Werbung

Nachricht vom 15.07.2025    

Pflegeproblematik: Film „Heldin“ ist ein ungeschönter Blick auf die Realität

Nicht nur die ärztliche Versorgung vor allem auf dem Land steht auf der Kippe, weil die Zahl der niedergelassenen Hausärzte aus den verschiedensten Gründen zurückgeht. Auch im Sektor Pflege tun sich viele Probleme auf. Der Film „Heldin“ ist ein bewegender Streifen mit aktueller Relevanz, der in der „Wied-Scala“ Neitersen gezeigt wurde mit anschließender Diskussion.

An der „frischen Luft“ ließ es sich deutlich besser diskutieren als im Kinosaal der „Wied-Scala“. (Foto: privat)

Neitersen. Der Film „Heldin“ erzählt die Geschichte der Pflegefachkraft Floria, die sich im Spätdienst auf einer chirurgischen Station in einem Schweizer Krankenhaus aufreibt zwischen ihrem eigenen Anspruch den Patienten gegenüber und der Realität in der Krankenhauslandschaft: zu wenig Zeit für die Patienten, zu wenig Mitarbeiter für eine gute Versorgung, zu wenig Verständnis seitens der Patienten für die Pflegefachkräfte und damit einhergehende Überlastung bis fast zum Zusammenbruch. Die Regisseurin Petra Volpe setzt in ihrem Film auf authentische Emotionen, eindringliche Bilder und einen ungeschönten Blick auf die Realität. Der Film berührt mit seiner Vielschichtigkeit und der eindrucksvollen Darstellung der Hauptfigur, gespielt von Leonie Benesch. Er zeigt eine Wirklichkeit, über die Politiker und Verantwortliche des Gesundheitswesens zwar viel reden, mit der sie meist jedoch keine eigenen Erfahrungen gemacht haben – zumindest nicht als Mitarbeiter. Umso mehr freute sich der Verein „Miteinander – Verein für eine gute Gesundheitsversorgung im Raiffeisenland“, dass zur Sondervorführung des Films neun Politiker und ein Pflegedienstleiter sowie 24 Zuschauer ins Neiterser Programmkino „Wied-Scala“ gekommen waren, um sich nicht nur den Streifen anzuschauen, sondern auch über ihn zu diskutieren. War zunächst geplant, die Diskussion im Saal des alt-ehrwürdigen Lichtspielhauses zu führen, entschlossen sich die Organisatoren mit Blick auf das schöne Wetter, sich draußen im Biergarten an zusammengerückten Tischen auszutauschen, so dass nach Meinung der Veranstalter ein viel offenerer Atmosphäre zustande kam, als dass im Saal möglich gewesen wäre.

Teilweise noch schlimmer
Die Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen bestätigten wiederholt und unisono die Realität des Films, wobei sie darauf hinwiesen, dass es teilweise noch schlimmer sei. Und auch, dass man leider keinem jungen Menschen guten Gewissens empfehlen könne, eine Ausbildung zur Pflegefachkraft zu machen. Diese Feststellung bestürzte, sei aber leider zunehmend nachvollziehbar und die allen zu denken geben müsste. Denn die Gesellschaft altere, und es werde darauf hinauslaufen, dass jeder früher oder später mit dem Thema konfrontiert werde, „egal ob es einen selbst betrifft oder Angehörige“. In den Gesprächen ging es daher vor allem darum, wie die Situation für das Pflegepersonal verbessert werden könne. Klar war für alle: eine einzelne Maßnahme reiche nicht aus. Deswegen drehten sich die Überlegungen und Ideen auch von Anfängen in der Schule mit verpflichtenden Erste-Hilfe-Kursen, um Berührungsängste gar nicht erst aufkommen zu lassen, über veränderte Bedingungen in der Schul- und Pflege-Ausbildung, einem verpflichtenden „Gesellschaftsjahr“, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu Mehrgenerationen-Häusern und Pflege-Wohngemeinschaften. Nicht zu vergessen, so wurde betont, gelte es, die Wertschätzung durch die Bevölkerung und der Arbeitgeber – aber auch anderen Wirtschaftszweigen, die letztlich ebenfalls von professioneller Pflege profitieren, zu erhöhen. Eine ultimative Lösung wurde nicht gefunden, dieses Ziel hatte auch nicht als Überschrift über der Veranstaltung gestanden. Der Ausrichter freute sich, mit heimischen Politikern ins Gespräch gekommen zu sein, auch wenn er sich mehr Zuschauer gewünscht hätte. Dr. Matthias Reuber, Michael Wäschenbach (beide CDU), Philip Schimkat, Jan Hellinghausen (beide SPD), Fred Jüngerich (Bürgermeister der VG Altenkirchen-Flammersfeld), Ralf Lindenpütz (Altenkirchener Stadtbürgermeister), Dirk Euteneuer (FWG), Dr. Kristianna Becker (CDU) und Thomas Roos (FDP) sowie Pflegedienstleiter Dustin Zimmermann waren mit von der Partie. Angetan zeigte sich der Verein, dass Samuel Tomasiello, der Betreiber der „Wied-Scala“, die Sondervorführung möglich gemacht und einen Teil der Kosten für den guten Zweck übernommen hatte. (vh/PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


