Werbung

Nachricht vom 09.01.2026    

Altenkirchen: Tagungshaus „Evangelische Akademie für Land und Jugend“ geschlossen

Das Kapitel „Evangelische Akademie für Land und Jugend“ in Altenkirchen ist offenbar endgültig geschlossen worden: Laut Homepage existiert das Tagungshaus nicht mehr, weil sich der Trägerverein, der „Verein zur Förderung der Evangelischen Jugend auf dem Lande“, aufgelöst hat. Die Akademie hatte im Jahr 1958 ihre Arbeit aufgenommen.

Den Eingang der Bildungsstätte vom Dieperzbergweg aus werden wohl keine Menschen, die an Weiterbildung interessiert sind, mehr nutzen. (Foto: Archiv vh)

Altenkirchen. Sie ist über viele Jahrzehnte hinweg ein beliebter Ort für die Weiterbildung gewesen. Nunmehr wurde die „Evangelische Akademie für Land und Jugend“ (besser bekannt als Landjugendakademie, auch LJA genannt) im Altenkirchener Dieperzbergweg als Tagungsstätte geschlossen, weil der Trägerverein, der „Verein zur Förderung der Evangelischen Jugend auf dem Lande“, sich aufgelöst hat. Auf der Homepage der LJA heißt es: „Liebe Mitglieder, Freunde und Partner/innen unserer Arbeit, der Trägerverein der Evangelischen Akademie für Land und Jugend hat mit seiner Sitzung am 4. November 2025 seine Auflösung beschlossen. Damit geht eine traditionsreiche und erfolgreiche Arbeit der Akademie für Land und Jugend am Standort in Altenkirchen zu Ende. Die Akademie für Land und Jugend wurde gefördert von der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland sowie der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Wurzeln der Akademie reichen zurück bis ins Jahr 1958, als auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland die Landjugendakademie in Altenkirchen eröffnet wurde. In den 1970er-Jahren folgte die Fusion mit der Landvolkshochschule der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seitdem wurde die Arbeit gemeinsam getragen und stetig weiterentwickelt. Aufgrund des Bedarfs und der positiven Resonanz wurde das Haus in Altenkirchen mehrfach erneuert und ausgebaut. In den letzten Jahren jedoch zeichnete sich zunehmend ein verändertes Besuchs- und Fortbildungsverhalten ab. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung nochmals massiv verstärkt und zu einer deutlichen Reduktion der Auslastung geführt. Trotz verschiedener Anpassungen und Umstrukturierungen gelang es nicht, den Betrieb nachhaltig zukunftsfähig zu machen. Eine reichweitenstarke Fortführung der Evangelischen Akademie für Land und Jugend war nicht mehr möglich. Vor diesem Hintergrund hat der Trägerverein die Auflösung des Vereins sowie die Schließung der Tagungsstätte beschlossen. Wir danken allen Persönlichkeiten, die die Arbeit der Akademie für Land und Jugend in den vergangenen Jahrzehnten mitgestaltet, begleitet und unterstützt haben. Die Mitarbeitenden der Akademie, die vielen jungen Menschen in den Veranstaltungen und die für junge Menschen Engagierten ließen das Tagungshaus über viele Jahrzehnte zu einem lebendigen Begegnungsort werden. Wir danken dafür sehr! Zugleich trägt im schnellen Wandel durch Abschied hindurch die christliche Zuversicht, dass sich neue Wege entwickeln werden, die Förderung und Bildung junger Menschen durch die evangelische Kirche und ihre Werke zu gestalten.“

Keine Flüchtlingsunterkunft
Die dunklen Wolken hatten sich während und kurz nach der Corona-Pandemie über dem großen Komplex zusammengebraut, ließen sich nicht mehr auflösen. In der zweiten Jahreshälfte 2022 wurde der Übernachtungsbetrieb komplett eingestellt, somit auch die Vollverpflegung aus der einstmals für ihre sehr gute Qualität bekannten Küche gestrichen. Teilnehmer von Tagestagungen mussten jedoch nicht auf kalte und warme Getränke sowie ein Häppchen hier oder ein Stück Kuchen dort verzichten, „nicht auf das, was möglich ist“, erklärte damals Tobias Schmidt als kommissarischer Leiter, der die Maßnahme unter das Stichwort „Umstrukturierung“ zusammen mit einer Personalreduzierung stellte.  Der Vormarsch der Verlagerung von Weiterbildungsangeboten auf Online-Plattformen zeige Wirkung, eine Dezentralisierung sei erkennbar, meinte Schmidt ergänzend. Nur wenige Monate später beschied die Evangelische Kirche in Deutschland ein Ansinnen des Kreises Altenkirchen, die leer stehenden Zimmer für die Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge zu nutzen, negativ, was zu Bauchgrummeln im Kreishaus führte. Seit nunmehr gut zwei Jahren steht die Anlage in beinahe direkter Nähe zum Weyerdamm zum Verkauf, wie die Homepage eines großen heimischen Immobilienmaklers darstellt. Als Kaufpreis werden 1,845 Millionen Euro genannt. Im Zuge dieses Prozesses hatte das Gerücht, die Alternative für Deutschland (AfD) sei an einem Erwerb interessiert, in und rund um Altenkirchen die Runde gemacht.



