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Nachricht vom 22.12.2022    

Landrat Enders: Brief an EKD-Ratsvorsitzende wegen Akademie-Nutzung unbeantwortet

Dass Wohnraum in der Republik immer knapper wird, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Flüchtlinge aus der Ukraine, die Unterkünfte benötigen, verschärfen die Situation. Gute Ideen, um der Situation Herr zu werden, sind gefragt. Wenn eine konkrete Anfrage an die Evangelische Kirche in Deutschland keine Antwort zeitigt, bleibt nur Kopfschütteln als Reaktion.

Wird sich die Eingangstür der Akademie für Land und Jugend im Altenkirchener Dieperzbergweg bald auch für geflüchtete Menschen aus der Ukraine öffnen? (Foto: Archiv vh)

Altenkirchen. „Ich bin mittlerweile mehr als irritiert.“ Das sagt Landrat Dr. Peter Enders und verweist auf ein Schreiben, das Mitte Oktober die Altenkirchener Kreisverwaltung verlassen hat und an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und ganz speziell an deren Ratsvorsitzende Annette Kurschus gerichtet war. Vor dem Hintergrund der stetig steigenden Zahl an Flüchtlingen aus der Ukraine wollte Enders erörtert wissen, inwieweit die derzeit ihr mit vielen Einzel- und Doppelzimmern ausgestattetes Tagungshaus nicht nutzende Akademie für Land und Jugend im Altenkirchener Dieperzbergweg Menschen aus dem osteuropäischen Land unterbringen könne. Nach über zwei Monaten des Wartens auf eine Antwort reagiert Enders verstimmt: „Die Evangelische Kirche in Deutschland weiß sich durchaus in Szene zu setzen, wenn Gelder für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt werden. Wir bitten aber noch nicht einmal um Geld, im Gegenteil: Die Akademie für Land und Jugend könnte durch eine Kooperation bei der Unterbringung von Flüchtlingen sogar Einnahmen erzielen. Aber wir haben noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung der EKD bekommen.“ Ob das Schriftstück überhaupt den Sitz der EKD in Hannover angesichts der stark gestiegenen und dokumentierten Unzulänglichkeiten der Deutschen Post beim Handling von Briefpost erreicht hatte, ließ sich bei mehreren Versuchen telefonisch nicht klären. Die EKD ist neben der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend in Deutschland Träger der Akademie für Land und Jugend in der Kreisstadt (ehemals Landjugendakademie), die seit vielen Jahren eine feste Größe in der Weiterbildungslandschaft vor Ort ist. Derzeit befindet sich die Einrichtung in einem Prozess der „Umstrukturierung“. Nach vorsichtigen Schätzungen sollen bereits weit über 2000 Menschen aus dem Land, das sich eines Angriffskrieges Russlands gegenübersieht, im AK-Land eine neue (vorübergehende) „Heimat“ gefunden haben.

Eher dezentrale Angebote
Enders schreibt an Kurschus mit Datum vom 13. Oktober: „Erlauben Sie mir, ein wenig auszuholen: Dass die Kreise und Städte in der Bundesrepublik mit Blick auf die Unterbringung von Flüchtlingen derzeit an ihre Leistungsgrenzen gelangen, ist allgemein bekannt. Während die Situation zumindest bei uns im ländlichen Raum eine Zeit lang weniger angespannt war als in Ballungsgebieten, ist dieser Unterschied mittlerweile kaum mehr auszumachen. Gleichwohl kommen weiterhin Flüchtlinge nach Deutschland. Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen bei den zuständigen Ämtern der Kommunalverwaltungen mit der Akquise von Wohnraum, der bundesweit knapp ist. Großräumige Lösungen wie Stadthallen, Bürgerhäuser oder Sporthallen sollten dabei unseres Erachtens nur die allerletzte Möglichkeit sein, mit eher kleinteiligen und dezentralen Wohnangeboten haben wir bessere Erfahrungen gemacht.“

