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Wirtschaft | - keine Angabe -


Nachricht vom 15.01.2012    

Neujahrsempfang der Wirtschaft 2012

HwK und IHK Koblenz luden ins Kurfürstliche Schloss zu Koblenz ein. Es war der 11. Neujahrsempfang der Wirtschaft, den die Handwerkskammer (HwK) Koblenz sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz gemeinsam durchführten – dieses Jahr im Kurfürstlichen Schloss zu Koblenz und ausgerichtet durch die HwK. Gäste aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Bildung, Bundeswehr, Medien und Gesellschaft folgten der Einladung.

Mit den Kammerspitzen um die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer Werner Wittlich (2.v.r.) und Alexander Baden (r.), Manfred Sattler (3.v.l.) und Arne Rössel (l.) freuen sich die Landesminister Eveline Lemke (M.) und Dr. Carsten Kühl (4.v.r.) und weitere Repräsentanten aus der Europa-, Bundes- und Landespolitik (v.l.: Peter Bleser, Dr. Michael Fuchs, Werner Langen und Hendrik Hering) über eine gute Wirtschaftslage im nördlichen Landesteil. Foto: PIELmedia

Region. Zur Begrüßung machten die beiden Präsidenten Werner Wittlich (HwK) und Manfred Sattler (IHK) in ihren Reden deutlich: Vor dem Hintergrund einer internationalen Krise im Finanzsektor und einer drohenden Eintrübung der Weltwirtschaft zeigt sich die regionale Wirtschaft in gutem Zustand. „Wir stellen mehr denn je fest: Der Blick in die Region, das Wissen um die Leistungsstärke der hiesigen Unternehmen bedeutet Sicherheit, Wirtschaftskraft und Verlässlichkeit“, unterstrich Werner Wittlich und erinnerte daran, dass noch vor einem Jahr Rettungspakete für Banken die Schlagzeilen bestimmten. „Heute sind es ganze Staaten, die Rettungspakete zum Überleben benötigen, während die mittelständisch geprägte Wirtschaft unserer Region über eine stabile Konjunkturlage auf hohem Niveau berichten kann“, machte Wittlich deutlich.

„Das ist kein Zufall“, ergänzte IHK-Präsident Manfred Sattler und erläuterte vor rund 1.000 Gästen: „Wir Unternehmer haben uns mit unseren Mitarbeitern den Herausforderungen gestellt und sind beständig besser geworden. So haben wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Arbeitsplätze erhalten, jungen Menschen eine berufliche Perspektive gegeben und durch Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft unserer Wirtschaft für die kommenden Jahre gesichert. Damit sorgt der Mittelstand dafür, dass die Exportwirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit niedrig ist und die Steuereinnahmen auf Rekordniveau sprudeln.“

Die positive Lage des Wirtschaftsjahres 2011 wird sich auch zu Jahresbeginn 2012 fortsetzen – das zeigen die Ergebnisse der jüngsten Umfragen beider Wirtschaftskammern.

Region Mittelrhein legt kräftig zu, Fachkräfte sind gefragt
Steigende Betriebszahlen, ein Plus bei der Meistervorbereitung und konstante Ausbildungszahlen – vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – „das sind die aktuellen, positiven Nachrichten aus dem Handwerk“, zog Werner Wittlich Bilanz im Vergleich regionaler, nationaler und internationaler Wirtschaftsmärkte. Doch gerade bei der Fachkräftesicherung sieht die Wirtschaft eine massive Herausforderung, „bei deren Bewältigung wir uns auf eine gute und enge Zusammenarbeit mit Politik und Schulen verlassen müssen.

Die im vergangenen Jahr durch das Mainzer Wirtschaftsministerium aufgeworfenen Überlegungen zur Förderungs-Kürzung in der dualen Ausbildung waren hier der falsche Ansatz“, stellte Wittlich klar und kritisierte die parallele finanzielle Entlastung für Langzeitstudenten: „Das ist das falsche Signal an die Jugend und hat nichts mit dem Leistungsprinzip zu tun!“

„Um wirtschaftlichen Erfolg zu haben, benötigen wir gut ausgebildete Fachkräfte. Die Betriebe nehmen das sehr ernst“, stellte IHK-Präsident Sattler fest und ergänzte: „Die Politik ist gefordert, die notwendigen Rahmenparameter zu setzen. Auf einem gemeinsamen Fachkräftekongress wollen wir gemeinsam mit der HwK im ersten Halbjahr 2012 aufzeigen, welche Möglichkeiten und Instrumente zur Fachkräftesicherung Unternehmern konkret zur Verfügung stehen. Mit dem in Kürze in Kraft tretenden Berufsanerkennungsgesetz können Zuwanderer sich die Qualifikation ihrer beruflichen Ausbildung bei den Wirtschaftskammern bestätigen lassen. Auch damit wollen wir einen Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels leisten.“




