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Nachricht vom 28.03.2023    

Langenbacher Unternehmen kauft Bahnstrecke zwischen Bindweide und Weitefeld

Es ist vollbracht: Der Kreis Altenkirchen verkauft nach einem Beschluss des Kreisausschusses die Grundstücke, auf denen die entwidmete Schienentrasse der Westerwaldbahn zwischen Steinebach-Bindweide und Weitefeld verläuft, an die Firma Westerwälder Holzpellets GmbH aus Langenbach (bei Kirburg).

Getestet wurde schon mehrfach, wie das Umschlagen des Holzes von der Schiene auf die Straße an der Rosenheimer Lay funktioniert. (Foto: Carl-Otto Ames)

Altenkirchen. Die Entscheidung fiel hinter verschlossenen Türen: Der Kreisausschuss des Kreistages Altenkirchen stimmte im nichtöffentlichen Teil seiner Zusammenkunft am späten Montagnachmittag (27. März) dem Verkauf der Grundstücke zu, auf denen sich die entwidmete Schienentrasse zwischen Steinebach-Bindweide und dem Endpunkt in Weitefeld erstreckt, an die Firma Westerwälder Holzpellets GmbH aus Langenbach (bei Kirburg). Die Streckenlänge beträgt rund sechs Kilometer, die Gesamtfläche rund 95.000 Quadratmeter in den Gemarkungen Dickendorf, Elkenroth und Weitefeld. Bereits Anfang März hatte sich die Gesellschafterversammlung der Westerwaldbahn des Kreises Altenkirchen GmbH (Weba), bislang Besitzer der Flächen, für den Verkauf zu einem Preis von rund 800.000 Euro ausgesprochen. Das Unternehmen aus dem Westerwaldkreis beabsichtigt, den Abschnitt zu ertüchtigen, für den Gütertransport zu nutzen und ihn möglicherweise sogar noch bis zum Sitz des Betriebes zu verlängern. Vorangegangen war ein öffentliches Bieterverfahren, dazu waren fristgerecht zwei Angebote eingegangen, wobei sich eines - das ließ der Modus zu - lediglich auf die Grundstücke innerhalb einer Gemarkung bezogen hatte. Richtige Bahnhöfe entlang der Strecke zwischen Steinebach-Bindweide und Weitefeld existieren nicht mehr. Das grundsätzliche Okay für einen Verkauf hatte der Altenkirchener Kreistag in seiner Sitzung vor Weihnachten des vergangenen Jahres erteilt.

Projekt mit vielen Unbekannten
„Ich habe mich natürlich sehr gefreut, denn es ist für den Standort Langenbach ein sehr wichtiges Infrastrukturprojekt. Zugleich ist es eine Mischung aus Erleichterung und Start in ein großes Projekt mit vielen Unbekannten“, kommentierte Markus Mann als Geschäftsführer der Westerwälder Holzpellets GmbH exklusiv gegenüber den Kurieren die Entscheidung und schränkte ein: „Besitzer ist mein Unternehmen erst, wenn der Kaufvertrag vollzogen und die Eintragung im Grundbuch erfolgt ist. Zunächst müssen die Kaufverträge zwischen WW-Bahn und WW-Pellets abgestimmt werden. Der Notar wurde bereits beauftragt. Dann muss der Kauf tatsächlich vollzogen werden. Sobald mein Unternehmen im Grundbuch eingetragen ist, sind wir Eigentümer. Dann geht die Arbeit mit der Planung und Neuwidmung erst richtig los.“ Nachdem nun die Entscheidung final gefallen ist, erwartet Mann wenig Gegenwind mit Blickrichtung Instandsetzung und Betriebsaufnahme. „Im Prinzip habe ich mehrheitlich während der zurückliegenden drei Jahre sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung von Elkenroth erhalten. Denn wir übernehmen hier als Unternehmen eigentlich eine hoheitliche Aufgabe der Infrastrukturerstellung und schonen dadurch die Kreis- und Landesstraßen, die durch den Ort führen. Unser Projekt entlastet die Bevölkerung, und ich würde mich freuen, wenn man nun gemeinsam den Blick nach vorne nimmt. In Partnerschaft gibt es eventuell schneller Radwege und Verbesserungen als im aufreibenden Gegeneinander“, erklärte Mann.