Brachbach: Projektchor sucht Unterstützung für 555-jähriges Dorfjubiläum

Vom 18. bis 20. September 2026 steht Brachbach ganz im Zeichen des 555-jährigen Dorfjubiläums. Auf dem ...

Neue Dienstkleidung für Notfallseelsorge im Kreis Altenkirchen

Die Notfallseelsorge im Kreis Altenkirchen erhält erstmals einheitliche Dienstkleidung in kräftigem Lila. ...

Neues Fahrzeug fördert Inklusion im Kreis Altenkirchen

Die Lebenshilfe Altenkirchen freut sich über ein neues, barrierefreies Fahrzeug. Dank der Unterstützung ...

Fördergelder in Millionenhöhe stärken den Landkreis Altenkirchen

Im Jahr 2025 wurden im Landkreis Altenkirchen erhebliche Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau ...

Sportfreunde Schönstein: Spaß und Gemeinschaft beim internen Spiel

Am vergangenen Wochenende zum 1. März 2026 trafen sich die Sportfreunde Schönstein bei strahlendem Sonnenschein ...

Radfahrer gefährdet Verkehr und bedroht Autofahrer in Horhausen

In Horhausen kam es am Mittwochvormittag (4. März 2026) zu einem Vorfall, der den Straßenverkehr erheblich ...

Weitere Artikel


Rheinland-Pfalz treibt Windkraft-Ausbau voran - 19 neue Anlagen in Betrieb

Der Ausbau der Windenergie in Rheinland-Pfalz nimmt weiter Fahrt auf. Im ersten Halbjahr 2025 wurden ...

Texanische Handwerker in Koblenz: Ein transatlantischer Austausch

Elf Handwerker aus Austin, Texas, sind zu Gast bei der Handwerkskammer Koblenz. Ihr Besuch ist Teil eines ...

Farbenspiel und Orgelmusik: Orgelnnacht in der Basilika der Abtei Marienstatt

Am Freitag, 1. August, erwartet Musikliebhaber eine weitere Orgelnacht in der Basilika der Abtei Marienstatt. ...

Neues Dorfgemeinschaftshaus in Eichelhardt: Spatenstich läutet Baubeginn ein

Ein Spatenstich verbreitet Aufbruchstimmung. Wenn ein solch formaler Akt vollzogen wird, ist die Umsetzung ...

Westerwälder Notarzt stirbt bei Flugzeugunglück in London-Southend

Ein verheerendes Flugzeugunglück auf dem Flughafen London-Southend hat am 13. Juli vier Menschen das ...

Verkehrschaos im Anmarsch: Zugausfälle zwischen Köln und Siegen

Pendler müssen sich auf erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr einstellen. Aufgrund umfangreicher ...

Werbung