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Nachricht vom 17.03.2023    

Kreis Altenkirchen: Regionalmonitoring listet Herausforderungen und Chancen auf

In welchen Bereichen ist diese und jene Verbandsgemeinde stark, in welchen ist sie schwach aufgestellt? Das erstmals erschienene Rheinland-Pfalz-Monitoring 2022 gibt „bis in die Tiefen“ Auskunft über die Situation vor Ort, so dass Vergleiche quer durchs Land getreu dem Motto „jeder mit jedem“ möglich werden.

Als eine Herausforderung wird im Regionalmonitoring der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur genannt. (Symbolbild: Pixabay)

Altenkirchen. Das war schon ein sehr intensiver und interessanter „Ritt“, den Sebastian Fückel aufs Parkett des Wilhelm-Boden-Saals in der Altenkirchener Kreisverwaltung hinlegte. Er verglich beim regionalen Wirtschaftsgespräch für Unternehmer aus den Verbandsgemeinden (VG) Altenkirchen-Flammersfeld, Hamm und Wissen auf Initiative der IHK-Regionalgeschäftsstelle Altenkirchen und der Wirtschaftsförderung des Kreises den südlichen Bereich des AK-Landes auf Grundlage der Daten des Rheinland-Pfalz-Monitoring 2022 (vorgestellt am 18. Januar 2023) und arbeitete am Donnerstagabend (16. März) vor rund 80 Zuhörern „ausgewählte Befunde“ heraus. Eine gleichgelagerte Zusammenkunft ist am 12. Oktober für die VGs Betzdorf-Gebhardshain, Daaden-Herdorf und Kirchen. Die Ausarbeitung hatte die Arbeitsgemeinschaft der IHKs in Rheinland-Pfalz beim Statistischen Landesamt in Auftrag gegeben, Fückel selbst ist in Bad Ems für Analysen Staat und Soziales zuständig. Die Ergebnisse dienen als datenbasierte Impulse zur kommunalen Standortentwicklung und als Basis für den vertieften Dialog mit Politik und Verwaltung. Das Werk macht keinen Unterschied ob der unterschiedlichen kommunalen Strukturen, so dass die 129 VGs, die 29 verbandsfreien Gemeinden und die 12 kreisfreien Städte und in „ihrer Tiefe einzigartig“ miteinander verglichen werden konnten und können. Basierend auf Daten der Regionalstatistik, so erklärt die IHK-Homepage, werden in der Studie fünf Themenfelder (Wirtschafts- und Infrastruktur, Innovation, Bildung, Arbeit und Demografie) betrachtet. Mit dem Instrument der Clusteranalyse wurden pro Themenfeld die Kommunen untersucht und entlang wirtschaftlich relevanter Indikatoren zu Raumtypen, sogenannten Clustern, zusammengelegt. Dabei weisen die jeweiligen Gemeinden innerhalb eines Clusters besonders viele Ähnlichkeiten auf. Neben den Auswertungen zu den einzelnen Themenfeldern gibt es auch eine themenfeldübergreifende Querschnittsanalyse, die Indikatoren aus allen fünf Themenbereichen kombiniert.

Herausforderungen und Chancen
Fückel arbeitete nach Betrachtung mehrerer spezieller Aspekte sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die „Hälfte“ des Landes an Sieg und Wied heraus. Als Punkte, die Probleme bereiten/bereiten könnten, zählte er aus den fünf Themenfeldern auf: Ausbau der Verkehrsanbindungen und digitale Infrastruktur; Gründungschancen verbessern und Beschäftige in gründungsintensiven Branchen und Berufen halten; Betreuungsangebote verbessern und Vereinbarkeitschancen erhöhen; Experten und Spezialisten in der Region verankern; Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft mittelfristig. Demgegenüber setzte er Vorteile: Opportunitätsstrukturen des Umlands nutzen; hoher Anteil an MINT-Azubis (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik); generell hohe Auszubildendenquote; hohe Beschäftigungsquote jüngerer Berufseinsteiger; stabiler Jugendquotient (Haltefaktoren identifizieren). „Sie haben einen Rohstoff, der ,Jugend’ heißt“, verdeutlichte Fückel, fast alle Bereiche von Rheinland-Pfalz seien schlechter gestellt, was Azubis angehe. Das sei eine wichtige Perspektive, denn alle Landkreise befänden sich im Wettbewerb um Arbeitskräfte. Daraus ergebe sich diese Herausforderung: „Wie kann ich die Leute hier halten?“, folgerte Fückel. Noch einmal zurück zur Jugend: Die Kinderbetreuungsquote liege unter dem Landesdurchschnitt mit einem statistischen Wert von 53 Prozent. Die VG Hamm komme beispielsweise indes nur auf 27 Prozent. Allgemein gehöre der Kreis Altenkirchen zur „Werkbank Rheinland-Pfalz, in der das industrielle Herz schlägt“. Als Charakteristika nannte Fückel: zumeist VGs in ländlichen und verdichteten Gebieten, relativ wenige Indikatoren weichen deutlich vom Landesmittel ab, Prägung durch mittlere Bildungsabschlüsse und Fachkraft-Tätigkeiten. Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung der IHK, hatte zuvor den Weg aufgezeigt, der im Regionalmonitoring geendet hatte.



