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Nachricht vom 01.10.2022    

VG-Wehr Daaden-Herdorf: "Die vergangenen drei Jahre haben uns sehr viel abverlangt"

"Die vergangenen drei Jahre haben uns sehr viel abverlangt“: Dieses Fazit zog Matthias Theis, Wehrleiter der Verbandsgemeinde (VG)-Wehr Daaden-Herdorf. Bei der Dienstveranstaltung verdeutlichte er das anhand von Lockdown, Katastropheneinsatz in den Flutgebieten, aber auch am Sommer 2022 mit seinen Waldbränden.

Helmut Stühn (links) und Wehrleiter Matthias Theis (2. von links) sprachen auf der Dienstveranstaltung im Rathaus Daaden. (Fotos: tt)

Daaden. "Man kann nicht jeden Tag etwas Großes tun, aber etwas Gutes“: Das sei das Motto der diesjährigen Dienstveranstaltung der Verbandsgemeindewehr Daaden-Herdorf, sagte Wehrleiter Matthias Theis. Der Leitgedanke passte zu dem, was von Theis in seinem Ausführungen zu hören war. Denn im Berichtszeitraum 2020 und 2021 haben die 242 aktiven Wehrleute aus den acht Löschzügen oft und viel Gutes getan. Bei den Einsätzen - 2020 waren es 92, im Folgejahr 115 – retteten die Aktiven der Verbandsgemeindewehr neun Menschen aus unmittelbarer Lebensgefahr, berichtete der Wehrleiter. Bei verschiedenen Unfällen und sonstigen Ereignissen konnte "mit unserem Einsatz für 16 Menschen schwere gesundheitliche Schäden abgewendet werden“.

Die Dienstveranstaltung zeigte mit zahlreichen Regularien, wie sich der Feuerwehralltag darstellt. Während für die einen mit der Verpflichtung der offizielle Start bei der Feuerwehr vollzogen wurde und weitere Kameraden nach absolvierten Lehrgängen befördert wurden, blickten zwei altgediente Kameraden auf ihren Dienst in den vergangenen Jahrzehnten zurück. Und sie wurden in die Alters- und Ehrenabteilung verabschiedet. Bürgermeister Helmut Stühn, der seit dem Sommer im Amt ist und damit in seiner neuen Funktion die erste Dienstveranstaltung der Verbandsgemeindewehr erlebte, zeichnete in seinem Grußwort gut auf, wie sich das ehrenamtliche Engagement in der Wehr darstellt. "Die Mitarbeit in der Feuerwehr ist kein Hobby wie jedes andere“, sagte der Bürgermeister. Weitsicht, Ausdauer und Disziplin seien unabdingbar für diesen ehrenamtlichen Dienst.

In seiner neuen Funktion als Bürgermeister ist Stühn qua amt der oberste Feuerwehrmann in der Verbandsgemeinde und damit ein Teil der Feuerwehr. Für ihn sei es ein neues Gebiet, räumte Stühn ein. Bei Veranstaltungen wie Dienstbesprechungen der Wehrführer sei das Spektrum und die Anforderungen an die Feuerwehr gut sichtbar geworden. "Sie decken dies ab“, erkannte Stühn an und danke allen für die wertvolle Arbeit, die für die Allgemeinheit geleistet wird, und das persönliche Engagement jedes Einzelnen, um sich auf den Dienst in der Feuerwehr vorzubereiten beziehungsweise dafür weiter- und fortzubilden.

