Altenkirchener Frauen-Tennisturnier: Finanzielle Sorgen zu den Akten gelegt
Die Vorbereitungen liegen in den letzten Zügen: Nur noch wenige Nächte schlafen, dann beginnt das 13. Frauen-Tennisturnier um Weltranglistenpunkte in Altenkirchen. Wieder ist bei den „Rewe Petz Ladies Open“ ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 60.000 US-Dollar ausgesetzt, wieder darf sich die Gewinnerin über 75 Punkte fürs internationale Ranking freuen.
Altenkirchen. Es flutscht wie es besser nicht flutschen kann: Die Vorbereitungen für das Frauen-Tennisturnier um Weltranglistenpunkte in Altenkirchen (15. bis 22. Februar) sind Razvan Mihai inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Schon zum 13-mal organisiert er als Turnierdirektor mit seinem Team den vor allem bei den Akteurinnen hoch geschätzten Wettbewerb, der nunmehr im zweiten Jahr in Folge unter „Rewe Petz Ladies Open“ firmiert und im Burg-Wächter-Matchpoint im Sportzentrum auf der Glockenspitze entschieden wird. Ausgeschüttet wird ein Preisgeld in Höhe von 60.000 US-Dollar, der Gewinnerin im Einzel winken 75 Zähler für die Weltrangliste (eine Doppelkonkurrenz läuft parallel auf der Vier-Platz-Anlage). Dass es nunmehr nach allen Regeln der Vorbereitungskunst flutscht, lässt Mihai aufatmen. Der Etat sei in trockenen Tüchern, verkündet er und weiß, dass das Mitte November des zurückliegenden Jahres von jetzt auf gleich nicht mehr der Fall war, nachdem Sponsoren aus unterschiedlichen Gründen abgesprungen waren und somit ein Loch im beinahe mittleren fünfstelligen Bereich ins Budget gerissen hatte. Nach Gesprächen mit dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) und dem Tennis-Weltverband (ITF) wurde flugs eine Lösung gefunden. So beteiligten sich die beiden Dachverbände jeweils an der Finanzierung, wie sie in Telefonaten gegenüber Mihai am 10. Dezember erklärten. Für ihn steht außer Zweifel, dass sich DTB als auch ITF die Folgen vor Augen geführt hätten, wenn sie einen Wettbewerb dieser Qualität verlieren würden. Immerhin ist die Konkurrenz bislang mit vier Auszeichnungen bedacht worden, stellt sie das größte Frauenturnier in Deutschland zwischen Januar und April dar. Mit den Erinnerungen ob der plötzlich entstandenen prekären monetären Situation im Gedächtnis sagt Mihai: „Ich appelliere an die gesamte Wirtschaft, uns auch in den kommenden Jahren zu unterstützen, damit wir dieses Turnier weiter auf höchsten Niveau durchführen können.“
Einstmals belächelt
Der neuerliche Aufgalopp erfüllt Mihai natürlich auch mit ein wenig Stolz. Er könne sich noch gut an eine Pressekonferenz im Jahr 2014 erinnern, als die ersten „AK Ladies Open“ das Thema waren. „Wir sind damals belächelt worden für unsere Idee, in einer ländlichen Region solch ein Turnier durchzuführen“, blickt er zurück, nunmehr sei es „ganz große Realität“ geworden. Mihai widmet sich parallel auch auf höherer Ebene dem Turniergeschehen im Frauenbereich. Er ist im DTB der Dreh- und Angelpunkt für Veranstaltungen, die unter Obhut der ITF stehen, und somit Ansprechpartner für die Organisatoren der einzelnen Wettbewerbe vor Ort, wenn es hakt. Dass er durchaus ein gutes „standing“ bei den Oberen in London hat, zeigt die Tatsache, dass der eigentliche Altenkirchener Termin meistens eine Woche vor dem jetzt anberaumten liegt. Da das Final- in diesem Fall mit dem Karnevalswochenende kollidiert wäre, wurde Mihais Wunsch nach einem Tausch prompt erfüllt, so dass nunmehr Prag noch bis Sonntag Schauplatz eines W-75er ist. Über die Jahre hinweg ist er seinem Credo, was den Sinn des Turniers betrifft, treu geblieben: „Wir sind das Sprungbrett auch für den deutschen Nachwuchs.“ Vor diesem Hintergrund ist ebenfalls Mihais Vorgehen zu werten, dass er alle acht Wildcards (vier für die Qualifikation/vier fürs Hauptfeld) deutschen Akteurinnen zukommen ließ.
