Werbung

Nachricht vom 19.06.2022    

Buchtipp: „Tod im Nebelwald“ - Westerwaldkrimi von Lutz G. Wetzel

Von Helmi Tischler-Venter

Der Untertitel „Krieg im Revier - das Dorf schläft nie“ ist wörtlich zu nehmen, denn eine grausame Mordserie erschüttert eine Kleinstadt im Westerwald. Es beginnt mit heimtückischen Morden an Hauptwachtmeister Kesselrings geschätzten Hühnern, die für sein geliebtes tägliches Eibrot sorgen. Nicht einmal Kesselrings wuchtige Anwesenheit kann den nächtlichen Mörder vertreiben.

Buchtitel

Dierdorf/Stuttgart. Kommissar Rotteck dagegen wird erst richtig aktiv, als die Apothekersgattin im Frisierstuhl ermordet wird, wodurch Friseur Rimini als Täter verdächtigt wird. Der Sensible reagiert gekränkt: „Die Wahrheit ist eine zarte Blume, Herr Wachtmeister. Die können Sie nicht zum Blühen bringen.“ Er hat eine Vorliebe für wesentlich ältere Frauen, denn „eine ruhige, Ältere, die saugt die Liebe langsam auf wie ein Fensterleder. Weich und leise.“

Die interessanten vielschichtigen Protagonisten aus dem Band „Tod im Waldwinkel“ sind wieder mit von der Partie: Doktor Rotgold mit seinem klingelnden Einsatzfahrrad, der Jägerstammtisch, die Kerschbaums aus Weyersbusch mit ihrem ganz eigenen Wertesystem und Äffchen Fettweiß, der lebenserfahrene Wirt des örtlichen Mittelpunkts „Grüner Baum“. Er beobachtet und kennt seine Mitmenschen und berät sie auch mit psychologischem Geschick bisweilen, zum Beispiel Bürgermeister Ingo Dingens, der Politik so verkauft wie früher Autos, gern mit Eiern wirft und heimlich, aber heftig in seine tief dekolletierte Vorzimmerdame verliebt ist. Doch diese lässt Dingens zappeln und unkt ahnungsvoll: „Ich habe Angst vor dem, was noch kommt.“

Jagdhelfer Frohberger, bekannt als „Dreistrahliger Pinkler“ lobt seinen Jagdhund: „Siehst du, am Ende einer Schweinefährte findest du immer ein Schwein.“ Doch Kommissar Rotteck findet den beliebten Jäger mit gefesselten Händen an einem Fleischhaken, an dem er mit dem Kinn hängt. Zum Glück überlebt der Mann leicht lädiert.

Eine neue Dimension erreicht das Grauen, als Lenchen, die kleine Tochter des Dorfschmieds, schwer misshandelt vor den Augen des Wirts und des Doktors stirbt. Drei blutige Taten an einem Tag und nicht ein Verdächtiger. Nicht einmal Hauptwachtmeister Kesselrings selbstgebrauter „Schwarzer Tod“ kann die Seelen reinigen, aber draußen in der Natur findet Rotteck Frieden.



Anita, Rottecks Lebensgefährtin, philosophiert: “So ein Jäger, der hat irgendwie ein Stück Leben mehr als die anderen, denk ich immer. Der schaut ein ganzes Ende tiefer in die Welt. Der sieht im Wald Sachen, die ich nie sehen würde. Und er hat so eine besondere Seele, so erdig, wie Waldboden.“

Rotteck stellt fest, dass alle Opfer etwas mit der Jagd zu tun haben. Kesselring wundert das nicht, denn er hält sowieso Jäger für Strolche. Auf der Suche nach einer Jagd treiben sich zwei Fremde im Ort herum, Männer aus Düsseldorf mit einem schicken Mercedes 220 S und der Überzeugung, sich alles kaufen zu können. Nur die Westerwälder Stoffel sind immun gegen das Geld. Und die Kerschbaums beobachten misstrauisch jeden, der in ihrem Revier wildert.