Drei belastende Faktoren
„Energiekrise, Bürokratie und Fachkräftemangel - das sind die Themen, die aktuell Unternehmerinnen und Unternehmer belasten, ganz unabhängig von Betriebsgröße und Branche“, hatte Landrat Dr. Peter Enders in das Thema eingeführt. Er berichtete von seinen Betriebsbesuchen, bei denen auch versucht werde, Lösungen für Anliegen und Probleme der Unternehmen zu entwickeln, „dabei müssen wir uns an die gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingen halten“. Er wisse, diese führe häufig zu Unmut, aber „wir müssen nach den Spielregeln spielen, die uns die Gesetzgebung vorgibt“. Seinen Mitarbeitern habe er die Devise mit auf den Weg gegeben, „das Machbare machbar zu machen“, also gesetzliche Spielräume im Sinne der Antragsteller zu nutzen. Dennoch lägen Erwartungshaltung der Unternehmen und das Machbare der Verwaltung weit auseinander. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der Aufrechterhaltung „der Wirtschaftskraft unseres Landes, unseres Kreises“ betonte Enders: „Es führt kein Weg an einer zielgerichteten Fachkräftezuwanderung vorbei. Wir sehen jetzt schon den ,Kampf um die Talente’.“ Und in puncto „hohe Energiekosten“ sprach er sich klar für den Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Das Vorhalten günstiger Energiepreise in der Region werde - ebenso wie die verkehrliche und die digitale Infrastruktur - ein Standortfaktor werden. Explizit ging Enders auf die Windkraft ein: „Die Stimme der schweigenden Mehrheit ist nicht zu hören, dafür aber die Stimme der lautstarken Minderheit. Kennen Sie eine Bürgerinitiative pro Windkraft? Wäre es nicht sinnvoll, dass sich die Wirtschaft in unserem Landkreis zusammentut und eine Allianz der Befürworter aufbaut? Meine Unterstützung haben Sie!“

Fotovoltaik: Aufholpotenzial gewaltig
IHK-Regionalgeschäftsführerin Kristina Kutting stellte aktuelle Projekte sowie kostenfreie Beratungs- und Unterstützungsangebote inklusive geplanter Aktivitäten der Kammer vor. Sie reichten von der Kampagne „Anschluss Zukunft“, die sich seit nunmehr gut zehn Jahren für eine bessere Anbindung des Kreises ans überörtliche Straßennetz stark macht, über IHK-Lotsten, Fachkräftesicherung, Aus- und Weiterbildungskampagne, die Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald bis hin zu Seminaren und Sprechtagen. Die IHK Koblenz unterhält acht Regionalgeschäftsstellen, hat knapp 104.000 Mitgliedsunternehmen (davon 3200 Ausbildungsbetriebe) und weist 529.867 sozialversicherungspflichtige Beschäftige am Arbeitsort (Stand 30. Juni 2021) auf. Lars Kober, Chef der Wirtschaftsförderung des Kreises Altenkirchen, nannte als Hauptbetätigungsfelder die Breitbandversorgung, den Service, die Rekrutierung von Fachkräften, die Netzwerkarbeit sowie Maßnahmen zur besseren Digitalisierung. Zum Ausbau und anschließendem Einsatz erneuerbarer Energien malte Kober ein eher düsteres Bild: „Wenn wir diese nicht steigern, werden wir versinken.“ Er machte seine Aussage an einem Zahlenbeispiel in der Sparte Fotovoltaik mit der Maßgabe „Erreichen der Klimaschutzziele im Jahr 2040“ fest: Benötigt werden im Kreis in gut 16 Jahren 310 Dach- und 397 Freiflächenanlagen, vorhanden sind aktuell 61 Dach- (19,74 Prozent) und 13 Freiflächenanlagen (3,20 Prozent). Zudem blickte er intensiver auf den Fachkräftemangel: Das deswegen entgangene Wertschöpfungspotenzial sei für 2022 für die gesamte Republik mit fast 100 Milliarden Euro errechnet worden. Auf den Kreis heruntergebrochen läge der Betrag zwischen 90 und 150 Millionen Euro, weil 500 bis 800 Menschen pro Jahr fehlten. (vh)


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