Werbung

Nachricht vom 02.05.2012    

Zentrale Kundgebung des DGB zum 1. Mai an historischer Stätte

Zum Tag der Arbeit passte das Ambiente des heutigen Kulturwerks Wissen, war hier einst unter anderem die Lehrwerkstatt des Hoesch-Werkes, wo mehr als 2000 Menschen Arbeit fanden. Der DGB-Hauptredner Jürgen Ratayczak und DGB-Vorsizender Frank Näckel fanden deutliche Worte und warnten vor einer drohenden Altersarmut durch die steigende Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse.

Die zentrale Kundgebung zum Tag der Arbeit führte Gewerkschaftssekretär Jürgen Ratayczak (links) nach Wissen. Vom DGB-Kreisverband begrüßte Vorsitzender Frank Näckel die mehr als 100 Gäste. Fotos: Helga Wienand-Schmidt

Wissen. Der 1. Mai, weltweit der Tag der Arbeit und der Gewerkschaften, aktivierte auch im AK-Land vor 15 Jahren noch mehr als 300 Menschen. Diese Zeiten sind vorbei, aber immerhin konnte zur zentralen DGB-Kundgebung im Landkreis Vorsitzender Frank Näckel mehr als 100 Gäste im Kulturwerk Wissen begrüßen.
Auf historischem Boden , in der Mitte des Kreises gelegen, erhofft sich der DGB damit mehr Zuspruch. Bislang fanden die Kundgebungen in den letzten Jahren auf der Bindweide statt. Wissen, einst Schwerpunkt der Montanindustrie im Kreis, stehe für den positiven Wandel, und Näckel sprach der Bürgerschaft an der Sieg seine Hochachtung vor dem neu Geschaffenen aus.
Gerechte Löhne – Soziale Sicherheit - Das Thema des DGB zum 1. Mai griff er im Grußwort auf. Näckel verurteilte die Leiharbeitssituation, die die Tatsache, das Frauen immer noch 23 Prozent weniger als Männer verdienen und die prekären Beschäftigungsverhältnisse. „Wir laufen sehenden Auges in die Altersarmut vieler Menschen und dürfen dies nicht zulassen“, so Näckel. Die Gewerkschaften hätten lange genug Zurückhaltung geübt, jetzt sei Schluss.

Hauptredner Jürgen Ratayczak vom IG Metall-Vorstand in Frankfurt fand in Wissen deutliche Worte. „Hoesch, einst größter Arbeitgeber der Region, ist heute Geschichte, aber es ging weiter“, so Ratayczak. Er erinnerte an die Leistungen der Menschen die sich nicht hätten unterkriegen lassen.
In den Zeiten der Finanzkrise haben die Gewerkschaften Zurückhaltung und Verantwortung gezeigt, um keine Massenarbeitslosigkeit zu produzieren. Damit sei jetzt Schluss, die Arbeitnehmer müssen jetzt endlich am Aufschwung teilhaben. Die Neuordnung des Arbeitsmarktes und gerechte Löhne standen im Fokus der Ansprache. Die Leiharbeit muss ebenso wie die steigende Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse gestoppt werden. Die Jugend braucht Perspektiven und Zukunftschancen statt befristeter Arbeitsverhältnisse. Die Sitten auf dem Arbeitsmarkt seien verroht, das zeige die steigende Zahl der sogenannten prekären Arbeitsverhältnisse. Eine klare Absage zum Lohndumping mittels Leiharbeit erteilt der DGB. Der rasant um sich greifende Missbrauch der Leiharbeit müsse gestoppt werden.
Die Pervertierung des Arbeitslebens zeige sich bei der Jugend, da werde ausgebildet und dann nur befristet eingestellt. 60 Prozent aller Beschäftigten im Alter von 15 und 35 Jahren haben befristete Arbeitsverträge. Diese „Ex und Hopp“- Mentalität der Arbeitgeber müsse ein Ende haben. Es gebe keinen vernünftigen Grund, junge Menschen unbefristet zu übernehmen, es sei denn man habe nur kurzfristiges Renditestreben im Auge.
Ratayczak ging auf die begonnenen Tarifverhandlungen in der Metallbranche ein, 6,5 Prozent sei fair und gerecht. „Wir wollen ein großes Stück vom Kuchen“, so der IG-Metaller. Streitbar forderte er auch die Politik auf, endlich zu handeln. Der Wert der Arbeit in Europa müsse erkannt und entsprechend gewürdigt werden. Statt dessen unterstütze die Politik die Finanzjongleure und Casino-Zocker. Die Politik lasse sich von den Finanzmärkten und Rating-Agenturen das Handeln bestimmen, schimpfte Ratayczak. Unter anderem forderte er die Einführung der Transaktionssteuer, der Eurobonds und den jetzt schnellstens den vorliegenden Fiskalpakt zu streichen.
Faire Teilhabe der Arbeitnehmerschaft an den Errungenschaften in Europa bedeute gerechte Löhne und soziale Sicherheit. Und die Gewerkschaften werden und wollen dazu Lösungen anbieten und sie durchsetzen – dafür stehe der 1. Mai.



