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Nachricht vom 03.05.2022    

Kita-Gesetz: Blieb Hilferuf aus Wissen nur wegen falscher Mailadresse unbeantwortet?

Von Daniel-David Pirker

Vor rund einem Monat berichteten wir, dass noch kein einziges Flüchtlingskind in einer Kita im Wisserland aus der Ukraine aufgenommen werden konnte. Der Bürgermeister hatte einen Hilferuf an das Landesjugendamt ausgesendet, der unbeantwortet blieb. Der überörtliche Träger der Jugendhilfe erklärt sich nun gegenüber dem AK-Kurier. Neuhoff will das so nicht stehen lassen.

Der Hilferuf von Bürgermeister Berno Neuhoff an das Landesjugendamt war unbeantwortet geblieben. Das äußert sich nun dem AK-Kurier gegenüber. Aber Neuhoff will dies nicht so stehen lassen. (Fotos: Landesjugendamt/Verwaltung Wissen)

Region. Noch kein einziges Flüchtlingskind aus der Ukraine konnte in einer Kita im Wisserland aufgenommen werden. Der Grund: Das Kita-Zukunftsgesetz stelle sich als Bürokratie-Monster dar, so die Verantwortlichen vor rund einem Monat. Der Hilferuf von Bürgermeister Berno Neuhoff an das Landesjugendamt war unbeantwortet geblieben. Nun hat sich der überörtliche Träger der Jugendhilfe beim AK-Kurier gemeldet. In der Email betont die Pressestelle des Landesjugendamts, dass die Aussage Neuhoffs nicht korrekt sei. Die entsprechende Mail sei an eine Adresse gesendet worden, die nicht existiere. Am gestrigen Montag, den 2. Mai, habe das Landesjugendamt die Anfrage des Bürgermeisters auf anderem Wege erreicht. Sie werde beantwortet. So weit so gut? Nicht aus Sicht des Wissener Verwaltung, die der AK-Kurier um eine Stellungnahme gebeten hat.

Demnach ging die entsprechende Mail am 23. März vom Bürgermeister-Büro gleich an mehrere Empfänger, nämlich an das Büro des Präsidenten (Büroleiterin des Landesjugendamts), den Landrat und den Gemeinde- und Städtebund, Kreisgruppe Altenkirchen. Eine Fehlernachricht, die darauf hinweist, wenn eine Mail nicht den Empfänger erreicht hat, habe man danach allerdings nicht erhalten.

Erst aufgrund der Anfrage des AK-Kuriers hat das Bürgermeister-Büro nochmals den Namen und Vornamen der Empfängerinnen geprüft. Dabei kam heraus, dass sich ein Fehler in der Schreibweise des Vornamens der Adressatin eingeschlichen habe. Statt "Annamaria" habe man "Annemarie" geschrieben. Die Verwaltung dazu: " Ok, ein Fehler, der heute erst aufgefallen ist. Das tut uns leid. Dennoch hätte man uns antworten können. Wenn man heute den AK-Kurier anschreibt und uns heute nicht einmal unmittelbar informiert, lässt das 'tief' blicken."

Bei der Reaktion des Landesjugendamts handele es sich um eine Ausrede, weil in allen regionalen Zeitungen und im AK-Kurier bereits am 5. April, also fast vor einem Monat, darüber öffentlich berichtet wurde. "Spätestens dann hätte man – wenn man als Landesamt angesprochen wird – hier im Büro des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Wissen nochmals anrufen können oder eine Nachricht senden können. Schließlich reden wir in der Angelegenheit über eine landespolitisch sehr bedeutsame Angelegenheit. Sich jetzt so rauszureden mit einem Fehler in der mail-Adresse, erscheint mir fragwürdig."



Vor diesem Hintergrund weist das Bürgermeister-Büro darauf hin, dass sich nach der medialen Berichterstattung die Landtagsabgeordneten eingeschaltet haben, was von der Verwaltung begrüßt wird. Gleichzeitig wundert sich die Verwaltung darüber, dass eine Medienanfrage der Siegener Zeitung innerhalb von wenigen Stunden vom Landesjugendamt Anfang April beantwortet wurde, "einem urgewählten Bürgermeister jedoch überhaupt nicht. Wie gesagt, nach dem 5. April hätte man uns anrufen können mit dem Hinweis, man hätte keine Mail erhalten. Dann hätten wir diese gerne nochmals gesendet. Das ist also keine 'Kommunikationspanne'."

Wie die Verwaltung weiter herausstellt, habe ihre inhaltliche Kritik weiterhin Bestand, wonach man angesichts des Ukraine-Kriegs Regelungen außer Kraft setzen sollte. "Gerade einmal zwei ukrainische Kinder im gesamten Kreisgebiet (Siegener Zeitung vom 27. April) konnten in einer Kita aufgenommen werden. Das ist also kein spezifisches Wissener Problem."

Abschließend weist die Verwaltung erneut darauf hin, dass man in der Verbandsgemeinde Wissen nun eigene Wege gehe und ein Angebot schaffe, um den ukrainischen Frauen und Kindern zu helfen. So fand gestern ein Treffen mit geflüchteten Müttern einer Tagespflegemutter und einer Sprachförderkraft statt. In den nächsten beiden Wochen starte man im Wisserland flankierend eine Eltern-Kind-Gruppe von ukrainischen Müttern für ukrainische Kinder. Unterstützt werde dieses Angebot von einer deutschen Tagesmutter und einmal täglich auch von einer Sprachförderkraft. (ddp)



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