Ein Selbstmord vor den Augen der beiden Polizisten und ein unberechenbarer Bürgermeister auf Rachefeldzug gegen Jäger verhindern Rottecks Entspannung auf dem Hochsitz. Und das Morden hat immer noch kein Ende, sowohl an Menschen als auch an Hühnern.

Auf unvorhersehbare Weise finden alle Kriminalfälle eine Lösung. Eine Westerwälder Lösung, denn Wirt Fettweiß entgegnet auf den Vorwurf: „Bei euch ist alles irgendwie sehr speziell“, weise: „Wir sind hier tief im Westerwald. Träges Blut. Wir haben gelernt, mit den Steinen zu leben, mit undankbarem Boden und mit schweren Zeiten, die kein Ende nahmen.“

Das spannende Taschenbuch ist erschienen bei Kosmos, ISBN 9783440170953. (htv)


Mehr dazu:   Buchtipps  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Kultur


Buchtipp: "Bei Kirmes Mord – Ein Dorfkrimi aus dem Rheinland" von Susanne Arnold

Die Kirmes-Saison im Rheinland hat begonnen. Das traditionelle Volksfest ist für die dörflichen Vereine ...

Ein neues Kapitel für Sissi: Das Musical "Sissi - so nah wie nie" in Betzdorf

Das Musical "Sissi - so nah wie nie" verspricht eine Reise in das Innenleben der berühmten Kaiserin. ...

Benefiz-Kunstaktion: 1000 Euro für eine Flasche Wein

150 Besucher nahmen an der Premiere im Stöffelpark teil und ersteigerten Werke deutscher Künstler. Für ...

Oliver Steller erweckt Kurt Tucholsky musikalisch zum Leben

Am Freitag, 8. Mai, erwartet die Besucher des Wied Scala Neitersen ein Abend voller Poesie und Musik. ...

Heiko Frühs Rezension zu "Tatort Schängel-Stadt: Mord am Schärjer" von Ulrike Puderbach

Ulrike Puderbachs drittes Buch der "Tatort Schängel-Stadt"-Reihe entführt die Leser in einen Kriminalfall, ...

"The Watch" Plays "Genesis": Ein besonderes Musikerlebnis im Kulturwerk Wissen

"The Watch" wird als die "beste Genesis Tribute Band" angesehen. Die Band bezieht sich ausschließlich ...

Weitere Artikel


Betzdorf: Wohnsitzloser Betrunkener verbringt Nacht in Zelle

Er ließ nicht locker. In der Nacht auf Sonntag (19. Juni) verwehrte die Wirtin einer Pension in der Betzdorfer ...

A-Jugend: JSG Wisserland verabschiedet Spieler und präsentiert Neuzugänge

Gute Stimmung herrschte bei einer Wanderung und anschließendem geselligen Beisammensein bei der A-Jugend ...

"Zaubererhafte" Trickfilmmelodien mit den United Vocals in Horhausen

Ein Ambiente wie im Kino: ein riesiger Eiswagen, duftendes frisches Popcorn und Kinoplakate an den Wänden ...

"Wäller Treff" in Montabaur – ein Ort der Ruhe für schwer kranke Menschen

Mit einer kleinen Einweihungsfeier wurde der "Wäller Treff" in Montabaur in der Josef-Kehrein-Straße ...

Danny Weller und Sascha Nelles beim TuS Germania Bitzen "auf Abruf" verabschiedet

Das letzte Heimspiel der Saison 2021/22 stand für den TuS Germania Bitzen ganz im Zeichen des Abschieds. ...

C-Jugend der JSG Hammerland steigt in die Bezirksliga auf

Die C-Jugend der JSG Hammerland hat allen Grund zum Feiern. Mit 5:1 (4:0) gewann die für die Fußball-Saison ...

Werbung