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Nachricht vom 23.11.2011 - 08:50 Uhr    

Autorenlesung zeigte Blick in Parallelwelten

Aus dem Buch "Geschlossene Gesellschaft" lasen die Mitautoren Alexander Golfidis und Steffen Flügler auf Einladung des Diakonischen Werkes Altenkirchen. Das Thema Drogensucht stand im Mittelpunkt, Mitarbeiter des Projektes "Netzwerk für Toleranz und Menschlichkeit" berichteten im Anschluss an die Lesung über die Situation Drogensüchtiger im Landkreis.

Schonungslos und offen berichteten Steffen Flügler und Alexander Golfidis über ihre Suchtkarriere in Altenkirchen.

Altenkirchen. Das Diakonische Werk Altenkirchen hatte im Rahmen des Projekts „Netzwerk für Toleranz und Menschenfreundlichkeit“ die beiden Männer in das Forum der Evangelischen Kirchengemeinde eingeladen um eine Diskussion über das Tabuthema „Drogensucht“ anzuregen. Dieser Einladung waren sowohl interessierte Bürger, Betroffene, Jugendliche, als auch Fachkräfte aus Beratung und Verwaltung gefolgt.
Alexander Golfidis und Steffen Flügler erzählten aus ihrem Leben. Beide Männer, der eine aus München der andere aus Speyer, waren lange Zeit ihres Lebens süchtig. Sie sind Mitautoren des Buches "Geschlossene Gesellschaft" (Über Getaway e.V. zu beziehen.) Die Biographien der beiden Männer ähneln sich in dem Punkt, dass beide in früher Jugend mit dem Konsum von Alkohol beginnen. Alexander Golfidis (Weitere Bücher des Autors sind: "Der Heroin Schuster" und "Die Junkiefabrik") sagt: "Mein Weg war vorprogrammiert". In einer für manche Ohren sehr direkten Sprache erzählt er authentisch und ungeschminkt über seine Jugend in Neuaubing, einem Stadtteil von München. Er spricht über seine Orientierungslosigkeit, den Verlust des Vaters, der Schwäche seiner Mutter und das Finden eines neuen Vorbilds in Form eines Rockers. Eine Parallelwelt bestehend aus Schlägereien, Diebstählen, Drogen, Einbrüchen, schildert er schonungslos, sich selbst und seinen Zuhörern gegenüber erzählt er auch, dass er als Jugendlicher so sein wollte. Was ihm gefehlt habe, sagte Alexander Golfidis, sei einer, der es geschafft habe aus dieser Szene raus zu kommen.
Die Angst vor dem Versagen, so Steffen Flügler, konnte er vorerst nur mit Alkohol wegspülen. Später war der Kick, den die Drogen ihm gaben, stärker als die Erfolgserlebnisse, die er in der Schule hatte. Besonders betroffen machte die harte und schonungslose Schilderung der Entzüge.
Kennen lernen konnten die Gäste, an diesem Abend zwei interessante Personen, die es geschafft haben eine Wende in ihrem Leben zu vollziehen.

In der folgenden Diskussion stellten sich die Autoren den Fragen der Zuhörer. Die Frage nach einer Art Rezept, das aus der Drogensucht heraus führt verneinten beide. "Es gibt nicht den Weg aus der Sucht, sondern für jeden einen individuellen Weg".
Im Anschluss stellte sich die Frage nach Betroffenen im Kreis Altenkirchen. Wie sieht deren Lage beispielsweise in Altenkirchen aus? Berichten konnte hierzu Dipl. Sozialpädagogin Doris Große, Suchtberaterin beim Diakonischen Werk und Silke Irle, Projektleiterin „Netzwerk für Toleranz und Menschenfreundlichkeit“, über die steigende Anzahl der Beratungsgespräche im Bereich der illegalen Drogen und Substitution und dass Fachdienste schon seit Jahren ein spezielles Beratungsangebot für Substituierte in Altenkirchen vermissen.
Zum Ende der Veranstaltung stellt Silke Irle das Netzwerk vor, das sich der Problematik von Randgruppen in unserer Gesellschaft annehmen soll. Das Netzwerk Toleranz und Menschenfreundlichkeit wird gefördert von dem Bundesprojekt: „Toleranz fördern und Kompetenz stärken“ und ist im Lokalen Aktionsplan des Kreis Altenkirchen enthalten. Im Fokus stehen vorerst Langzeitkonsumenten von illegalen Drogen. Im Rahmen des Netzwerkaufbaus ist bereits eine zweite Veranstaltung mit dem Dipl. Pädagogen Michael Müller von der Universität Bielefeld geplant. Der Vortrag wird am Montag, 25. Februar 2012 um 14 Uhr in der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen zum Thema: „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Drogensucht - warum wir uns so schwer tun mit der Akzeptanz".
Informationen zum Netzwerk und zu folgenden Veranstaltungen: Diakonisches Werk Altenkirchen 02681 800820 oder irle@dw-ak.de



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