Veränderungen in der evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf will das Presbyterium angehen - und zwar mit all ihren Mitgliedern. In der "Gemeindewerkstatt" soll die Gemeinde für die Zukunft gerüstet und die anstehenden Herausforderungen angegangen werden – hin zu einer "lebendigen Gemeinde".

Für die Vorstellung der Gemeindewerkstatt stellten sich Pfarrer Heinz-Günther Brinken und Pfarrerin Anja Karthäuser mit dem Presbyterium in Arbeitskluft und Werkzeug vor der Kreuzkirche auf - denn: "Es gibt viel zu tun! Packen wir es an!" (Foto: tt)

Betzdorf. "Es gibt viel zu tun. Packen wir es an", sagte Eckart Weiss. Der Gemeindereferent und Mitarbeiterpresbyter hatte sich mit seinen Kollegen aus dem Leitungsgremium der evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf bei einem Pressegespräch symbolisch in Arbeitskluft geworfen. Denn es geht um die "Gemeindewerkstatt", in der man sich den unweigerlich näherkommenden Veränderungen und Herausforderungen stellen möchte. "Wie können wir uns gut gerüstet für die Zukunft aufstellen?": Das sei eine zentrale Frage, sagte Weiss. Das meinte er durchaus mit einem Weitblick und sprach von der "Gemeinde 2030". Wenngleich das ein in noch weit entfernter Zukunft liegender Punkt zu sein scheint, so zeichnen sich Veränderungen bereits früher ab. Auch die sollen nun frühzeitig in der Gemeindewerkstatt in den Schraubstock gespannt gefeilt und geformt werden. Ein wichtiges Datum ist dabei der 1. Juli 2023. Dann wird Pfarrer Heinz-Günther Brinken seinen ersten Tag als Pfarrer in Ruhe genießen. Brinken hat bislang eine ganze Pfarrstelle inne, und Pfarrerin Anja Karthäuser eine halbe.

Im Juli 2023 fällt eine halbe Pfarrstelle weg
Nach dem Eintritt Brinkens in den wohlverdienten Ruhestand wird es sich bei den Pfarrstellen – Betzdorf hatte ehemals sogar zwei ganze – erneut reduzieren. Die Evangelische Landeskirche im Rheinland wird 1000 Pfarrstellen abbauen. Das soll über den Ruhestand von Amtsinhabern geschehen. Auch die evangelische Kirchengemeinde Betzdorf ist davon tangiert. Entsprechend des Schlüssels wird es in der protestantischen Gemeinde in der Sieg-Heller-Stadt mit ihren 3400 Menschen – vor 30 Jahren waren es noch 4300 – summa summarum nur noch eine ganze Stelle geben. Um es vorwegzunehmen: Die Kirchengemeinde hat mit einer ganzen Stelle immer noch 100 Prozent besetzt. Dennoch setzt auch hier die Gemeindewerkstatt an, die dem anstehenden Arbeitsprozess für die weitere Entwicklung und Gestaltung einen Raum für Gedanken, Ideen und Visionen geben möchte. Gemeinsam soll nach Lösungen gesucht werden, und Antworten gefunden werden, zum Beispiel auf diese Fragen: Wohin möchte sich die Gemeinde entwickeln? Welche Schwerpunkte möchte man verfolgen? Und das auch mit dem Weitblick - Stichwort: Gemeinde 2030. Statt im kleinen Kreis und im Hinterzimmer die Veränderungen anzupacken, will das Presbyterium alle aktiv mit einbeziehen. "Welche Pfarrperson passt zu uns?": Das sei ein Aspekt, den es dabei zu erörtern gibt, sagte Weiss. Zunächst soll die halbe Stelle wieder besetzt werden, hieß es bei dem Pressegespräch.

Eine kirchliche Inspektion
Das fand kurz vor dem zweiten Visitationsgespräch am Sonntag, dem 6. März, statt. In einem gewissen Abstand nimmt der Kreissynodalvorstand eine Gemeinde unter die Lupe. Es ist eine Art kirchlicher Inspektion. Es geht dabei nicht um Gebäude, sondern um Angebote, Inhalte und Schwerpunkte. Im Oktober war dieser Prozess angestoßen worden, der sich im Laufe der Wochen intensivierte. Seniorenarbeit und Tafel sind Aspekte, die beleuchtet wurden, ebenso die beachtliche Jugendarbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf. Was die Vertreter des Kreissynodalvorstandes des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen im Laufe der Visitation zusammengetragen haben, fließt in einen Schlussbericht ein. Wo man gut aufgestellt ist, zum Beispiel Diakonie, Familienarbeit, Kita, Jugendarbeit und Besuchskreis für Senioren, um nur einige zu nennen, das wisse man, sagte Weiss. Ebenso, wo es vielleicht etwas holpert.

Ins Gespräch gekommen
Zum Umfang einer Visitation gehören auch zwei Gespräch mit Superintendentin Andrea Aufderheide und dem Kreissynodalvorstand. Das erste Gespräch hatte es bereits im Januar gegeben, nach einer Gemeindeversammlung in der evangelischen Kreuzkirche in Betzdorf. Die Kirchenbänke waren dabei gut gefüllt, als Presbyteriumsvorsitzender Brinken, sein Stellvertreter Tobias Schmidt, Pfarrerin Anja Karthäuser, Gemeindereferent Weiss und die weiteren Presbyter einen umfassenden Einblick über die Angebote in der Kirchengemeinde abgaben. Das war auch eine gute Grundlage für die Gemeinde und das Leitungsgremium, um ins Gespräch zu kommen und erste Punkte anzusprechen.