Corona und Flutkatastrophe haben viel abverlangt
"Die zurückliegende Zeit hat uns alles sehr geprägt“, sagte Wehrleiter Theis: "Nicht nur die Corona-Pandemie, die uns alle ein großes Stück Lebensqualität genommen hat, sondern auch das Ahrtal hat den meisten von uns sehr viel abverlangt.“ Er erinnerte daran, dass im ersten Lockdown phasenweise der Dienstbetrieb der gesamten Verbandsgemeindewehr nahezu zum Erliegen gekommen sei. Das habe allen sehr weh getan. Das habe man insbesondere daran gemerkt, wie viele Standschäden beim Anfahren des Dienstbetriebes an Fahrzeugen und Ausrüstung festgestellt wurden. Er bezifferte die entstandenen Schäden mit 30000 Euro. Glücklicherweise habe danach der Dienstbetrieb nicht erneut komplett eingefroren werden müssen. Das sei auch dem Umstand geschuldet, dass die eingeleiteten Maßnahmen mehrheitlich akzeptiert und auch umgesetzt wurden, dankte er allen - von den Bambinis bis zu den Alterskameraden. In der Zeit nach dem ersten Lockdown habe man aber auch eindeutig festgestellt, dass der Mensch und dessen Engagement nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt einer freiwilligen Feuerwehr ist. Sowohl der Einsatz im Ahrtal wie auch im oberbergischen Hückeswagen habe auf beeindruckende Art und Weise gezeigt, wie wichtig der Mensch in diesem System sei. Denn all die dort eingesetzte Technik habe bedient, gewartet und bewegt werden müssen. Jeder habe uneigennützig den Menschen in den Katastrophengebieten geholfen. Spürbar ergriffen erinnerte er, dass in der Katastrophennacht im Ahrtal 134 Menschen ihr Leben verloren haben.

Besonders erwähnte er den Kraftakt, bei dem in knapp zwei Wochen gemeinsam mit anderen Verbandsgemeinden aus dem Landkreis Altenkirchen der Grundschutz in der Verbandsgemeinde Altenahr sichergestellt worden sei, "damit unsere Kameraden dort einfach mal Luft holen konnten und insbesondere auch mal bei ihrem eigenen Hab und Gut schauen konnten“. Die Verbandsgemeindewehr Daaden-Herdorf habe den Löwenanteil dabei gestemmt. So sei das Hilfeleistungsgruppenfahrzeug (HLF10) aus Weitefeld mit kompletter Besatzung, die sich aus allen acht Einheiten zusammensetze, gestellt worden.

Waldbrandeinsätze im vergangenen Sommer
Auch wenn in dem Bericht im Kern um die Einsatzjahre 2020 und 2021 ging, kam Theis auch auf den Sommer 2022 zu sprechen. Nach Trockenheit und Hitze war dieser für die Feuerwehren von Waldbrandeinsätzen geprägt. Das "System Freiwillige Feuerwehr“ habe dabei gezeigt, was es auch noch leisten kann, sagte der Wehrleiter. Er lenkte den Blick auf die Wald- und Vegetationsbrände, wie man es vom Umfang und der Anzahl her erlebt habe, "wie es das in unserer Region noch nie gab“. Diese Einsätze hätten die Wehrleuten über Wochen zu jeder Tageszeit alles abverlangt. Im Großen und Ganzen hätten sich die Konzepte dabei bewährt. Gleichzeitig sei festgestellt worden, "dass wir im Detail den Umgang mit Vegetationsbränden in diesem Umfang nicht gewohnt sind und wir bei der Ausstattung etwas nachbessern müssen“. Nach seinen Angaben wurden bereits verschiedene Maßnahmen eingeleitet und teilweise bereits umgesetzt. Seine Dank entrichtete er an Bürgermeister und Verwaltung. Aber auch die Waldgenossenschaften sowie Waldinteressentengemeinschaften hätten mehrere tausend Euro für die Anschaffung von Ausrüstung und Material bereitgestellt. Über diese Schiene wurde ein Pufferbecken angeschafft, das bereits wertvolle Dienste leistete. In den beiden vorherigen Einsatzjahre waren die Brandeinsätze mit einem Drittel vertreten, die technische Hilfeleistung mit zwei Drittel.



