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Nachricht vom 21.08.2011    

Bürgerdemo für eine sichere Notarztversorgung

An der ersten Demonstration, die Bürger für eine sichere Notarztversorgung im Landkreis Altenkirchen organisierten, kamen rund 300 Menschen nach Kirchen. Dabei ging es um die äußerst desolte Situation der Notarztversorgung, die den Menschen Sorgen macht. Zentrale Forderung der Demonstranten: Den Menschen in den Mittelpunkt stellen und eine Zusammenarbeit aller Verantwortlichen.

Startplakat der Bürger-Demonstration und Kritisches zur Notarzt-Situation. Fotos: Helga Wienand

Kirchen. Rund 300 Menschen gingen in Kirchen am Sonntagnachmittag auf die Straße, um für eine sichere Notarztversorgung im Landkreis Altenkirchen zu demonstrieren. Die private Initiative, die sich zu einem Aktionsbündnis „Kein Notarzt“ via Internetplattform „Wer-Kennt-Wen“ zusammenschloss, hatte mit den Organisatoren Karsten Geis, Olaf Dietze, Helmut Hähnel und Horst Feist zur Demo aufgerufen.
Bis auf MdL Anna Neuhof und VG-Bürgermeister Jens Stötzel waren Politiker der Demo ferngeblieben. „Wir haben ja auch kein Wahlkampf mehr“, war dazu die Meinung von einigen Teilnehmern der Demo am Ende der Kundgebung zu hören.

Mit dabei und sichtlich bewegt waren Caroline und Alexander Ermert, die Geschwister des am 13. Juli tödlich verunglückten 27-Jährigen (der AK-Kurier berichtete). Damals war kein einziger Notarzt im Landkreis Altenkirchen verfügbar, der Rettungshubschrauber musste den Notarzt aus Koblenz bringen, der Siegener Rettungshubschrauber war zeitgleich in Wissen im Einsatz. „Unser Bruder ist tot, daran können wir nichts mehr ändern, aber für die Zukunft muss sich etwas ändern“, so Caroline Ermert. Bruder Alexander, 24 Jahre alt: „Es ist uns ein Anliegen auf das Problem aufmerksam zu machen, wir möchten diese tragischen Ereignisse anderen ersparen und endlich die dringend erforderliche öffentliche Diskussion“. Die Geschwister sind sich einig: Das Notarztproblem muss in der politischen und öffentlichen Diskussion bleiben, damit sich etwas ändert.

Sanitätsrat a.D. Dr. Detlef Koop, früher Obmann der Ärzteschaft im Kreis Altenkirchen, erinnert sich daran, dass er sich als Arzt immer auf die Notarztversorgung verlassen konnte. Aber das ist Geschichte, es gibt heute mehr Abmeldungen als besetzte Notarztdienste. „Dabei ist die Notarztversorgung im 24-Stunden-Dienst für die Bevölkerung enorm wichtig“, so der frühere Mediziner, der an der Demo teilnahm.
Denise Lehmann, Erzieherin in einer Kindertagesstätte in Betzdorf, hatte sich für die Demo als „Notarzt im OP“ entsprechend ausstaffiert. „Das Thema ist sehr ernst und mir persönlich ein großes Anliegen. Ich mag mir nicht vorstellen, wenn mal ein Notarzt für ein Kind gebraucht wird und keiner kommt oder vielleicht viel zu spät“, so die Erzieherin.
Diese Grundstimmung war bei fast allen Teilnehmern, die der AK-Kurier kurz befragte, zu hören. Es ist die Angst um das Leben der Angehörigen im Notfall, die fehlende Sicherheit der Versorgung.
Viel zu lange habe die Öffentlichkeit sich immer wieder vertrösten lassen und nun werde erneut der „Schwarze Peter“ von den Verwaltungen, der Politik und den Kostenträgern hin- und hergeschoben. „Das wollen wir nicht mehr hinnehmen“, sagte Sprecher Karsten Geis. Das Problem müsse schnell gelöst werden. Es könne nicht sein, dass dies an den Kosten scheitere. „Wir zahlen hier genauso Steuern und Krankenkassenbeiträge wie die Menschen in Mainz oder anderen Ballungszentren“, so Geis.
Kritik gab es an der Landesregierung, die im Gegensatz zu anderen Bundesländern die Vorschriften für den Notarzteinsatz im Rettungsgesetz äußerst schwammig fasste. Der Notarzt muss laut Rettungsgesetz in RLP „schnellstmöglich“ am Ort des Geschehens sein, was immer das auch heißt. Andere Bundesländer, zum Beispiel NRW, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern sind da konkret und geben Zeiten vor, an die sich die im Rettungswesen tätigen Organisationen halten müssen. Rheinland-Pfalz hat diese Zeitenfrist nicht.



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„Wir fordern, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, und nicht die Finanzierung“.
„Wir fordern einen 24-Stunden Dienst, nicht nur den sporadischen Wochenend- oder Nachtdienst für Notärzte“.
„Wir fordern eine Zusammenarbeit aller Parteien und Verantwortlichen, um die Situation im Landkreis endlich zu verbessern.“
Ein Ausschnitt der Forderungen, die Sprecher Karsten Geis unter Beifall der Demo-Teilnehmer formulierte. „Unser Protest darf nicht ungehört bleiben“, sagte Geis im Namen seiner Mitstreiter, sein Dank galt den Helfern und Unterstützern, die im Einsatz waren.
„Es ist gut wenn die Bürger auf die Straße gehen und ihre Sorgen und Anliegen formulieren“, sagte MdL Anna Neuhof. Sie hatte am Gespräch beim Landrat in der vergangenen Woche teilgenommen und hofft auf eine schnelle Lösung. „Das Problem ist viel zu ernst, es darf kein Parteiengezänk werden“, meinte die Grünen-Abgeordnete.

Das Problem der äußerst desolaten Notarztversorgung im Landkreis ist mehr als zehn Jahre alt. Die Zuständigkeiten für das Rettungswesen und die Verantwortlichkeiten sind so undurchschaubar geregelt, dass die Menschen es kaum noch verstehen. Verstehen tun die Menschen im nördlichen Zipfel des Bundeslandes RLP aber eines sehr wohl: Ihr Leben ist genauso viel wert wie ein Menschenleben in Köln, Mainz oder Berlin. Denn es gibt laut Grundgesetz da keinen Unterschied. Dies hatte der Bundesgerichtshof auch schon festgestellt, und die Bundesländer zu einem einheitlichen Rettungsgesetz vor mehr als zehn Jahren aufgefordert - bislang ohne Erfolg. (hw)


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