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Pressemitteilung vom 21.06.2023    

Entwicklung der Borkenkäfer beschäftigt Forstämter und Nationalpark weiterhin sehr

Aufgrund der nun schon länger andauernden trocken-warmen Witterung machen es die Borkenkäfer den Förstern im Land wahrlich nicht leicht. In allen Höhenlagen herrscht rege Schwärm- und Befallsaktivität der kleinen, aber alles andere als harmlosen, Käfer.

Symbolfoto. (Foto: Pixabay)

Region. Im Bereich des Borkenkäfermonitorings stellen die Forstfachleute zunehmend steigende Fangzahlen fest. Damit steigt auch das Risiko eines Stehendbefalls gesunder Fichten weiter an und bindet auch weiterhin viel Forstpersonal. "Aufgrund der weiterhin prognostizierten hohen Temperaturen bis in die Gipfellagen wird sich an der angespannten Situation im Rahmen der Borkenkäferbekämpfung leider vorerst nichts ändern", ist sich Jan Rommelfanger vom Borkenkäferlagezentrum sicher. "Wir tun unser Möglichstes, um durch ein intensives Monitoring befallene Fichten frühzeitig zu erkennen und durch rasche Entnahme den Befall noch gesunder Bäume zu verhindern", so Rommelfanger weiter. Der Walderhalt ist dabei oberstes Ziel.

Tatsächlich sind in den betroffenen Forstämtern neben den regulären Fachkräften auch besonders geschulte, externe Monitoringkräfte in den Wäldern unterwegs. Sobald sie Borkenkäferbefall feststellen, wird der Befallsherd mit einer speziellen App im Smartphone aufgenommen, die befallenen Bäume mit Sprühfarbe markiert und die Entnahme schnellstmöglich eingeleitet.

Befallsdynamik stößt Forstleute an Grenzen
Die bisherigen Ergebnisse der intensiven Kontrollen durch das Borkenkäfermonitoring verheißen nichts Gutes. "In vielen Waldbereichen des Hunsrücks und auch anderswo stellen wir ständig neue Befallsherde fest", äußert sich Michael Veeck vom Lagezentrum besorgt. "Es ist zu befürchten, dass wir dem Käfer ständig hinterherlaufen und den Frischbefall nicht stoppen beziehungsweise verhindern können", so Veeck weiter.

Für gewöhnlich sind die meisten Borkenkäferarten sogenannte Sekundärschädlinge, das heißt, sie befallen in erster Linie kranke und geschwächte Bäume. Werden die Lebensbedingungen der Käfer, beispielsweise durch anhaltend trocken-warme Witterung, günstiger, mutieren sie durch ihre exorbitant hohe Vermehrungsrate sehr schnell zu Primärschädlingen und befallen dann auch gesunde Bäume.

Für eine effektive und schnelle Aufarbeitung befallener Bäume ist der Einsatz schwerer Forstmaschinen unabdingbar. Bei der momentanen Befallsdynamik und den damit zu erwartenden Schadholzmengen ist abzusehen, dass auch irgendwann nicht mehr genügend dieser Spezialmaschinen verfügbar sind. Dann könnte sich die ganze Dramatik sogar noch verschärfen.

Bei alledem achten die Forstleute auch darauf, besondere Biotope und naturschutzfachlich wichtige Bereiche mit besonderer Sorgfalt zu behandeln. Hier muss im Einzelfall entschieden werden, wie die naturschutzfachlichen Anforderungen in die Arbeit integriert werden können.




Wichtige Maßnahmen der Waldentwicklung
Die Folgen des Klimawandels zeigen sich vermehrt auch in solchen Störungen der Wälder durch erhöhten Borkenkäferbefall. "Je stärker die Anfälligkeit für Störungen ausgeprägt ist und je weitreichender die Folgen drohender Störungen sind, desto wichtiger ist es, möglichst wirksam vorzubeugen", sagt Bernhard Frauenberger, Forstamtsleiter des Forstamts Soonwald. "Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Überführung naturferner Reinbestockungen. Bevor diese zusammenzubrechen drohen, sollte bereits die Entwicklung der nächsten Baumgeneration möglichst weit vorangeschritten sein", so Frauenberger weiter.

Daher planen die Forstleute auch schon längst den klimastabilen Wald der Zukunft mit klimaresistenten Baumarten und sprechen hier von Vorausverjüngung. Sobald ausreichende Lichtbedingungen vorliegen, können wärmeliebende Baumarten klumpenweise, das heißt in kleinen Gruppen, in die entsprechenden Waldbereiche gepflanzt werden.

Im Rahmen der weiteren Waldentwicklung und im Sinne einer naturnahen und klimaangepassten Waldwirtschaft wägen die Forstleute ständig ab, um geeignete Maßnahmen zukunftswirksam treffen zu können. Dabei stellt sich auch die Frage nach der weiteren waldökologischen Behandlung größerer Kalamitätsflächen. Ist es zum Beispiel sinnvoll, bereits abgestorbene Borkenkäferfichten zu fällen und den wertvollen Rohstoff zu nutzen, oder sollte das Totholz aus ökologischen Gründen stehen bleiben – eine Entscheidung, bei der es oft vielfältige Aspekte zu beachten gilt und die von Standort zu Standort unterschiedlich ausfallen kann.

Ferner beziehen die Förster die Wuchsdynamik des jeweiligen Waldstandorts in ihre Entscheidungen mit ein. Die Natur zeichnet in vielen Fällen den waldökologischen Weg vor. Sukzessionsunterstütze Wiederbewaldung heißt das im Fachjargon, das heißt, Bäume, die die Natur kostenfrei liefert, werden in den Wald der Zukunft integriert und dazwischen klimastabile Baumarten gepflanzt. Was bei alledem sehr deutlich wird: Es gibt nicht nur den einen Weg, der dogmatisch auf allen betroffenen Schadflächen umzusetzen ist. Vielmehr ist die Vielfalt, nicht nur bei der Auswahl neuer Baumarten, sondern auch der waldökologischen Maßnahmen generell, eine mögliche Strategie der Wiederbewaldung. (PM)


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