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Nachricht vom 14.01.2026    

Furiose Schlagerfete dank „Fräulein J. & die Tournedos“ im Historischen Gewölbekeller in Montabaur

Von Wolfgang Rabsch

Was war denn da gestern (13. Januar) im Historica Gewölbekeller in Montabaur los? Es war wie ein Eintauchen in eine längst vergessene Zeit, der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Beginn des deutschen Wirtschaftswunders.

(alle Fotos: Wolfgang Rabsch)

Montabaur. Die Nachkriegsgeneration hatte einfach keinen Bock, zu jammern und zu lamentieren, es wurde kräftig angepackt und der Motor der Wirtschaft sprang an. Im gleichen Maße änderte sich das Lebensgefühl, man wollte die schlimmen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs vergessen und sich den positiven Dingen des Lebens zuwenden. Was ist dafür besser geeignet als die Musik?

Viele Schlager wurden zu Evergreens
In den 50er- und 60er-Jahren entwickelte sich die deutsche Schlagerindustrie und brachte viele Stars hervor, die auch in dieser Zeit bereits in vielen TV-Sendungen auftraten und große Popularität erlangten. Heute werden diese Schlager von vielen als „Schnulzen“, als lächerlich empfunden, weil die Texte sich fast ausschließlich um Liebe, Harmonie und Familie drehten. So trugen die deutschen Schlager zu einem nicht unerheblichen Teil zum Gelingen des beginnenden Wirtschaftswunders bei. Viele sehnen sich nach der sogenannten „guten alten Zeit“ zurück, doch dieser Wunsch bleibt angesichts der aktuellen prekären Weltlage wohl ein Traum.

An dieser Stelle werden einige Stars aus dieser unwiederbringlichen Zeit genannt, die echten Kultstatus erworben hatten und deren Hits bei vielen Menschen unvergessen sind: Connie Francis, Siw Malmquist, Conny Froboess, Manuela, Peggy March, Caterina Valente, Lolita, Trude Herr, Gitte Haenning, Freddy Quinn, Peter Kraus, Bill Ramsey und Lys Assia. Parallel zu den deutschen Schlagern schwappte aus Amerika der Rock ’n’ Roll über den großen Teich und fand auch in Deutschland eine große Anhängerschar. Peter Kraus und Ted Herold waren in beiden Jahrzehnten unglaublich populäre Repräsentanten des Rock ’n’ Roll und begeisterten vor allen Dingen die nachwachsende Jugend. Als Straßenfeger erwiesen sich in dieser Epoche TV-Shows wie „ZDF-Hitparade“, „Der blaue Bock“, „Beat-Club“, „Der goldene Schuss“ und „Einer wird gewinnen“. Leger gesagt, „hockte damals die ganze Familie vor der sogenannten Glotze“. Als Moderatoren erlangten Dieter Thomas Heck, Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal, Lou van Burg, Rudi Carrell und Heinz Schenk Kultstatus.

Der historische Keller in Montabaur war bis in den letzten Winkel ausverkauft und mit einem Publikum gefüllt, das jeder Ü-60- und Ü-70-Party Ehre gemacht hätte. Die meisten Zuschauer waren noch Zeitzeugen aus der Nachkriegsära, die alles am eigenen Leibe miterlebt hatten: die Schule, die Lehre, die erste Liebe, Hochzeit und Kinder. Sicherlich wurden bei dem Konzert Erinnerungen wieder zum Leben erweckt, und so mancher wird heimlich ein Tränchen verdrückt haben.

Waren die „Fischer-Chöre“ in Montabaur?
Genug der Vorrede, jetzt schnell zur Musik: „Fräulein J. & die Tournedos“ benötigten kein Warmspielen, denn bereits beim ersten Lied „Mitsou“ (Jacqueline Boyer) hätten sie ihren Gesang einstellen können, denn textsicher und lautstark übernahm von da an das begeisterte Publikum den Gesang, ähnlich einem kleinen Fischer-Chor. Durchgehend bis zum Ende mit den Zugaben wurde jedes Lied frenetisch gefeiert. Leider war in der Enge des Raums kein Platz zum Tanzen, so wurde die Energie durch Gesang abgebaut. Die Band hatte alles voll im Griff und spielte mit wahrer Begeisterung ein Lied nach dem anderen. Eine Steigerung war kaum möglich, weil die Stimmung von Beginn an sich schon am Anschlag befand. Durch die räumliche Enge in den kleinen Kellerräumen entstand eine unfassbare Intensität durch das gemeinschaftliche Singen.



So beschreibt sich die Band selbst: Lassen Sie sich von Fräulein J. mit ihrer glockenhellen, ausdrucksvollen Stimme in den Bann ziehen, seien Sie von ihrem authentischen Charme begeistert! Lauschen Sie den Herren, die schon in verschiedenen professionellen Formationen ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt haben – echte „Filet-Stücke“ eben, die Herren Tournedos!

Glückliche Besucher, glückliche Musiker – was will man mehr?
Mit wenigen Worten ist das Konzert zutreffend beschrieben. Das Publikum konnte einfach nicht loslassen und genug bekommen und forderte stürmisch Zugaben, die selbstverständlich gewährt wurden. Die glücklichen Besucher standen noch lange nach dem Ende des Konzerts im Gewölbekeller zusammen, bei kühlem Wein und Sekt, und schwelgten weiter in ihren Erinnerungen. Es gab viel zu erzählen, alle waren sich einig: Das Konzert hätte noch eine Stunde länger dauern können.

Der WW-Kurier konnte mit Rainer Hohmann, Musiker und Manager der Band, sprechen: „Die Intensität des Konzerts konnten wir ausleben und es wäre nichts für jemanden gewesen, der Berührungsängste hat. Wir sind den Veranstaltern von ‚Kultur im Keller‘ in Montabaur sehr dankbar, dass sie uns das Konzert ermöglichten.“

Die Band spielte in folgender Besetzung: Frl. J. (Gesang, Moderation), Christoph Stadtler (Gitarre), Thorsten Kamps (Saxofon, Querflöte), Frank Locher (Keyboard, Gesang) und Rainer Hohmann (Schlagzeug, Gesang).

Es kann nicht jeder Titel erwähnt werden, darum wird in diesem Artikel auf die Liste der gespielten Hits verwiesen:
1 Mitsou
2 Liebeskummer lohnt sich nicht
3 Komm ein bisschen mit
4 Capri-Fischer
5 Graf von Luxemburg
6 Die Liebe ist ein seltsames Spiel
7 Cowboy als Mann
8 Diana
9 Weiße Rosen aus Athen
10 Heißer Sand
11 Marina
12 I love you, Baby
13 Ham se nich nen Mann für mich
14 Egon
15 Café Oriental
16 Schuld war nur der Bossa Nova
17 Sexie Hexy
18 Sugar Baby
19 Schöner fremder Mann
20 Paradiso
21 Sag mir Quando
22 Que sera (deutsch)
23 Seemann
24 Geh’n Sie aus vom Stadtpark
25 Rote Lippen soll man küssen
Zugaben: Zwei kleine Italiener und Arrivederci Hans


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke  
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