Umschlagplatz sanieren
Zuvor gilt das Hauptaugenmerk Manns erst einmal der Sanierung des Umschlagplatzes an der Rosenheimer Lay, bis wohin künftig die Holztransporte grundsätzlich von der Siegstrecke aus über die Bindweide fahren werden, um dort entladen und dann ins Werk per Lastwagen gebracht zu werden. „Für die die Rosenheimer Lay haben wir Baurecht vom Kreis und vom Eisenbahnbundesamt erhalten“, beschrieb er die aktuelle Situation und unterstrich: „Unser Ziel bleibt weiterhin die Streckenfortsetzung bis zum Firmensitz in Langenbach.“ Mann hielt an der Konzeption, was auf der Schiene angeliefert werden soll, fest. „Wir planen Rundholztransporte für unser Sägewerk. Im Sägewerk entstehen dann Sägenebenprodukte für die Pelletproduktion. Wir haben am Standort ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen dem Anfall von Sägenebenprodukten und der Produktionskapazität unseres Pelletwerkes. Aus diesem Grund erübrigt sich der Zukauf von zusätzlichen Rohstoffen für die Pelletproduktion.“



„Eine schwere Geburt“
Weba-Geschäftsführer Oliver Schrei war erleichtert über den Abschluss des Verfahrens. „Es war eine schwere Geburt, bis sämtliche Gremien die erforderlichen Beschlüsse gefasst hatten“, meinte er und bekräftigte: „Die Entscheidung des Verkaufs ist vollständig richtig.“ Die Weba werde mit Mann natürlich im Austausch bleiben und Fragen beantworten, die in nächster Zeit sich ergeben. Der Transport von Material auf diesem Abschnitt war am 31. Juli 2017 eingestellt, der rund sechs Kilometer lange Abschnitt vom Landesbetrieb Mobilität entwidmet, ein Bahnübergang bei Elkenroth des Gleisbettes „beraubt“ und höhengleich an die querende und sanierte Landesstraße angepasst worden. Nach Vorstellungen Manns würde sich die Trasse, um den Firmensitz in Langenbach zu erreichen, an der 380-KV-Stromleitung orientieren, die sich über die Höhen des Westerwaldes zieht. Die Holzwaggons werden entweder als Komplett- oder Einzelzug bis nach Scheuerfeld geordert. Von dort sollen die Fahrten entweder die Siegener Kreisbahn, die Eifel-Bahn oder MZ-Eisenbahndienstleistungen hinauf in den Westerwald übernehmen. Noch am Freitag voriger Woche (24. März) wurde eine Probefahrt mit einem Holzzug in Doppeltraktion absolviert.

Nicht wirklich Zeithorizonte nennen
Und in welchen Zeiträumen muss für die Realisierung der Verlängerung der Strecke bis nach Langenbach gedacht werden? „Na ja, bei Bahnprojekten in Deutschland kann man nicht wirklich Zeithorizonte nennen. Wir sind halt leider nicht in der Schweiz. Es kommt ja auch immer auf die Kooperationswilligkeit aller Beteiligten an. Da kann so ein Projekt schon mal fünf bis zehn Jahre dauern. Je schneller, desto mehr haben unsere Mitarbeiter und mein Unternehmen zu versteuern“, hatte Mann in einem Gespräch mit dem AK-Kurier vor den Weihnachtsfeiertagen 2022 dargestellt und eine „finale Lösung“ mit einem Umladen in Weitefeld, falls die Verlängerung bis nach Langenbach scheitert, verworfen. „In Weitefeld auf Lastwagen zu verladen würde keinen Sinn machen. Da kann man auch direkt an der Rosenheimer Lay auf die Straße gehen.“ Zu finanziellen Zuschüssen von EU, Bund und Land, die für das Projekt durchaus infrage kommen, äußerte er sich vor rund drei Monaten auch: „Für Förderungen von Bund und Land gibt es klare Regeln und auch Verpflichtungen für den Fördergeldnehmer. Wir werden versuchen, die uns zustehenden Fördermittel zu erhalten. Klar ist aber auch, wenn man die Tonnage nicht fährt, zahlt man Zuschüsse zurück. Somit geht das alles aufs volle Risiko der Westerwälder Holzpellets GmbH.“ (vh)



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