Kirchen müssen Flagge zeigen
„Im Kreis Altenkirchen haben wir zwischenzeitlich Kontakt zu privaten und öffentlichen Einrichtungen aufgenommen“, so Enders weiter, „die aus unserer Sicht für die Wohnraumbeschaffung eine Option sein könnten, beispielsweise seit kurzer Zeit leer stehende Hotels. Im Zuge dessen haben wir auch das Gespräch mit der Akademie für Land und Jugend in Altenkirchen gesucht, zunächst durch unsere Fachabteilung für Soziales, in einem nächsten Schritt auf Ebene der Behördenleitung. Konkreter Anlass war die vor einigen Monaten erfolgte Ankündigung der Akademie, ihren Übernachtungsbetrieb bis auf weiteres einzustellen.“ Die derzeitige Akademieleitung habe sich bei den bisherigen Gesprächen zu diesem Anliegen allerdings sehr zurückhaltend gezeigt, „offensichtlich liegt das auch daran, dass über das weitere Verfahren intern noch keine Klarheit herrscht. Angesichts der nationalen Aufgabe, der sich alle gesellschaftlichen Kräfte stellen müssen und in der meines Erachtens auch die Kirchen an der Basis Flagge zeigen müssen, nämlich die große Zahl an Flüchtlingen, die derzeit und in naher Zukunft nach Europa kommen, adäquat unterzubringen, bitte ich auf diesem Weg um Prüfung, ob Teile der Akademie für Land und Jugend in Altenkirchen kurzfristig hierfür in Betracht kommen. Ich bitte, dabei auch in Erwägung zu ziehen, dass die öffentliche Wahrnehmung wenig verständnisvoll sein dürfte, wenn, wie oben angedeutet, Stadt- oder Sporthallen für die Unterbringung genutzt werden müssten, während in Rufweite voll funktionstüchtige Beherbergungsbetriebe ungenutzt bleiben. Hier liegt leider Konfliktpotenzial, das Wasser auf Mühlen von politischen Kräften weit jenseits der politischen Mitte sein dürfte. … Wir im Kreis Altenkirchen wären dankbar, wenn es gelänge, dass Kirche und Kommune hier vor Ort gemeinsam etwas auf die Beine stellen können. Daher freue ich mich auf eine hoffentlich positive Rückmeldung Ihrerseits“.



Ein Blick zurück
Die Landjugendakademie wurde nach der Grundsteinlegung im Jahr 1957 (20. Oktober) und der Eröffnung am ersten Advent 1958 zweimal erweitert. Mitte der 1980er-Jahre gesellten sich zunächst ein neues Gästehaus und ein Pavillon hinzu. Vor 17 Jahren wurde das Gebäude um einen weiteren Flügel ergänzt, so dass ein zum Weyerdamm hin geöffnetes „U“ entstand. 1,4 Millionen Euro hatte das Projekt mit der räumlichen Erweiterung (unter anderem bis auf 71 Einzel- und Doppelzimmer aufgestockt) gekostet, zusätzlich waren 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des alten Trakts geflossen. „Die Kreisstadt Altenkirchen … ist die Wahlheimat der Evangelischen Landjugendakademie. Die geografische Lage ist günstig: 50 km vom Rhein entfernt, 55 km von Bonn, 120 km von Frankfurt, ist sie für Besucher aus Nord, Ost, Süd und West gut erreichbar. Diese Lage kommt dem Auftrag entgegen: Die Akademie, eine Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist das Arbeitszentrum der Evangelischen Jugend auf dem Lande, die sich als Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland versteht“: Mit dieser Beschreibung, die dem ersten Prospekt aus dem Jahr 1957 entnommen wurde, begann Dr. Otmar Hesse im Heimatjahrbuch 1988 des Kreises Altenkirchen seine Würdigung zum 30. Geburtstag der LJA. Hesse selbst leitete die Geschicke des Hauses von 1976 bis 1988 und führte damals weiter aus: „Fast 30 Jahre später lässt sich feststellen. Die Ortswahl Altenkirchen wurde nie bereut, wenngleich heute Zweifel im Blick auf die ,zentrale Lage’ Altenkirchens laut werden. Die evangelische Landjugendakademie … ist zu einem ,Markenbegriff’ für Jugend- und Erwachsenenbildung im Rheinland, in der Bundesrepublik Deutschland und in vielen europäischen und nichteuropäischen Ländern geworden. Mehr als 2000 Menschen haben seit 1959 jährlich das Haus besucht.“ (vh)


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