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Nachricht vom 02.04.2025    

Aktualisiert: Kienle tot – Händler aus Mülheim-Kärlich deckte Skandal auf

Von Lara Jane Schumacher

Die aktuelle Episode des Podcasts „Verbrechen von nebenan“ rückt einen der spektakulärsten Oldtimer-Skandale Deutschlands erneut ins Licht. Im Mittelpunkt stand Restaurator Klaus Kienle - nun wurde er tot in seinem Haus aufgefunden. Die Ermittlungen begannen einst mit einem Autohändler aus Mülheim-Kärlich.

Auf Spurensuche: Der SWR ist dabei, als Experten einen von Klaus Kienle verkauften Mercedes 300 SL Roadster prüfen. Foto: SWR

Mülheim-Kärlich. Im Herbst 2022 erwarb der Autohändler Ralph Grieser einen roten Mercedes 300 SL Roadster aus der Schweiz. Das Fahrzeug stammte aus langjährigem Familienbesitz im Kanton Schaffhausen und wurde im Jahr 2021 abgemeldet. Als Grieser den Wagen in Deutschland zulassen wollte, stellte die Zulassungsstelle fest: Ein Fahrzeug mit exakt derselben Fahrgestellnummer war bereits in Deutschland registriert.

Grieser, überzeugt, das Original zu besitzen, ließ Gutachten anfertigen. Die bestätigten: Sein Fahrzeug ist echt. Der bereits zugelassene Wagen jedoch nicht. Er informierte die Behörden – und brachte damit Ermittlungen ins Rollen, die bis in die höchsten Kreise der Oldtimer-Branche reichten.

Ermittlungen gegen Kienle
Die Spur führte zu Klaus Kienle, Gründer und Geschäftsführer von Kienle Automobiltechnik in Ditzingen bei Stuttgart. Sein Name galt über Jahrzehnte als Referenz für hochwertige Restaurierungen, insbesondere des legendären Mercedes 300 SL "Flügeltürer" und Roadster. Auch Prominente zählten zu seiner Kundschaft.

Doch der Verdacht wiegt schwer: Fahrzeuge sollen systematisch mit manipulierten Fahrgestellnummern ausgestattet und mit falscher Historie als Originale verkauft worden sein. Bei einer Razzia im Mai 2023 durchsuchten Ermittler Werkstätten und Büroräume. Kienle bestritt die Vorwürfe: "Ich habe nie jemanden betrogen", sagte er in der SWR-Dokumentation. Er sei lediglich als Vermittler tätig gewesen, nicht als Restaurator.

Klaus Kienle tot aufgefunden
Am 1. April wurde Klaus Kienle tot in seinem Wohnhaus im Kreis Ludwigsburg aufgefunden. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Die Todesursache ist Gegenstand weiterer Ermittlungen. Die Nachricht sorgte für Bestürzung in der Oldtimer-Szene und verleiht der Podcast-Folge zusätzliche Brisanz.



Insolvenz und Ermittlungen
Im Februar 2024 meldete Kienle Automobiltechnik Insolvenz an. Die Mercedes-Benz Heritage GmbH übernahm daraufhin Teile des Unternehmens, darunter rund 50.000 Originalteile, Werkzeuge und 53 Mitarbeitende. Der Kaufpreis lag bei 3,05 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelte zuletzt in rund 40 Fällen wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug. Das erste Strafverfahren war für das Frühjahr 2025 angesetzt. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Medienrummel um den "Oldtimer-Papst"
Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Der SWR widmete Klaus Kienle und den Ermittlungen eine eigene TV-Dokumentation unter dem Titel "Skandal um Oldtimer – der tiefe Fall des Klaus Kienle", ausgestrahlt am 15. Oktober 2024.

Besondere Aufmerksamkeit erhält derzeit auch die Podcastfolge "#146 Der Oldtimer-Papst (mit Horst Lichter)" von "Verbrechen von nebenan". Die Episode beleuchtet detailliert, wie es zur mutmaßlichen Betrugsserie kommen konnte – und welche entscheidende Rolle ein Autohändler aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz dabei spielte. Die Podcastfolge ist unter anderem bei Apple Podcasts, Spotify und RTL+ abrufbar.


Mehr dazu:   Gesellschaft  
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