Vor der Grundsatzrede zum Tag der Arbeit hatte Wissens Bürgermeister Michael Wagener die Grüße der Bürgermeister und der Räte des Landkreises ausgesprochen. Er erinnerte an die Ursprünge am historischen Ort und die Veränderungen, die der Region eine neue Zukunft bringen.
Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Hoesch-Werke, Rainer Braun gab den Zuhörern einen Einblick in die Geschichte des einst berühmten Weißblechwerkes, an das jetzt die Skulpturen „Schnapper und Doppler“ in der Altstadt erinnern. Und zu sehen gab es einen alten rekonstruierten Film, der die Arbeit der Männer im Werk zeigte.
Ein Dank galt den Schülerinnen und Schülern der Bläserklasse 5b der Marion-Dönhoff-Realschule plus, die mit ihrem Lehrer Christoph Becker seit Januar üben und mit rockigen Tönen für Applaus sorgten. (hws)


Lokales: Wissen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
 



Aktuelle Artikel aus Region


Green Juice wird volljährig: Überraschungssets und Feuerwerk nach Wetterpausen

"Green Juice" ist 18 geworden - Das Festival durfte am 31. Juli und 1. August 2026 seinen Geburtstag ...

Nature One 2026: Polizei zieht positive Bilanz

Das Techno-Festival Nature One 2026 verlief aus polizeilicher Sicht bisher bemerkenswert friedlich. Die ...

Tag der offenen Tür beim Flugsportverein "Glück auf" in Ailertchen

Am heutigen Samstag (2. August) und am morgigen Sonntag (3. August) hat der Flugsportverein (FSV) "Glück ...

Industriedenkmal meets Kreativität: Die Sayner Hütte wird zur Bühne für moderne Künstler

Die Messe "Unikat sucht Liebhaber" lädt am 1. und 2. August zum fünften Mal dazu ein, außergewöhnliche ...

Rückzug in Eitorf: Übernimmt Rewe-Familie Sanktjohanser Krewel Meuselbach?

In Eitorf herrscht Unsicherheit über die Zukunft des Areals von Krewel Meuselbach und des dortigen ZF-Standorts. ...

Sicherer Schulweg: Tipps vom ADAC für Erstklässler in Rheinland-Pfalz

Am 10. August beginnt für etwa 40.000 Kinder in Rheinland-Pfalz die Schule. Der ADAC Mittelrhein hat ...

Weitere Artikel


Tanz in den Mai unter neuem Wappenbaum

Auf dem Dorfplatz Offhausen steht mit dem neu gestalteten Wappenbaum ein besonderes Wahrzeichen für die ...

Kommunale Betriebe stärken

"Gute Praxis – Kommunalpolitik geht auch anders" unter diesem Motto gibt es eine Infoveranstaltung ...

Der Arbeitsmarkt bleibt im April stabil

Kein Grund zum Jubeln: Die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt fällt bescheiden in den Landkreisen Neuwied ...

Gelungen: Das 1. interkulturelle Fest an der Grundschule

Die Franziskus-Grundschule in Wissen war Schauplatz des ersten interkulturellen Familienfestes mit Musik, ...

Neues Planschbecken rechtzeitig fertig geworden

Saisoneröffnung im Rengsdorfer Freibad - Wasserspiele machen dem Nachwuchs Spaß

Rengsdorf. Im vergangenen ...

6. Internationaler WW-Cup startet am 12. Mai

Großes Starterfeld aus 15 Nationen zu Gast in Puderbach - KSC Puderbach ist Ausrichter

Puderbach. ...

Werbung