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Nachricht vom 31.03.2025    

Ein Jahr Cannabis-Legalisierung in Rheinland-Pfalz - Eine Bilanz

Seit der Legalisierung von Cannabis im April 2024 hat sich in Rheinland-Pfalz einiges verändert. Neue Anbauvereinigungen, entlassene Häftlinge und ein gestiegener Bedarf an medizinischem Marihuana prägen das Bild. Doch wie sieht die Lage nach einem Jahr aus?

Im April 2024 wurde Cannabis teillegalisiert. (Foto: Annette Riedl/dpa)

Rheinland-Pfalz. "Seit wann Bubatz legal?" - Diese Frage, die vor einem Jahr oft gestellt wurde, ist seit April 2024 beantwortet. In Deutschland, einschließlich Rheinland-Pfalz, ist der Konsum von Cannabis für Erwachsene erlaubt. Volljährige dürfen bis zu 25 Gramm getrocknetes Cannabis besitzen und mit sich führen, jedoch nicht in der Nähe von Schulen oder Spielplätzen. Seit Juli des vergangenen Jahres können auch Cannabis-Anbauvereine zugelassen werden.

Welche Auswirkungen hatte die Legalisierung auf Häftlinge und Strafverfahren?
Die Teillegalisierung hatte auch Auswirkungen auf die Justiz. In Rheinland-Pfalz wurden 65 Personen aufgrund eines rückwirkenden Straferlasses vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen (Stand: 20. März 2025). Elf dieser Personen kamen bereits am 1. April 2024 frei. Insgesamt mussten knapp 10.000 Verfahren überprüft werden. In etwa 2.450 Fällen wurde die Strafe geändert, meist durch Verringerung der Gesamtfreiheitsstrafe. Rund 900 Verfahren wurden eingestellt, bei denen keine Gesamtstrafen vorlagen.

Wie verfolgt die Medizin die Diskussion seit der Teilfreigabe?
In der medizinischen Diskussion betont Prof. Simon Nagel, Direktor der neurologischen Klinik in Ludwigshafen, dass Alkohol trotz gesellschaftlicher Akzeptanz gefährlichere akute Risiken als Cannabis birgt. "Cannabis verursacht hauptsächlich psychiatrische Probleme", erklärt Nagel. Aus medizinischer Sicht gebe es somit kein dringendes Argument, die Verfügbarkeit von Cannabis nicht auf das Niveau von Alkohol anzunähern, meint Nagel, sofern man die Risiken gesellschaftlich akzeptiere.



Der Markt für medizinisches Cannabis wächst rasant. Laut Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte stieg die Einfuhr von getrockneten Cannabisblüten im vierten Quartal des letzten Jahres um fast 291 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal. Vor allem Selbstzahler verzeichnen einen starken Anstieg der Verschreibungen, während kassenfinanzierte Rezepte häufiger Cannabis-Extrakte betreffen.

Bis Ende März gingen 42 Anträge auf Erlaubniserteilung für Cannabis-Anbauvereinigungen ein. 20 Anträge wurden bewilligt, einer abgelehnt. Die erste genehmigte Anbaugemeinschaft, SüdWest e.V. in Lambrecht/Pfalz, zeigt sich zufrieden mit der Nachfrage und dem Gemeinschaftsgefühl. Vorstand Carsten Boge betont die Bedeutung des Modells als Alternative zum Schwarzmarkt und wünscht sich mehr Offenheit in der Politik.

(dpa/bearbeitet durch Red)


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