Die Einsätze an der Ahr und in Hückeswagen sind jeweils lediglich als ein Einsatz in die Statistik eingeflossen. Würde man diese zwei auf Einzeleinsätze aufschlüsseln, dann wären es rund 240, sagte der Wehrleiter. "Und es wurden hier bei circa 70 Menschen aus unmittelbarer Lebensgefahr gerettet, genau lässt sich die Zahl nicht beziffern“, teilten er mit. Neben den 242 Aktiven zählt die Verbandsgemeindewehr 54 Alterskameraden, 54 Jugendfeuerwehrleute und 18 Mitglieder der Bambiniwehr. Theis erkannte das Engagement aller in der Hilfeleistungsorganisation an. Für die kommende Zeit wünsche er sich persönlich und allen Aktiven, dass das Tagesgeschäft wieder etwas ruhiger werde - denn: "Die vergangenen drei Jahre haben uns sehr viel abverlangt.“ Er blickte auch nach vorne und meinte, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt und die positive Verzahnung von Jugendarbeit, aktivem Dienst und Alterskameradschaft weiter vorangetrieben werden soll. Und abschließend stellte er ermutigend heraus: „Wir sind freiwillig, ehrenamtlich und motiviert. Diese Eigenschaften machen uns aus.“

Ausblickend war von Bürgermeister Stühn und Wehrleiter Theis zu erfahren, dass die Verbandsgemeindewehr beziehungsweise Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Kirchen sowie Wissen anstrebt, und zwar bei der Schlauchpflege. Nach 30 Jahren müsste die Schlauchpflegewerkstatt im Gerätehaus Daaden ohnehin erneuert werden. Die Verbandsgemeinde Kirchen wird eine zentrale Schlauchpflegewerkstatt beim Um- und Anbau des Feuerwehrhauses in Niederfischbach schaffen. Dort möchten künftig Daaden-Herdorf und Wissen, deren Schlauchpflegewerkstatt auch erneuert werden müsste, ihre Schläuche aufarbeiten und reinigen lassen, berichtete Theis. "Wir sind uns einig, weitere Aufgaben gemeinsam zu organisieren“, sagte der Wehrleiter. Im Detail sei aber noch nicht darüber gesprochen worden.

Es waren auch eine Vielzahl an Regularien, die es vorzunehmen galt, von Ehrungen bis zu Verpflichtungen. Kontinuität entstehe nur, wenn die Leute hier bleiben, wenn die jungen Wehrleute von den alten lernen, betonte Theis: "So funktioniert eine funktionierende Feuerwehr.“

Abschiede, Neuverpflichtungen, Bestellungen und Beförderungen
Zwei altgediente Kameraden wurden in die Alters- und Ehrenabteilung verabschiedet: Andreas Rosenkranz (Daaden) und Andreas Bohl (Dermbach). Für 35-jährigen Dienst in der Feuerwehr wurde Andreas Frei (Sassenroth) mit dem goldenen Feuerwehrehrenzeichen geehrt. Seit 25 Jahren in der Wehr aktiv sind Felix Krah, Heiko Lichtenthäler Daniel Mertens und Benedikt Patt (alle Herdorf). Mit dem Feuerwehrehrenzeichen geehrt wurden Marko Leib (Daaden), Uwe Schäfer (Dermbach) und Thomas Euteneuer (Herdorf). Sie sind seit 15 Jahren in der Feuerwehr organisiert. Bürgermeister und Wehrleiter dankten den Jubilaren für den geleistete Dienst.

Die 14 Neuverpflichtungen im Überblick: Ismail Can Atli, Jens Saegert, Darek Wirtz (alle Löschzug Daaden), Selina Christians, Peter Luis Trippler, Konstantin Weisang (alle Derschen), Simen Ednarson (Niederdreisbach), Felix Daub, René Jungk, Tom-Luca Krah, Vivian Lai und Kevin Marschik (alle Weitefeld).

Zur Atemschutzgerätewartin bestellt wurde Tatjana Patt, zum Feuerwehrgerätewart Alexander Scheld (beide Daaden) und zum Atemschutzgerätewart Patrick Sachtleben (Herdorf). Sie wurden zudem zu Löschmeistern befördert, Florian Michael Becker-Dombrowsky (Daaden) zum Brandmeister. Zum Oberbrandmeister befördert wurden Patrick Künkler (Daaden), Felix Krah (Herdorf). Beide sind nun auch Zugführer, ebenso wie Thomas Euteneuer (Herdorf). Im Rang eines Hauptbrandmeisters steht nun Nico Ermert (Daaden), der weiter zum Verbandsführer bestellt wurde. (tt)



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