Kandidat für die Landtagswahl 2026: Carsten Zeuch (Freie Wähler)
Am Sonntag, 22. März, stehen die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen 2026 an. Doch wer sind die Direktkandidierenden, denen wir unsere Stimme geben sollen, was sind ihre Vorstellungen und Ziele für unsere Region? Die Kuriere haben nachgefragt und allen die gleichen Fragen geschickt. Hier die Antworten von Carsten Zeuch (Freie Wähler)
Wahlkreis Altenkirchen. Unverfälscht und echt sollen die Antworten der Kandidierenden zur Landtagswahl sein. Deshalb sind alle Antworten original zitiert, ohne Bewertung, ohne Kommentar, ohne Kürzung oder Anmerkung. Außerdem sind jegliche stilistische Hervorhebungen innerhalb der Antworten des Kandidierenden ebenfalls von diesen gesetzt. Die Aussagen der Politiker spiegeln nicht die Meinung der Kuriere wider, sondern ausschließlich die des Kandidierenden. Hier sind die Antworten von Carsten Zeuch (Freie Wähler).
Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Ich war Beisitzer unserer Bundesarbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum gewesen, ich bin ein Mensch, der ländlich groß wurde und diese Räume dürfen nicht abgehängt werden. Des Weiteren war ich im Landesfachausschuss 1, hier haben mich aus persönlichen Gründen die Themen Gesundheit, Arbeit und Familie interessiert.
Ich engagiere mich, weil Politik wieder konkret greifbar und wirksam werden muss. Der Staat darf sich nicht zurückziehen und sich wundern, wenn Vertrauen verloren geht.
Was muss sich in Rheinland-Pfalz dringend verändern?
Rheinland-Pfalz scheitert nicht an Erkenntnissen, sondern an politischer Konsequenz und falschen Prioritäten. Wir brauchen auch in RLP etwas mehr vom US-Spirit "Germany First".
Zu oft wird Verantwortung nach unten gereicht: Kommunen sollen umsetzen, Bürger sollen Verständnis haben, Ehrenamt soll auffangen. Das funktioniert so nicht.
Seit Jahren werden Probleme beschrieben und Strategien angekündigt - während sich die Lebensqualität vieler Menschen verschlechtert. Kommunen werden mit Aufgaben überhäuft, aber finanziell und strukturell ausgehungert.
Ich sage: Schluss mit der Illusion gleichwertiger Lebensverhältnisse ohne Finanzierung!
Dringend notwendig sind:
Eine echte finanzielle Stärkung der Kommunen
Eine Abkehr von kurzfristiger Sparlogik bei elementarer Daseinsvorsorge
Planung, die sich an realem Bedarf orientiert - nicht an statistischen Mittelwerten oder Schönrechnerei
Politische Ehrlichkeit darüber, wo Versorgung gefährdet ist (keine Märchenerzählerei)
Wer den ländlichen Raum sichern will, muss ihn endlich ernst nehmen und priorisieren - nicht verwalten. Politik muss endlich wieder liefern - nicht belehren.
Was sollte sich ändern, damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt?
Die medizinische Versorgung im nördlichen RLP steht vor einer strukturellen Zuspitzung: Ich sehe sie derzeit weder stabil noch zuverlässig. Egal ob Krankenhausschließung, Nachbesetzungsfragen von Praxen, Alter der Ärzte, Bedarf durch demografischen Wandel.
Das darf ein Staat nicht akzeptieren. Ein Kaputtverwalten darf es nicht weitergeben. Ein jahrelanges Wegsehen, Schönreden und Abschieben von Verantwortung muss endlich ein Ende haben.
Im Landkreis Altenkirchen führt das bereits heute zu:
Langen Wartezeiten
Zunehmenden Wegen zur Versorgung
Ausweichbewegungen in andere Regionen
Überlastung von übriggebliebenen Notaufnahmen
Meine Haltung ist eindeutig: Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge und darf nicht primär nach wirtschaftlichen Kriterien organisiert werden.
Einen bewusst in Kauf genommener Versorgungsabbau im ländlichen Raum wird es mit mir absolut nicht geben. Im Gegenteil, wir brauchen dringend eine Versorgung, die unter anderem dem demografischen Wandel standhält.
Notwendig sind:
Eine deutliche Ausweitung der Medizinstudienplätze in RLP (min. 200/Jahr)
Realistische Bedarfsplanung unter Einbeziehung von Altersstruktur, Teilzeit und regionaler Lage
Kommunal und regional organisierte Versorgungsmodelle mit echter Notfallkompetenz
Verlässliche Grundversorgung in akzeptabler Entfernung
Multiprofessionelle Teams, wo klassische Einzelpraxen nicht mehr tragfähig sind
Digitale Angebote als Ergänzung, nicht als Ersatz
Qualität nützt nichts, wenn man sie nicht rechtzeitig erreicht (gilt auch für Krankenhäuser mit Grundversorgung)
Modelle wie die Regioklinik können die Versorgung eventuell stabilisieren, insbesondere nach Krankenhausstandortveränderungen. Voraussetzung sind jedoch klare Zuständigkeiten, verlässliche Finanzierung und eine enge Einbindung in bestehende regionale Strukturen.
Unklare Modelle und politische Ankündigungen ersetzen keine Versorgung. Gesundheit ist ein Grundversprechen - und dieses Versprechen muss überall gelten.
Ich akzeptiere keinen kalten Strukturbruch auf Kosten der Bevölkerung!
Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Infrastrukturprobleme in Ihrem Wahlkreis (Straßen, Brücken, ