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Nachricht vom 16.02.2012    

Eine der ältesten Tonaufnahmen stammt aus dem AK-Land

Nicht nur Bismarcks Stimme wurde verewigt, sondern auch Westerwälder Grüße nach Chicago. Wie unlängst bundesweit in der Presse berichtet wurde, ist eine Tonaufnahme mit der Stimme des deutschen Reichskanzlers Bismarck wiederentdeckt worden. Weniger bekannt sein dürfte hingegen, dass sich unter den lange verschollenen Tondokumenten auch eine Aufnahme aus dem Kreisgebiet befand, wie das Kreisarchiv Altenkirchen nun in Erfahrung bringen konnte. Diese Sprachaufzeichnung zählt zu den frühesten in Deutschland überhaupt.

Kreis Altenkirchen. In den Jahren 1889/90 begab sich der deutschstämmige Amerika-Auswanderer Adalbert Theodor Wangemann auf Europareise, wo er unter anderem während der Weltausstellung 1889 in Paris einen Phonographen präsentieren sollte. Im Auftrag des Erfinders Thomas Alva Edison warb er für das 1878 patentierte Gerät, mit dem es möglich war, Töne, Sprache oder Musik auf speziellen Walzen aufzuzeichnen und wieder abzuspielen.

Im Anschluss an die Weltausstellung suchte Wangemann in Deutschland einige namhafte Personen ihrer Zeit auf, darunter Kaiser Wilhelm II., Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke. In der Zeit um den Jahreswechsel 1889/90 machte er einen Zwischenstopp in Altenkirchen, wo er seine Verwandte Ottilie Klaube, geborene Wangemann, sowie deren Ehemann Julius besuchte. Hierbei dürfte es sich um den gleichnamigen Oberförster Klaube handeln, der laut Adressbuch von 1898 in der Frankfurter Straße wohnte.

Am 14. Januar 1890 ließ das Ehepaar gemeinsam mit seinen Kindern eine Grußbotschaft aufnehmen, die vermutlich an Wangemanns Bruder in Chicago gerichtet war. Dass die Aufregung dabei groß sein musste, lässt sich daran ablesen, dass Wangemann zu Beginn der Aufnahme fälschlicherweise noch das Jahr 1889 als Datum nennt. Das Tondokument von knapp einer Minute Dauer weist eine schwankende Wiedergabequalität auf; dennoch ist der überwiegende Teil der Botschaft verständlich. Anders als die meisten übrigen Wangemann-Aufnahmen erhält die Altenkirchener Aufnahme eine besondere Bedeutung aufgrund ihres privaten Charakters: Nicht Prominente oder Künstler kamen zu Wort, sondern einfache Bürger mit ganz persönlichem Anliegen. Und erstmals durfte ein Westerwälder seine Stimme über den Tod hinaus für die Nachwelt verewigen.



Interessierte können sich die Aufnahme im Internet anhören (unter der Adresse www.cylinder.de/resource_bismarck.html), oder sich an das Kreisarchiv wenden. Auch für all jene, die eigene alte Privataufnahmen in Wort und Bild vor dem Vergessen retten wollen, lohnt sich ein Besuch im Kreisarchiv bzw. Kreismedienzentrum: Zum „Tag der Archive“ am 4. März 2012, an dem alle Geschichtsinteressierten zwischen 13 und 18 Uhr eingeladen sind, mehr über das Kreisarchiv und seine Arbeit zu erfahren, startet auch eine gemeinsame Digitalisierungsaktion: Privatfilme in heute nicht mehr gängigen oder abspielbaren Formaten wie Super-8 oder 16-mm-Filme, Videos, aber auch Dias oder Fotos können im Kreisarchiv bzw. Kreismedienzentrum zur Digitalisierung abgegeben werden.

Weitere Informationen und Flyer zum „Tag der Archive“ und Digitalisierungswoche:
Kreisarchiv Altenkirchen, Tel. 02681 / 81-2253, Jacek.Swiderski@kreis-ak.de
Kreismedienzentrum, Tel. 02681 / 81-2251, Ruediger.Rosen@kreis-ak.de, Karl-Heinz.Dorka@kreis-ak.de, Werner.Willems@kreis-ak.de
www.kreis-altenkirchen.de/kreismedienzentrum


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