Zwei Spielerinnen mit „Doppelpack“
Ein Blick in die Geschichte des Turniers: Bei der elften und zwölften Auflage (2024/2025) bestach die verletzungsanfällige Russin Julia Avdeeva vor allem mit ihrem kraftvollen Aufschlagsspiel. Die logische Konsequenz: zunächst der 6:4, 6:4-Finalsieg über Alison van Uytvanck (Belgien), dem sich vor rund zwölf Monaten das 6:3, 6:3 gegen die Ukrainerin Daria Snigur anschloss, wobei die Unterlegene vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen ihr Land nichts mit Avdeeva abseits des Matches zu tun haben wollte. Clara Tauson (Dänemark) war die erste Spielerin, die zweimal gewinnen konnte. 7:6 (7:5), 4:6, 6:2 hieß es final im Februar 2023 gegen Greet Minnen (Belgien), die ihrerseits zwölf Monate zuvor gegen Snigur mit 6:4, 6:3 das bessere Ende für sich gehabt hatte. Ihren ersten Triumph feierte Tauson nach 1:46 Stunden mit 3:6, 6:1, 6:3 im Jahr 2021 gegen Simona Waltert, eine Qualifikantin aus der Schweiz. Eva Lys (Hamburg), die vor wenigen Tagen bei den Australian Open in Melbourne wegen einer Knieverletzung die Segel streichen musste und mehrere Wochen zwangspausiert, trug sich 2020 in die Liste der Gewinnerinnen ein. Die gebürtige Ukrainerin hatte sich, als alles beinahe noch normal lief, Corona noch nicht ganz die Tentakeln allumfassend um den Globus gewickelt hatte, mit einem verdienten 6:2, 6:4 über die an Nummer eins gesetzte Bibiane Schoofs (Niederlande) behauptet. Shuyue Ma gab mit 6:4, 5:7, 7:5 im Jahr 2019 Maryna Zanevska (Belgien) das Nachsehen. Die Chinesin hatte niemand auf der Rechnung gehabt. 2018 setzte sich im Endspiel die Britin Harriet Dart gegen Karolina Muchova (Tschechien) mit 7:6 (7:5), 6:2 durch, 2017 Schoofs mit 7:5, 7:5 gegen ihre Landsfrau Quirine Lemoine. Die Beste im Jahr 2016 war Ysaline Bonaventure (Belgien), die mit 6:3, 6:3 die Oberhand über Rus behielt. Der erste deutsche Erfolg ging auf das Konto der Hamburgerin Carina Witthöft. Sie hatte 2015 die Nase vorne mit dem 6:3, 6:4 gegen Andrea Lottner (Düsseldorf) und galt damals als großes Talent nach Kerber, Görges und Co, ehe sie urplötzlich ihre Karriere beendete. Der Erfolg von Irina Shymanovich (ehemals Weißrussland, heute Belarus) bei der Premiere im Jahr 2014 (noch 15.000 Euro Preisgeld) war eine kleine Sensation. Reka-Luca Jani (Ungarn) war mit 1:6, 6:7 (3:7) die Unterlegene.
Zeitplan und wo es Karten gibt
Der Zeitplan – Sonntag, 15. Februar, 10.30 Uhr, Opening und Qualifikation; Montag, 16. Februar, 11 Uhr, Qualifikation; Dienstag, 17. Februar, bis Freitag, 20. Februar, jeweils 10.30 Uhr Hauptfeld und circa 19 Uhr Night Session mit dem „Match des Tages“; Samstag, 21. Februar, circa 12 Uhr Einzel-Halbfinals, Doppel-Halbfinale; Sonntag, 22. Februar, circa 12 Uhr Doppel-Finale, im Anschluss Einzel-Finale. Die Eintrittspreise (jeweils Tageskarte/Kinder unter 6 Jahre haben freien Eintritt ohne Sitzplatzanspruch) – Sonntag/Montag, 15./16. Februar, jeweils freier Eintritt; Dienstag, 17. Februar/Mittwoch, 18. Februar: 12 Euro Erwachsene (7 Euro Schüler); Donnerstag, 19. Februar: 16 Euro (11 Euro); Freitag, 20. Februar: 18 Euro (12 Euro); Samstag, 21. Februar: 26 Euro (16 Euro); Sonntag, 22. Februar: 28 Euro (18 Euro). Dauerkarte für die gesamte Turnierwoche 70 Euro (45 Euro). Karten online unter www.eventim-light.com/de oder an der Tageskasse. (vh)
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