Werbung

Nachricht vom 06.09.2023    

Naturschutzinitiative: Lasst die Wölfe leben

Die Forderung von Bundesumweltministerin Steffi Lemke nach erleichterten Abschüssen von Wölfen zeige die zunehmende Naturvergessenheit in der Politik, jetzt auch bei den Grünen, findet die Naturschutzinitiative e.V. (NI). Sie fordert dazu auf, zu lernen mit dem Wolf umzugehen.

Wolfsfähe mit Wolfswelpen (Foto: Ingo Kühl/NI)

Region. „Auch der Wolf ist Teil der Biodiversität und muss geschützt werden. Er ist als Beutegreifer ein wichtiges Element für das natürliche Gleichgewicht“, so Gabriele Neumann, Projektleiterin Großkarnivoren der Naturschutzinitiative e.V. Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) stellt sich daher entschieden gegen Bestrebungen, den Wolf in Deutschland wieder auszurotten, bevor er überhaupt richtig Fuß fassen konnte.

Das Leben mit dem Wolf sei sicher eine Herausforderung, aber er ist nicht nur durch das Bundesnaturschutzgesetz und die europäische FFH-Richtlinie streng geschützt, sondern auch durch die völkerrechtlich verbindliche Berner Konvention, schreibt die NI in einer Pressemitteilung. „Wir können auch in Deutschland lernen mit dem Wolf umzugehen, so wie es in vielen anderen Ländern gelungen ist. Hierzu braucht es eine gewisse Bereitschaft, das Wesen 'Wolf' zu verstehen, an der es leider stark fehlt. Genauere Analysen der Wolfsrisse zeigen nämlich, dass für Konflikte fast überall Fehler im Wolfsschutz ursächlich sind“, so Gabriele Neumann.

Kein Abschuss von Wölfen - Starker Rückgang von Rissen in Rheinland-Pfalz
„Da bislang nicht ersichtlich ist, dass Schäden trotz vorrangig zu betreibenden Herdenschutzmaßnahmen unvermeidbar sind, steht eine Entscheidung über eine Ausnahmegenehmigung zum Töten einzelner Tiere noch gar nicht an. Erst wenn geklärt ist, dass ernste wirtschaftliche Schäden zu befürchten und keine weniger eingriffsintensiven Mittel zur Verfügung stehen, kann die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für ein Einzeltier in Betracht gezogen werden“, so der Umweltverband NI.

„Herausforderungen in der Kulturgesellschaft begegnet man nicht, indem man Wildtiere tötet. Nicht die Anzahl der Wölfe ist für die Risse von Weidetieren verantwortlich, sondern die Anzahl der nicht sorgfältig gesicherten Weidetiere. Dies zeigt der aktuell starke Rückgang von Rissen im Land Rheinland-Pfalz. Denn auch eine Bejagung kann den Herdenschutz nicht ersetzen“, so Gabriele Neumann. Die von den Weidetierhaltern zurecht geforderten Präventions- und Ausgleichszahlungen seien gerade dazu da, eine Koexistenz zu fördern, so die NI.

EuGH stärkt Schutz des Wolfes
„Ende 2019 hat der Europäische Gerichtshof den starken Schutzstatus des Wolfes nochmals bekräftigt und pauschalen Abschussgenehmigungen einen Riegel vorgeschoben. Die Gewährung einer artenschutzrechtlichen Ausnahme vom Tötungsverbot der streng geschützten FFH-Art setzt nämlich voraus, dass alle zumutbaren Alternativen ausgeschöpft sein müssen und sich der Erhaltungszustand der lokalen und nationalen Population nicht verschlechtern darf“, erklärte Wolfsexpertin Gabriele Neumann.



Der Wolf befindet sich nach wie vor in einem ungünstigen Erhaltungszustand. In ganz Rheinland-Pfalz ist derzeit gerade einmal ein Wolfsrudel ansässig. Von einem „Wolfsaufkommen“ könne daher in diesem Bundesland nicht die Rede sein, findet die NI. Die Tötung lokaler Bestände des Wolfes ist daher artenschutzrechtlich gar nicht erlaubt. Nach Art. 16 Abs. 1 der FFH-Richtlinie darf die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes nicht behindert werden. Außerdem sind die nationalen Behörden verpflichtet, in jedem Einzelfall auf der Grundlage der „besten verfügbaren wissenschaftlichen Daten“ nachzuweisen, dass die Voraussetzungen für einen Abschuss vorliegen und dass die Ausnahme überhaupt geeignet ist, das vorgegebene Ziel nach Artikel 16 der FFH-Richtlinie zu erreichen.

Zudem seien die Handlungsempfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz zu beachten. „Eine begründete Tötung von Einzelwölfen durch ausgewiesene Experten kann nur dann gerechtfertigt sein, wenn sämtliche zumutbaren Alternativen ausgeschöpft sind“, so der Umweltverband.

FFH-Richtlinie beachten
„Die Naturschutzinitiative (NI) wird daher darauf achten, dass bei Abschussgenehmigungen die strengen Anforderungen nach der FFH-Richtlinie beachtet werden. Wenn die Voraussetzungen für einen Abschuss nicht vorliegen, werden wir diese auch einer gerichtlichen Überprüfung zuführen“, so Gabriele Neumann.

„Anstatt über das Töten von Mitgeschöpfen nachzudenken und unnötige Panik zu erzeugen, sollten die verantwortlichen Politiker über das (wieder) gemeinsame Leben von uns Menschen mit wilden Tieren nachdenken. Die Rückkehr der Wölfe stellt eine Herausforderung dar, aber wir sollten lernen, mit dieser Facette der wilden Natur zu leben, so wie es auch in anderen europäischen Ländern mit Wolfsvorkommen gelungen ist“, so Gabriele Neumann. (PM)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


Wissener Karnevalisten erleben unvergessliche Tage in Chagny

Vom 13. bis 16. März reiste die Wissener Karnevalsgesellschaft 1856 e.V. mit über 50 Personen zur "Mi-Carême" ...

Hamm (Sieg): Kostenfreie Führung zur jüdischen Historie am 22. März

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus bietet die Raiffeisengemeinde Hamm (Sieg) gemeinsam ...

Frühlingserwachen in Hachenburg: Ein Wochenende voller Genuss und verkaufsoffener Sonntag

Frühlingssonne und angenehme Temperaturen lockten die Besucher am Samstag, dem 21. März, zum "Früh im ...

"Montabaur blüht auf 2026" lockte wieder viele Menschen in die Kreisstadt

Es ist schon zur Gewohnheit geworden, von den Wetterverhältnissen in Montabaur eingangs zu berichten, ...

Rheinland-Pfalz-Ausstellung: Expertentipps der Verbraucherzentrale für Besucher

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz präsentiert sich auf der Rheinland-Pfalz-Ausstellung mit einem ...

Nante live in Betzdorf: Freier Eintritt ins musikalische Wunderland

Am Samstag, 28. März, lädt die Kultkneipe "Linde" im Betzdorfer Klosterhof zu einem besonderen musikalischen ...

Weitere Artikel


Schützenverein "Tell" Kirchen holt sich den Kirchener Verbandsgemeinde-Pokal 2023

Sieger beim zweiten Verbandsgemeinde-Pokalturnier der Schützenvereine Kirchen-Sieg wurde die Mannschaft ...

Fit für die Bildung in der digitalen Welt: IT-Grundlagenkurse für Lehrkräfte

Die Rolle der digitalen Bildung in der Schule ist von großer Bedeutung. Durch den Einsatz von Technologie ...

FDP stellt Antrag zur Bildung eines Gesundheitsausschusses

Die Kreistagsfraktion der Freien Demokratischen Partei (FDP) beantragt die Einrichtung eines Gesundheitsausschusses ...

Vortragsreihe über einfache Energiespartipps für den Alltag

Die Verbraucherzentrale informiert in einer Vortragsreihe über Energiespartipps für den Alltag. Schon ...

"Der Windhof": Autorin Sonja Roos liest mit der VHS in Flammersfeld aus ihrem Roman

Die Volkshochschule der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld bietet auch im zweiten Halbjahr 2023 ...

Fall des Monats: Verlustfrei zocken im Online-Casino

Kann eine Spielerin ihre in den Jahren 2015 bis 2020 in einem Online-Casino erlittenen Verluste in Höhe ...

Werbung