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Nachricht vom 21.05.2011 - 12:20 Uhr    

Breitbandatlas als erster Schritt zu schnellerem Internet

In der Kreisverwaltung wurde nun eine Studie zur Breitbandversorgung im Landkreis Altenkirchen vorgestellt, die als Grundlage zum weiteren Breitbandausbau im Kreis Altenkirchen dient. 57 Ortsgemeinden gelten demnach als unterversorgt. 97 % der Befragten wünschen sich eine schnellere Internetverbindung, wie eine Bedarfsanalyse ergab.

Landrat Michael Lieber, Axel Eiring (Athanus Partners), Tim Kraft und Oliver Schrei von der Wirtschafsförderungsgesellschaft Altenkirchen sowie Gunnar Gröschel (Athanus Partners) (von links) informierten über die Studie zur Breitbandversorgung im Kreis Altenkirchen. Foto: Thorben Burbach

Altenkirchen. Eine schnelle Internetverbindung ist auch für den Kreis Altenkirchen längst ein wichtiger Standortfaktor geworden, der für Privatleute und Unternehmen stetig an Bedeutung gewinnt. Der Kreis Altenkirchen hat eine Studie zur Breitbandversorgung im Landkreis Altenkirchen in Auftrag gegeben, die nun durch das beauftragte Beratungsunternehmen Athanus Partners in der Kreisverwaltung vorgestellt wurde. Auf der Basis der Studie werde man das Thema nun in den Kreisgremien und Ortsgemeinden weiter vertiefen und entsprechende Ausschreibungen vornehmen, kündigte Landrat Michael Lieber an. Mit dem Breitbandatlas sei der erste Schritt zu schnellerem Internet getan. Die Studie soll den Orts- und Verbandsgemeinden einen Überblick über die Breitbandversorgung im Kreis und den Bedarf in den einzelnen Ortsgemeinden bieten. Zudem zeigt sie den Kommunen im Rahmen einer Marktanalyse mögliche Lösungen zur Verbesserung der Breitbandinfrastruktur auf.

Für Axel Eiring von der Athanus Partners GmbH aus Oberursel ist die mangelnde Breitbandversorgung in ländlichen Regionen kein unbekanntes Problem. Bereits über 100 Kommunen in ganz Deutschland hat das Beratungsunternehmen betreut. „Der Bedarf an Breitband ist ganz extrem gewachsen“, sagt Eiring. Doch der steigende Bedarf spiegle sich noch nicht in der Netzversorgung wider. Der Studie zufolge, an der 86 Ortsgemeinden aus dem Kreis Altenkirchen teilgenommen haben, gelten 57 Ortsgemeinden als unterversorgt. 37 % der Anschlüsse verzeichnen eine Bandbreite, die unter 2 Mbit/s liegt. 22 % der Anschlüsse haben hingegen eine Bandbreite zwischen 2 und 6 Mbit/s, 41 % der Anschlüsse eine Bandbreite zwischen 6 und 50 Mbit/s. Eiring bezeichnet diese Situation als "Marktversagen". Kein Anbieter sei derzeit bereit, die Internetanbindung in einer Ortsgemeinde ohne öffentliche Zuschüsse auszubauen.

Der Ausbau der Breitbandanbindung wird aus Fördermitteln der Europäischen Union unterstützt, die über das Land ausgegeben werden. Eine Förderung wird jedoch erst dann bewilligt, wenn eine Versorgungsanalyse, Anbietergespräche sowie eine Bürgerbefragung durchgeführt worden sind, die eine Unterversorgung sowie einen hohen Bedarf in der Bevölkerung belegen. Diese Voraussetzungen wurden jetzt mit der Studie erfüllt. Ein eindeutiges Ergebnis ergab dabei die Bedarfsanalyse, für die von Januar bis März 2011 insgesamt 4431 Privathaushalte und Gewerbetreibende befragt wurden. 97 % der Befragten sprachen sich für eine schnellere Internetverbindung aus. Man benötige eine Bandbreite zwischen 14.000 und 19.000 Mbit/s. Davon ist die Mehrheit der Befragten, die lediglich über einen Anschluss unter 2Mbit/s verfügen, noch weit entfernt. Etwa 70 % der befragten Bürger beziehen ihren Internetzugang über die Telekom.

