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Nachricht vom 09.12.2024    

Mehrere Tiere getötet: Erstmals Schafe im Wisserland von Wolf angegriffen?

Von Regina Morkramer

Derzeit wird überprüft, ob ein Wolf Schafe in der Verbandsgemeinde Wissen angegriffen hat. Wie das Koordinationszentrum für Luchs und Wolf (Kluwo) am Montag mitteilt, ist am Samstag, 7. Dezember, ein Schadensfall mit acht betroffenen Tieren gemeldet worden.

(Symbolbild: Tischler)

Wissen. Sechs Schafe sollen demnach getötet worden sein, beziehungsweise mussten notgetötet werden. Ein Schaf wurde verletzt, eins sei verschwunden, so das Kluwo. Es bestehe der Verdacht, dass an dem Angriff ein "großer Beutegreifer" beteiligt war. Eine Begutachtung vor Ort wurde noch am Samstag durchgeführt. Es wurden DNS-Abstriche genommen, die an das Senckenberg-Institut zur Analyse überstellt werden. "Die Beteiligung eines großen Beutegreifers kann derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden", so das Kluwo abschließend.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre dies der erste Fall eines Wolfangriffs im Wisserland. Die Verbandsgemeinde Wissen liegt innerhalb des Präventionsgebiets Westerwald.

Die Halterin der Schafe, Gitte Anders, erzählt im Gespräch mit dem AK-Kurier, wie sie den Vorfall wahrgenommen hat. Die Tiere haben auf der Weide eines Freundes gestanden. Am Samstagmorgen habe dieser Freund angerufen mit den Worten: "Der Wolf war hier!" Auf der Weide haben sowohl tote Schafe als auch ein so schwer verletztes Tier gelegen, dass man dieses erlösen musste. Da noch drei Tiere vermisst wurden, hat Anders sich auf die Suche nach diesen gemacht. Zwei konnte sie im Gebiet zwischen Wissen und Gebhardshain entdecken.

Begegnung mit zwei Wölfen
Auch wenn bisher offiziell nur der Verdacht besteht, ist sich Gitte Anders sicher, dass es sich wirklich um einen Wolfsangriff handelt. Denn auf der weiteren Suche nach dem dritten vermissten Schaf habe sie zwei Wölfe gesehen, rekapituliert sie den weiteren Verlauf. Im allerersten Moment habe sich noch gedacht, es seien Rehe. Doch bei den Tieren habe es sich eindeutig um zwei Wölfe gehandelt. Sie seien etwa 100 Meter von ihr entfernt von links nach rechts über den Hang gelaufen und seien sehr gut zu sehen gewesen.

Auf die Frage nach ihrer Reaktion in der Situation erklärt Anders, dass sie erst einmal panisch ihren Hund zurückgerufen habe. Einer der Wölfe habe in ihre Richtung geschaut, dann zum zweiten Wolf, dann wieder zu ihr. Dann seien beide Tiere davon getrottet. Sie habe in diesem Moment "nur Angst" gehabt, so Anders. Trotzdem sei sie noch weitergegangen, um das dritte vermisste Schaf zu suchen - ohne Erfolg.




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Die zuständige Rissbegutachterin habe ihr dann auch davon abgeraten, weiter in den Wald zu gehen, um die Spuren der Wölfe nicht zu verwischen. Diese wurden noch am Samstag untersucht. So soll per DNA-Abgleich nachgewiesen werden, ob es sich bei dem Angreifer wirklich um einen Wolf handelt und auch, um welches Tier genau. Es seien außerdem Fotos gemacht, Proben genommen und alles dokumentiert worden, erzählt Anders. Mit einem Ergebnis sei aber erst im neuen Jahr zu rechnen.

Gefühl von Unsicherheit
Auch wenn den Haltern von Schafen bei einem nachgewiesenen Wolfsangriff eine Entschädigung durch das Land zusteht, geht Gitte Anders erst einmal nicht davon aus, dass sie diese auch tatsächlich bekommt. Es gehe ihr aber in erster Linie auch gar nicht um den wirtschaftlichen Schaden, den sie auch gar nicht so genau beziffern könne. Sie hätte ihren Schafen nur gerne diese Qualen erspart, erklärt Anders, zudem sei es schade um die Genetik.

Die zehn Schafe, die sie nun noch hat, stehen auf einer Weide mit einem Drahtlitzenzaun. Diesen haben Anders und ihr Mann mit rund 10.000 Euro selbst bezahlt. Zuvor haben sie einen Antrag auf einen Festzaun gestellt, dieser sei aber nicht genehmigt worden, weil die Herde "zu wenig Mutterschafe" gehabt habe. Die dann geförderten mobilen Zäune, sogenannte Schafsnetze, seien zeit- und arbeitsintensiv, ständig kaputt von Wind und Schnee. Ihr aktueller Zaun sei "so sicher, wie es sein kann". Einen weiteren Wolfsangriff kann Anders natürlich nicht ausschließen. Überhaupt gehe sie nun "im Dunkeln mit einem anderen Gefühl raus". (rm)


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