Korrekturbedarf bei Energiewende, Handlungsbedarf bei Basel III
Korrekturbedarf bei politischen Überlegungen sieht die Wirtschaft bei der Energiewende. „Eine Änderung bei der Energieerzeugung muss sicher her – beim Tempo aber nicht um jeden Preis.“ Gegenwind herrscht, so Wittlich, längst auch bei der angestrebten Kreis- und Verbandsgemeindereform, „die nicht zu Ende gedacht wurde und auch auf dem Rücken des regionalen Handwerks ausgetragen würde. Von uns gibt es ein klares Nein zu diesen Überlegungen.“

Schnelles und entschlossenes Handeln sei dagegen beim Thema Kreditvergabe und Basel III angesagt. „Politik, Wirtschaft und Finanzpartner müssen gemeinsam dafür sorgen, dass im Regelwerk nachgebessert wird. Hier wird international alles über einen Kamm geschert, was nach Bank aussieht. Die Profile einzelner Finanzunternehmen, ihre regionale Ausrichtung und ihre Rolle für die Stabilität bei der regionalen Geldversorgung – beispielsweise des Mittelstandes – werden ignoriert.“ Mit Basel III verbänden sich für den Mittelstand massive Probleme insbesondere bei Existenzgründungen, Unternehmens-übergaben und sogar bei der Umsetzung vorfinanzierter Innovationen – alles Schlüsselbereiche bei der Zukunftssicherung.

Manfred Sattler betonte, auch das entschlossene Handeln der Politik habe dazu beigetragen, dass die Unternehmer in der schwierigen Zeit so gut dastünden. Er kritisierte aber, dass die öffentlichen Haushalte dramatisch verschuldet seien, während die staatliche Bürokratie wächst und immer teurer werde – und das in Zeiten von Rekordsteuereinnahmen: „Auch die öffentliche Hand in Rheinland-Pfalz ist gut beraten, mit der Schuldenbremse endlich ernst zu machen.“ Dabei sollten die Prioritäten richtig gesetzt und nicht an der falschen Stelle gespart werden, richtete sich Sattler an Ministerin Lemke: „Politik muss die Bedürfnisse der Menschen und der Wirtschaft in ihrem Wirkungsbereich ernst nehmen. Ich finde es unverständlich, dass ein Masterplan für die Zukunft im Mittelrheintal entwickelt werden soll, in dem ausgerechnet das wichtige Thema ‚Infrastruktur und Verkehr‘ ausgeklammert bleibt. Auch ein Tal braucht Mobilität, wenn die Wirtschaft dort blühen und die Menschen sich wohlfühlen sollen. Die Aussage ‚Es ist einfach kein Geld für die Brücke da‘ zeigt, dass die Politik es sich zu einfach macht. Wenn heute der Beschluss fallen würde, dass die Brücke kommen soll, würde ihre Realisierung noch gut ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Das ist bei weitem genug Zeit, die notwendigen Gelder durch die richtige Prioritätensetzung zur Verfügung zu stellen. Wir und die Unternehmen möchten gemeinsam mit der Politik, insbesondere der Politik vor Ort in den beteiligten Landkreisen, aktiv an dem Zukunfts-Masterplan für das Mittelrheintal mitarbeiten und damit den Menschen und Unternehmen wieder eine Perspektive geben.“

Für 2012 wünschte Werner Wittlich „den Optimisten unter uns, sich gegen Zögerer, Zauderer und negative Stimmungsmacher durchzusetzen. „Das Handwerk wird die Ärmel hochkrempeln und die Initiative ergreifen. Das gilt natürlich auch für die Handwerkskammer selbst. Unser Veranstaltungs- und Terminkalender ist gut gefüllt.“ So steht das nächste Großereignis bevor, wenn im Frühjahr das Zentrum für Ernährung und Gesundheit eröffnet wird. „Das neue Haus wird europaweit einmalig Entwicklungen und Möglichkeiten der Gesundheits- und Nahrungsmittelhandwerke aufgreifen und voranbringen“, sehen die Handwerkskammer Koblenz und das Handwerk optimistisch in die Zukunft.

Auch Manfred Sattler blickt optimistisch nach vorne: „Wir haben unsere IHK Ende 2010, Anfang 2011 durch schweres Fahrwasser mit manchen Turbulenzen geführt und mittlerweile wieder Normalität erreicht. Gemeinsam mit unserem neuen Hauptgeschäftsführer Arne Rössel, den ich herzlich begrüße, werden wir uns der Herausforderung stellen, das Leistungsangebot unserer IHK auszubauen und gleichzeitig die gute Ertragssteuer-Situation zu nutzen, um weitere Beitragssenkungen zu ermöglichen. Damit wollen wir der Politik gerne ein Vorbild sein!“



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