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Nachricht vom 08.02.2026    

Gewalt an Schulen in Rheinland-Pfalz: Ein Blick auf Ludwigshafen und die politischen Reaktionen

In Rheinland-Pfalz häufen sich Berichte über Gewalt an Schulen, was Politik, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen beschäftigt. Die Diskussionen drehen sich um Prävention, sozialpädagogische Unterstützung und Polizeipräsenz.

Symbolbild (Foto: Pixabay)

Rheinland-Pfalz. Entscheidet das Thema Bildung im März die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz? Aktuell ringen die Parteien wöchentlich um die Situation in Schulen und Kitas. Laut einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des SWR-Politikmagazins "Zur Sache Rheinland-Pfalz" stehen Bildungsfragen bei den Bürgern an oberster Stelle - noch vor Zuwanderung und Mobilität. Ludwigshafen zeigt dabei, wie brisant die Lage ist.

In der zweitgrößten Stadt des Bundeslandes sorgt die Polizei derzeit an der Karolina-Burger-Realschule plus für Ordnung. Zwei Polizisten sind täglich vor Ort, um Ausschreitungen zu verhindern. "Wir wollen bewusst ein deutliches und klares Zeichen setzen", erklärt das Polizeipräsidium Rheinpfalz. Gewalt werde nicht geduldet, man verfolge eine "Null-Toleranz-Strategie".

Vorfälle an der Karolina-Burger-Realschule plus
Die Schule geriet zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen. Im vergangenen Oktober gab es einen Großeinsatz der Polizei nach Meldungen über eine bewaffnete Person - ohne Ergebnis. Bereits im Mai soll eine Schülerin eine Lehrerin mit einem Messer bedroht haben. Im Januar eskalierte die Situation weiter: An drei aufeinanderfolgenden Tagen wurde Reizgas versprüht, Schüler und Lehrkräfte mussten ärztlich behandelt werden. Verdächtige Jugendliche wurden vernommen, darunter ein aggressiver 15-Jähriger, der gefesselt werden musste. Auch ein 14-Jähriger wurde befragt, bei einem 13-Jährigen fanden Beamte Reizgas.

Drei betroffene Schüler sind derzeit vom Unterricht ausgeschlossen, so die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. "Weitere ordnungsrechtliche Maßnahmen sind in der Vorbereitung." Über das weitere Vorgehen entscheide die Gesamtkonferenz der Schule, sagt eine Sprecherin des Bildungsministeriums in Mainz. "Diese muss den Beschluss fassen, was passieren soll."

Erst vergangene Woche zündete ein 13-Jähriger in der Pause auf dem Schulhof einen Knallkörper. Zwei Schüler klagten danach über Ohrenschmerzen. Bis auf Weiteres sind nun täglich Polizeikräfte an der Schule präsent.

Der Landeselternbeirat sieht darin keine nachhaltige Lösung. Geschäftsführerin Melanie Böttche betont, dass Polizeipräsenz in akuten Gefahrensituationen zwar notwendig sei, die Probleme aber nicht dauerhaft lösen könne. Mehr Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und pädagogische Unterstützung seien erforderlich. Eine einseitige Fokussierung auf Polizeieinsätze berge die Gefahr der Stigmatisierung betroffener Schulen.



Zwischen Prävention und Präsenz
Der Handlungsdruck für die Politik ist hoch. Einer SWR-Umfrage zufolge sehen 39 Prozent der Realschulen plus in Rheinland-Pfalz eine deutliche Zunahme von Gewalt, weitere 26 Prozent beobachten dies teilweise. Regierung und Opposition nehmen sich vor der Wahl nicht zurück. CDU-Fraktionschef Gordon Schnieder fordert verstärkte Schritte gegen Gewalt an Schulen. Hilferufe von Lehrkräften, Eltern und Schülern seien jahrelang ignoriert worden, kritisiert der Oppositionsführer. Schulen dürften keine Orte der Angst sein.

SPD-Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler wies jüngst im Landtag die Vorwürfe zurück. Es werde eine Vertrauensstelle für Lehrkräfte und pädagogisches Personal eingerichtet, die Gewalterfahrungen und Bedrohungslagen an Schulen erlebt haben, kündigte sie an. Diese Vertrauensstelle soll beim pädagogischen Landesinstitut eingerichtet werden. Psychologinnen und Psychologen sollen dort vertraulich beraten.

Kleine Klassen gegen große Probleme?
Auch hier prallen die Positionen aufeinander. CDU-Bildungspolitikerin Jenny Groß fordert schnelles Handeln, während Bildungsminister Sven Teuber (SPD) auf Hindernisse wie fehlende Räume verweist, was in der Verantwortung der Kommunen liege. Allerdings könne das Sondervermögen des Bundes für zusätzliche Schulräume genutzt werden. Für Groß kommt das jedoch zu spät. Die SPD habe 35 Jahre Zeit gehabt, die Klassen zu verkleinern.

Und die Polizei, die aktuell viel Verantwortung trägt? "Es ist die ureigenste Aufgabe der Polizei, für Sicherheit zu sorgen. Aber die Polizei kann sicherlich nicht alle Probleme lösen", sagt ein ranghoher Beamter, der anonym bleiben möchte. "Da gehören weitere Akteure dazu, die alle an einem Strang ziehen müssen." Vielleicht sei es gar nicht schlecht, dieses Thema gerade jetzt anzugehen. "Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, und es handelt sich um ein Thema sicher nicht nur in Ludwigshafen." Viele Eltern hoffen vor allem eines - dass der Schulalltag ihrer Kinder sicher ist. (dpa/bearbeitet durch Red)


Mehr dazu:   CDU   Landtagswahl 2026   Politik & Wahlen   Sabine Bätzing-Lichtenthäler   SPD  
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