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Nachricht vom 16.05.2022    

Schwere Brandstiftung in Wissen: Brandopfer sagten vor dem Landgericht Koblenz aus

Von Wolfgang Rabsch

Am Montag (16. Mai) kam es vor der 14. Strafkammer des Landgerichts Koblenz zu dramatischen Aussagen des Ehepaars, dessen Haus in Wissen durch schwere Brandstiftung bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Bis auf die Grundmauern brannte das Mehrfamilienhaus in Wissen am 31. Oktober 2021 nieder. (Foto: kkö)

Region. Dem heute 57-jährigem Angeklagten wird seitens der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 31. Oktober 2021 aus Wut über eine kurz zuvor erhaltene Kündigung seiner Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in seinen damaligen Räumlichkeiten, einen Schrank zerschlagen – und das zertrümmerte Möbelstück mit Brandbeschleuniger angezündet zu haben. Infolge des rasch um sich greifenden Feuers wurde das Haus total vernichtet, es entstand ein rein materieller Sachschaden von fast zwei Millionen Euro insgesamt.

Das zerstörte Haus in Wissen gehört einem gutsituierten Ehepaar, welches bis zur Katastrophe mit beiden Beinen sehr erfolgreich mitten im Berufsleben stand. Mit einem Schlag, sozusagen über Nacht, wurde ihnen ihre Existenzgrundlage entzogen, worunter sie heute noch zu leiden haben. Zunächst wurde der Ehemann in den Zeugenstand gerufen, der die Entwicklung des Geschehens, zwar äußerlich ruhig, aber innerlich sehr aufgewühlt und emotional, versuchte darzustellen: "Wir wollten einen ruhigen Mieter haben, weil uns sehr an einer guten Hausgemeinschaft gelegen ist. Über eine Kleinanzeige bei Ebay stellte sich der jetzige Angeklagte bei uns vor, er machte einen guten Eindruck auf uns, darum einigten wir uns auf einen Mietvertrag. Er bezog die Wohnung über uns, wir wohnten im Untergeschoss, über dem Angeklagten war noch eine Dachwohnung vermietet, die nur über eine schmale Holztreppe zu erreichen war. Anfangs lief alles relativ gut, es gab keine Probleme, dann wurde es nachts immer lauter in seiner Wohnung, mit lauter Musik und lauten Telefonaten. Als wir um Ruhe baten, steigerte er sich in etwas hinein, schickte Mail auf Mail auf das Handy meiner Frau, die inzwischen einen bedrohlichen Inhalt hatten. Im Gespräch mit meiner Frau wurde er extrem aggressiv, worauf sie sagte, er sei wohl ein Narzisst, der Fehler nur bei anderen suchen würde. Darüber regte er sich sehr auf und sagte, er würde nie Fehler machen."

Horror in der Flammenhölle
Der Zeuge schilderte eindringlich – ohne Belastungseifer – wie die Angelegenheit sich immer weiter hochschaukelte. Der Angeklagte kam nur nachts nach Hause und fing dann an zu randalieren. Schließlich sah sich das Ehepaar gezwungen, bereits nach rund drei Wochen die Kündigung auszusprechen. Am Tag der Katastrophe kam der Angeklagte kurz vor 22 Uhr ins Haus und fing sofort an zu randalieren. Dabei zerschlug er Möbel, die Polizei wurde alarmiert. Kurze Zeit später verließ der Angeklagte die Wohnung, Sekunden später alarmierte das Vermieter-Ehepaar die Feuermelder im Haus. Der Zeuge: "Wir rannten sofort die Treppe hoch, da brannte schon alles lichterloh. Es sah aus wie nach einer Explosion bei 'Alarm für Cobra 11'. Die Flammen griffen rasend schnell um sich, da in der Wohnung alle Türen und Fenster geöffnet waren, man hörte die Fensterscheiben, als sie zerbarsten. Wir liefen schnell nach unten, um unsere vier Hunde zu retten, die sich in unserer Wohnung befanden. Es war reines Glück, dass die Mieterin, die normal in der Dachwohnung lebt, an diesem Tag sich bei ihrem Freund aufhielt. Sie hätte wohl keine Chance gehabt, den Flammen zu entkommen."



Immenser Sachschaden durch das Feuer
Der Zeuge erklärte, dass der Schätzwert des Hauses zum damaligen Zeitpunkt 890.000 Euro betrug. Da das Haus bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist, belaufen sich die Kosten für den Neuaufbau auf über 1,4 Millionen Euro. Wertvoller Schmuck und eine teure Uhrensammlung sowie teure Kunstobjekte fielen den Flammen zum Opfer. Er selbst hätte seine Existenz als selbstständiger Fensterbauer durch den Brand verloren, da auch sein Büro Raub der Flammen geworden wäre, in welchem sich sämtliche Unterlagen, Kundendaten und ein teures Spezial-Computerprogramm befanden – alles wurde vernichtet.

Die Ehefrau bestätigte als Zeugin insoweit die Aussage ihres Mannes. Ihrer Meinung nach hatte der Angeklagte narzisstische Neigungen: Er strebte nach Bewunderung und versuchte immer wieder, Macht auszuüben und zu manipulieren. Die Zeugin: "Er versuchte laufend, einen Keil zwischen mir und meinem Mann zu treiben. Ich selbst habe genau wie mein Mann eine Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr absolviert. Daher konnte ich feststellen, dass es nach Aceton als Brandbeschleuniger roch, als wir nach oben in die brennende Wohnung liefen. Die Wohnung verwandelte sich innerhalb allerkürzester Zeit in einen riesigen Feuerball. Da wir nichts mehr tun konnten, retten wir wenigstens unsere vier Hunde. Mein Sohn leidet noch heute unter dem Geschehen. Mit der Vorladung zum heutigen Termin kam bei ihm alles noch einmal hoch, wenn es geht, möchte ich bitten, ihn von einer Aussage zu verschonen."

Nach der Aussage der Mutter verzichten alle Prozessbeteiligten auf die Vernehmung des Sohnes. Als weitere Zeugen erschien die Lebensgefährtin des Angeklagten sowie eine frühere Bekannte, mit der er zusammenlebte. Die Lebensgefährtin bekundete, dass sie mit dem Angeklagten sehr glücklich und verliebt gewesen wäre. Großen Stress gab es, als sie nach Hause flog (Polen) und ihrem Partner nicht beim Umzug nach Wissen half. Er wäre nie betrunken gewesen, obwohl er hin und wieder Likör, Whisky oder Bier getrunken habe. Die Zeugin: "Anfangs fand er die Vermieter sehr nett, doch das änderte sich schnell, als er meinte: 'Ich hasse diese Leute, sie sind kriminell.' Er geriet in Panik, da er schon die Kündigung erhielt, als er noch gar nicht richtig in die neue Wohnung eingezogen war.“

Die Hauptverhandlung wird fortgesetzt am Mittwoch, den 18. Mai. Der AK-Kurier wird weiter berichten.


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