Verbandsgemeinde nicht informiert
Auf kommunaler Ebene war von der Schließung des Tagungshauses nichts bekannt. „Die Verbandsgemeinde wird über die Schritte nicht informiert und wurde auch nicht über den ersten Schritt damals informiert, als die Sparte der Unterbringung geschlossen wurde. Auch das musste ich der Presse entnehmen. Von der Auflösung des Trägervereins hatte ich auch keine Kenntnis. Wir wurden als Verbandsgemeinde in keiner Weise kontaktiert“, sagte Fred Jüngerich als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld. Über Glück im Unglück freut sich wenigstens die Jugendkunstschule Altenkirchen. Sie darf laut deren Leiter Axel Weigend auch weiterhin das Atelier in der LJA nutzen, da ihre eigentliche Heimstatt in der Koblenzer Straße (alte Sturm-Halle zwischen den beiden Bahnübergängen) immer noch nicht betreten werden darf. Hintergrund ist der Bau einer neuen Brücke im Verlauf der Eisenbahnlinie zwischen Altenkirchen und Westerburg über den Quengelbach und als Folge dessen eine noch nicht vorhandene ordnungsgemäße Absicherung eines Uferbereichs des kleinen Gewässers.

Ein Blick zurück
Wie gut die Zeiten einst waren, zeigt die Tatsache, dass die Akademie nach der Grundsteinlegung im Jahr 1957 (20. Oktober) und der Eröffnung am ersten Advent 1958 zweimal erweitert wurde. Mitte der 1980er-Jahre gesellten sich zunächst ein neues Gästehaus und ein Pavillon hinzu. Ein wenig später wurde das Gebäude um einen weiteren Flügel ergänzt, so dass ein zum Weyerdamm hin geöffnetes „U“ entstand. 1,4 Millionen Euro hatte das Projekt mit der räumlichen Erweiterung (unter anderem bis auf 70 Einzel- und Doppelzimmer aufgestockt) gekostet, zusätzlich waren 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des alten Trakts geflossen. „Die Kreisstadt Altenkirchen … ist die Wahlheimat der Evangelischen Landjugendakademie. Die geografische Lage ist günstig: 50 km vom Rhein entfernt, 55 km von Bonn, 120 km von Frankfurt, ist sie für Besucher aus Nord, Ost, Süd und West gut erreichbar. Diese Lage kommt dem Auftrag entgegen: Die Akademie, eine Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist das Arbeitszentrum der Evangelischen Jugend auf dem Lande, die sich als Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland versteht“: Mit dieser Beschreibung, die dem ersten Prospekt aus dem Jahr 1957 entnommen wurde, begann Dr. Otmar Hesse im Heimatjahrbuch 1988 des Kreises Altenkirchen seine Würdigung zum 30. Geburtstag der LJA. Hesse selbst leitete die Geschicke des Hauses von 1976 bis 1988. Es folgten Gerd Kolakowski (1988 bis 1992), Dieter Sonnentag (1992 bis 2011/zunächst als Vakanzvertretung) und Anke Kreutz (2011 bis 2020). Vor ihnen waren am Ruder gewesen: Johannes Hasselhorn (1957 bis 1960), Friedrich Bremer (1960 bis 1965), Joachim Klieme (1965 bis 1972) sowie Helmut Grün (1972 bis 1976).

Gäste aus aller Herren Länder
Hesse führte damals weiter aus: „Fast 30 Jahre später lässt sich feststellen. Die Ortswahl Altenkirchen wurde nie bereut, wenngleich heute Zweifel im Blick auf die ,zentrale Lage’ Altenkirchens laut werden. Die evangelische Landjugendakademie … ist zu einem ,Markenbegriff’ für Jugend- und Erwachsenenbildung im Rheinland, in der Bundesrepublik Deutschland und in vielen europäischen und nichteuropäischen Ländern geworden. Mehr als 2000 Menschen haben seit 1959 jährlich das Haus besucht, darunter Menschen aus Argentinien, Brasilien, Chile, den USA, aus Namibia, Südafrika, Ägypten, Marokko, aus Israel, aus der DDR, aus Frankreich, Rumänien, Großbritannien, der Schweiz, Österreich usw.“ (vh)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


Selbach plant ein ereignisreiches Jahr 2026

Die Ortsgemeinde Selbach startet mit einem prall gefüllten Veranstaltungskalender ins neue Jahr. Trotz ...

Führerscheinreform in Rheinland-Pfalz: Veränderungen und Herausforderungen

Die geplante Reform der Führerscheinprüfung sorgt in Rheinland-Pfalz für Diskussionen. Während die Ausbildung ...

Firma Hermann Metallbau kämpft um Erweiterung in Friesenhagen-Steeg

Landrat Enders sieht einen guten Kompromiss für die Eweiterung vorliegen. Es sind in der Regel die bekannten ...

Unfallflucht in Etzbach: Unbekannter Fahrer beschädigt Zaun

In Etzbach kam es zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein Zaun beschädigt wurde. Der Unfallverursacher entfernte ...

Polizei stoppt Autofahrer ohne Führerschein in Neitersen

Am Abend des 8. Januar 2026 führte die Polizeiinspektion Altenkirchen eine Verkehrskontrolle in Neitersen ...

Alle Jahre wieder: St. Sebastianustag und Königsschießen beim Schützenverein Rott-Wied

Einer der Höhepunkte im neuen Jahr ist der jährliche St. Sebastianustag und das Königsschießen 2026/2027 ...

Weitere Artikel


EU-Mercosur-Abkommen: Neue Chancen für Rheinland-Pfalz?

Die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz begrüßen die Zustimmung des Rates der Europäischen ...

Beratungstag der ISB für Gründer und Unternehmen in Rheinland-Pfalz

Am 13. Januar 2026 bietet die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) einen Beratungstag ...

Selbach plant ein ereignisreiches Jahr 2026

Die Ortsgemeinde Selbach startet mit einem prall gefüllten Veranstaltungskalender ins neue Jahr. Trotz ...

Werbung