Inwiefern ein Breitbandausbau erfolgen kann, hängt auch davon ab, welche Infrastruktur in den einzelnen Ortsgemeinden vorhanden ist. So könnten einige Ortsgemeinden bereits verlegte Leerrohre nutzen. Das Optimum für die Kommunen wäre sicherlich ein Glasfaserausbau, meint Eiring. Dies würde eine Verlegung von Glasfaserleitungen und die Installation weiterer Kabelverzweiger, so genannter Outdoor-DSL-Schaltschränke, bedeuten, die höhere DSL-Datenübertragungsraten ermöglichen. Nicht empfohlen wird in der Studie die Umrüstung der Kabelnetze, die zwar in Zukunft hohe Bandbreiten ermöglichen würde, aber aufgrund der lückenhaften Struktur im Kreis Altenkirchen wenig Sinn mache. Eine mögliche Ergänzung zur Glasfasertechnik könne hingegen in absehbarer Zeit der Mobilfunkstandard Long Term Evolution (LTE) darstellen, der auf der UMTS-Technik aufbaut.

Der Breitbandausbau wird als Projekt durch den europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie im Rahmen des rheinland-pfälzischen Entwicklungsprogramms "Agrarwirtschaft, Umweltmaßnahmen, Landentwicklung" (PAUL) mit bis zu 90 % der Kosten gefördert. Daneben werde der kommende Doppelhaushalt Geld für den Breitbandausbau vorsehen, sagte Lieber, um dem erklärten Ziel, eine flächendeckende Breitbandversorung zu erreichen, mit großen Schritten ein Stück näher zu kommen. (tb)

Kommentar

Keine Zeit verlieren

Mit dem Breitbandatlas, der Studie zur Breitbandversorgung im Landkreis Altenkirchen, hat der Kreis Altenkirchen den Ortsgemeinden eine fundierte Grundlage bereitgestellt, um den Breitbandausbau nun mit aller Kraft voranzutreiben. Denn die Studie hat nur das noch einmal bestätigt, was schon seit langem bekannt ist: eine Unterversorgung mit Breitbandanschlüssen im Kreis Altenkirchen. Es gilt keine Zeit mehr zu verlieren, schnelle Internetverbindungen sind mehr denn je entscheidend für die Attraktivität einer Region. In Zeiten, in denen die Telekom mit VDSL gerade in den Ballungszentren rasante Übertragungsraten ermöglicht, sollte kurzfristig eine flächendeckende Breitbandversorgung mit Übertragungsraten über 2 Mbit/s das mindeste Ziel sein. Die Orts-, Verbandsgemeinden und der Kreis sollten die europäischen Fördergelder daher als Anreiz verstehen, die Ausschreibungen für das Projekt Breitbandversorgung nicht auf die lange Bank zu schieben. Ein Ausbau der Netze kann schließlich nicht schnell genug kommen. (Thorben Burbach)


Kommentare zu: Breitbandatlas als erster Schritt zu schnellerem Internet

2 Kommentare

Der Titel dieses Beitrags gibt Hoffnung: vom 1. Weltatlas (1375 n. Chr.) bis google-earth waren es ja auch nur ca. 630 Jahre!!! Klaus Rödder, Mittelhof
#2 von K.F., am 24.05.2011 um 08:42 Uhr
Vielleicht wäre abwarten die bessere Taktik.
Laut http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundestag-ringt-um-Breitband-fuer-alle-1242340.html wird momentan diskutiert DSL als Universaldienst zu regulieren. Dann wäre eine flächendeckende Versorgung für die Anbieter verpflichtend...


Michael
#1 von Michael, am 23.05.2011 um 14:43 Uhr

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