Organisatorisches abgeschlossen – nun geht es um Inhaltliches
Vor zwei Jahren hatte sich das Presbyterium konstituiert. Es konnten nicht alle Stellen besetzt werden. Zwei blieben vakant. Ernüchtert stellt man heute auch fest, dass man weiter geschrumpft ist, weil zudem drei Mandatsträger ausgeschieden seien. Die vergangenen zwei Jahre wurden dennoch gut genutzt. So kümmerte sich der Kirchenvorstand um organisatorische und strukturelle Dinge. "Das haben wir nun abgeschlossen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Schmidt und blickte nach vorne: "Wir können uns nun auf Inhalte konzentrieren." Das will man in der Gemeindewerkstatt machen – und das ist dem Presbyterium ein wichtiges Anliegen – mit allen, die in einer Verbindung zur Kirchengemeinde stehen. Der Rahmen ist festgelegt, und den gilt es nun buchstäblich mit Leben zu füllen. "Wir möchten in Dialog kommen, der in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist", erklärte Schmidt – denn: "Der Wunsch des Presbyteriums ist es, dass die Gemeindeglieder mitgestalten und unterstützen."



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Ehrenamtliche Mitarbeit künftig stärker gefordert
"Man muss wissen, wo man hin will, um zu wissen, wonach man sucht": So verdeutlichte Schmidt, um was es bei dem Prozess geht. Sowohl bei der Besetzung der Pfarrstelle als auch bei künftigen Schwerpunkten und Angeboten sei es wichtig, dies herauszuarbeiten. Angesichts von künftig nur noch einer Pfarrstelle sieht Presbyterin Ingrid Weinkopf auch die ehrenamtliche Mitarbeit noch stärker gefordert. Im Vergleich mit dem Leitungsgremium würden die Gemeindeglieder das, was in der Gemeinde fehlt, sicher ganz anders wahrnehmen, meinte Presbyterin Katharina Rau. Sie untermauerte damit, dass es wichtig sei die Gemeinde in ihrer Gänze mit in die Gemeindewerkstatt zu holen, um an künftigen Schwerpunkten zu schmieden. Dieser Prozess soll mit der ersten Gemeindewerkstatt einen Auftakt erleben. Und: "Man muss auch lernen, wieder miteinander zu reden", räumte Weiss ein. Das weitblickende Ziel sei es, Ergebnisse zu finden, mit denen die Gemeinde in der Zukunft tragfähig sein wird.

"Wir laden die Gemeinde ein, mit uns mitzuarbeiten"
Bei dem Prozess werde auch die Gemeindekonzeption in den Fokus rücken, sagte der stellvertretende Vorsitzende Schmidt. Was auf dem Papier einst notiert wurde, das stamme noch aus der Zeit, als die evangelische Kirchengemeinde Betzdorf noch zwei Pfarrstellen besaß. Das wurde bereits von der Realität eingeholt und wird spätestens mit dem Beginn des Ruhestandes von Pfarrer Brinken überholt. Das alles soll nun gestaltet werden. "Aus der Gemeinde heraus, damit wird sie lebendig", sagte Gemeindereferent Weiss: "Wir laden die Gemeinde ein, mit uns zu arbeiten." Dabei schaut man sozusagen über die Kirchturmspitze hinaus. Das bedeutet, auch diejenigen sind eingeladen mitzumachen, die zwar selbst nicht aus der evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf kommen, aber einen Bezug dazu haben, wie bei dem Pressegespräch herausgestellt wurde. Demnach ist zum Beispiel auch jene eingeladen sich einzubringen, die vielleicht über eine Gruppe oder die Tafel eine Beziehung zur Kirchengemeinde aufgebaut haben, aber eben selbst gar kein Gemeindeglied sind.

Kamera- und Tontechnik angeschafft
Auch das ist ein Zeichen dafür, wie breitgefächert das Leitungsgremium die Gestaltung der Zukunft angehen möchte. Dass man sich neuen Situationen annimmt und Herausforderungen stellt, darüber gibt die Zeit der Pandemie buchstäblich ein schönes Bild ab. Gemeindereferent Weiss hatte seinerzeit den Anschub geleistet, um Kamera- und Tontechnik anzuschaffen. So konnten viele Gottesdienste per Livestream zu den Menschen in die Wohnstuben übertragen werden. Die Technik ist das eine, die Menschen die sie bedienen das andere: In der Kirchengemeinde gibt es beides, denn im CVJM Betzdorf hat sich ein festes Technikteam zusammengefunden, das bei unterschiedlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen der Kirchengemeinde filmt, schneidet und für den richtigen Ton sorgt.

Zwei Termine für die Gemeindewerkstatt sind schon geplant
Sozusagen die Ärmel hochkrempeln möchte man am Samstag, dem 30. April, bei der ersten Gemeindewerkstatt im evangelischen Gemeindehaus "Auf dem Bühl". Der Auftakt ist von 9 bis 13 Uhr geplant. Die zweite Gemeindewerkstatt ist für Samstag, dem 9. Juli, von 9 bis 13 Uhr im Gemeindehaus Bühl terminiert. Interessierte können zu jeder Zeit dazu kommen und ihre Visionen und Ideen einbringen und mitgestalten, berichtete Weiss. Um die Vorbereitung zu vereinfachen, seien Anmeldungen erwünscht, aber man könne sich auch spontan beteiligen. Anmeldung im Internet unter gemeindewerkstatt.kreuzkirche-betzdorf.de. (tt)


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