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Nachricht vom 22.12.2025    

Kirchenmusik im Wandel: Neue Trends und Herausforderungen in Rheinland-Pfalz

Die Kirchenmusik in Rheinland-Pfalz steht vor neuen Herausforderungen, aber auch spannenden Entwicklungen. Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich positive Signale, besonders bei den Gospelchören. Doch nicht alle Chöre können von diesem Aufschwung profitieren.

Alternde Erwachsenenchöre, mehr Kinderchöre. Foto: Oliver Mehlis/dpa-Zentralbild/dpa

Speyer/Trier/Mainz. Eine erfreuliche Nachricht für die Kirchenmusikszene in Rheinland-Pfalz: Die befürchteten langfristigen Schäden durch die Corona-Pandemie sind weitgehend ausgeblieben. "Wir hatten Angst, dass das flächendeckend in die Chöre reinschlägt", erklärt Jochen Steuerwald, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche der Pfalz. Dank engagierter Chorleiter und Vorstände konnten viele Chorgemeinschaften erhalten bleiben. Dennoch haben gemischte Chöre, insbesondere in ländlichen Regionen, mit Schwierigkeiten zu kämpfen. "Die typischen Dorfchöre, sei es weltlich oder geistig, haben es immer schwerer", so Steuerwald. Viele Menschen ziehen sich ins Private zurück und besuchen abendliche Proben seltener.

Studien zeigen, dass Singen Glückshormone freisetzt und das Immunsystem stärkt. "Viele Menschen berichten, dass es vielleicht mühsam ist, zur Probe zu gehen - aber wenn sie hinterher nach Hause kommen, sind sie ganz glücklich und erfüllt", berichtet Steuerwald weiter.

Gegen den Trend zeigt sich ein Anstieg bei den Gospelchören. In der Evangelischen Kirche der Pfalz gibt es derzeit 540 Ensembles mit mehr als 11.000 Mitgliedern. Während die Gesamtmitgliederzahl in den letzten zehn Jahren um rund zehn Prozent gesunken ist, stieg die Zahl der Kinder- und Gospelchöre um 20 Prozent auf 48 Ensembles.

Besonders gefragt sind zeitlich begrenzte Chorprojekte wie das "Advents-Chorprojekt" in Freinsheim, wo der Gospel-Chor seine Größe verdoppeln konnte. "Mehrere der Neuen haben danach den Wunsch geäußert, dauerhaft bei uns zu bleiben", freut sich Chorleiterin Joneva Kaylen.



Auch in der katholischen Kirche verändern sich die Chorstrukturen. Simone Bastreri, Sprecherin des Bistums Trier, berichtet von älteren Chormitgliedern, die sich nach und nach verabschieden oder alternative Formen des Singens suchen. Zugleich wächst das Interesse an gemeinschaftlichen Chören unterschiedlicher Prägung.

Im Bistum Mainz engagieren sich über 9.000 Sängerinnen und Sänger ehrenamtlich in Chören. Während klassische Kirchenchöre leicht rückläufig sind, verzeichnen Kinder-, Jugend- und Pop/Jazzchöre Zuwächse. Diözesankirchenmusikdirektor Lutz Brenner sieht in der Zusammenarbeit mit Schulen, etwa durch Projekte wie "SingPause", eine Möglichkeit, junge Menschen ans Singen heranzuführen.

Finanzielle Herausforderungen bleiben ein Thema. Jochen Steuerwald blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft der kirchlichen Chormusik. Trotz großer Sparpläne soll es keine Kürzungen bei hauptamtlichen Kirchenmusikern geben, doch die Bezahlung nebenamtlicher Chorleiter wird schwieriger. Einnahmen aus der Kirchensteuer reichen oft kaum für notwendige Rücklagen.

Auch das Bistum Trier rechnet mit einer tendenziell rückläufigen Entwicklung bei Chören und Mitgliedern. "Eine Voraussage über die Überlebensfähigkeit der Chöre ist schwierig", meint Bastreri. Doch die Kraft des gemeinsamen Musizierens und Singens sollte nicht unterschätzt werden. (dpa/bearbeitet durch Red)


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