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Nachricht vom 22.01.2026    

Newsblog: Neues Wolfsrudel im Westerwald und verkürztes Verfahren bei der Ermittlung von Wolfsrissen

Von Thomas Sonnenschein

Der Wolf bleibt ein umstrittenes Thema im Westerwald. Um eine bestmögliche Übersicht über die Begegnungen mit dem Wolf zu geben, haben wir uns bei den Kurieren entschlossen, die Übergriffe von Wölfen in einem Newsblog stetig zu aktualisieren.

Wolf im Winter. (Quelle: Pixabay)

Westerwald. Kaum ein Tier polarisiert die Gesellschaft im Westerwald stärker, als der Wolf. Die ständig zunehmenden Übergriffe auf domestizierte Herdentiere gehen in der Regel auf nur wenige Problemwölfe zurück, die in den DNA-Untersuchungen immer wieder auftauchen.

Vier Wolfsrudel mit insgesamt sieben erwachsenen Tieren und einer unbestimmten Zahl an Jungtieren sind in Rheinland-Pfalz etabliert. Acht Jungtiere wurden bisher katalogisiert. Wie es 2026 mit den Wölfen weitergeht und ob das Land künftig auf eine konfliktarme Koexistenz setzt, erfahren Sie nach und nach in diesem Newsblog.

+++ Donnerstag, 22. Januar 2026 +++
Seit Mittwoch (21. Januar 2026) ist bekannt, es gibt ein neues Wolfsrudel im Westerwald. Eine Wildkamera hatte erstmalig das Rudel entdeckt, woher die Wölfe allerdings kommen, ist bisher noch nicht klar. Es besteht jedoch die Vermutung, dass es sich um Nachwuchs des hessischen Greifensteiner Wolfspaares aus dem Leuscheider Rudel handelt.

Außerdem wird in Rheinland-Pfalz das Verfahren bei der Ermittlung von Wolfsrissen an Nutztieren verkürzt. Wie das Umweltministerium in Mainz mitteilte, sollen die entsprechenden Proben zukünftig als Eilproben behandelt und vom Senckenberg Institut priorisiert analysiert werden. Ziel ist es, die Zeitspanne zwischen der Probenentnahme und dem Ergebnis auf wenige Tage zu reduzieren. Dies betrifft insbesondere Fälle, bei denen ein Übergriff von Wölfen trotz nachgewiesenem Grundschutz für die Nutztiere stattgefunden hat.

Die Verfahrensbeschleunigung reduziert die Phase der Ungewissheit für die Halter der Nutztiere, erklärte Umweltstaatssekretär Erwin Manz. Gleichzeitig werde die Reaktionsfähigkeit des Wolfmanagements erhöht, sollte der Abschuss eines auffälligen Tieres geprüft werden müssen.

+++ Sonntag, 18. Januar 2026 +++
Die Kuriere sind den Gerüchten um ein vom Wolf gerissenes Pferd Ende 2025 in der Verbandsgemeinde Westerburg nachgegangen. Tatsächlich konnten wir mit dem Besitzer des betroffenen Pferdes sprechen. Er bestätigte Biss- und Fraßspuren am Hals des Pferdes, konnte oder wollte aber nicht bestätigen, dass das Pferd durch einen großen Beutegreifer getötet wurde. Das Pferd sei psychisch nicht normal gewesen, körperlich schwach und habe sich auch in der Herde nicht einfinden können. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass es zum Zeitpunkt der Bisse schon sehr geschwächt oder vielleicht sogar bereits tot gewesen sei. In der Natur laufe die Selektion schwacher Tiere auf die Art, dass Beutegreifer es genau auf diese Tiere abgesehen hätten.

Der Fall wurde vom Besitzer der KLUWO nicht gemeldet, um keine Panik aufkommen zu lassen. Trotzdem ist der Besitzer des toten Pferdes sicher, dass die Fraß-Spuren von einem Wolf stammen, zumal sehr kräftig zugebissen wurde. "Ein Fuchs ist es ganz sicher nicht gewesen", sagte er. Den Beweis wird es ohne Möglichkeit einer DNA-Untersuchung nicht geben können, jedoch lässt die Spurenlage wohl kaum einen anderen Schluss zu. Frei lebende Bären gibt es im Westerwald ja nicht. Wie das in den sozialen Medien ist, werden die Geschichten oft ausgeschmückt. So sprachen einige Kommentare von zwei betroffenen Pferden. Dies stimmt jedoch nicht.

Offiziell bestätigt hingegen ist ein vom Wolf gerissenes Rothirschkalb am 13. Januar aus der Ortsgemeinde Bad Marienberg. Bereits am selben Tag fand eine Begutachtung vor Ort statt.



Neben den zuvor gemeldeten Schafsrissen in Weitefeld und Driedorf zu Silvester wurden am 21. Dezember 2025 aus der Verbandsgemeinde Bad Marienberg vier tote und zehn verletzte Schafe gemeldet. Am selben Tag wurden im Gemeindegebiet Stockhausen fünf Damhirsche tot aufgefunden. Auch hier wurden DNA-Proben genommen und zur Untersuchung weitergeleitet.

Alle betroffenen Gebiete liegen innerhalb des Präventionsgebiets Westerwald, was die Diskussionen über die Anwesenheit des Wolfs weiter anheizt.

+++ Samstag, 3. Januar 2026 +++ Schafe zu Silvester in Weitefeld gerissen
Im Westerwald sind in der Silvesternacht erneut Schafe einer Herde attackiert worden. Wie die Gemeinde in Weitefeld in den sozialen Medien mitteilte, sollen mindestens 14 Schafe gerissen worden sein, 40(!) weitere wurden verletzt.

Bereits am Montag zuvor entdeckte ein Sprecher des Landesbetriebs Hessenforst in Driedorf sieben tote Tiere. Zwei weitere Schafe waren dort verletzt, wobei eines von ihnen eingeschläfert werden musste. Nur wenige Tage zuvor, in Liebenscheid, wurden über ein Dutzend Schafe tot aufgefunden. In beiden Fällen wird nun untersucht, ob Wölfe für die Angriffe verantwortlich sind.

Die betroffene Herde in Driedorf war bei dem Vorfall in Panik ausgebrochen, und es wird geprüft, wie die Sicherung der Tiere gestaltet war. Sollte sich herausstellen, dass Wölfe für beide Vorfälle verantwortlich sind, wird auch untersucht, ob dieselben Tiere beteiligt waren. In Hessen leben derzeit sechs sesshafte, erwachsene Wölfe. Wandernde Wölfe oder Welpen sind hierbei nicht mitgezählt. Im aktuellen Monitoringjahr konnten genetisch 15 Wölfe nachgewiesen werden.

Rheinland-Pfalz beherbergt seit einiger Zeit ganz oder teilweise vier Wolfsrudel in den Regionen Leuscheid, Hachenburg, Puderbach und Hochwald. Zudem gibt es immer wieder vereinzelte Nachweise von mutmaßlich wandernden Wölfen. Die Behörden betonen noch, dass eine konfliktarme Koexistenz mit dem Wolf weiterhin das Ziel sei. Dazu zählen Maßnahmen wie wolfsabweisende Zäunungen und der Einsatz von Herdenschutzhunden. Das Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) übernimmt in den jeweils betroffenen Verbandsgemeinden die Aufklärungsarbeit. (TS/dpa)


Mehr dazu:   Wolf  
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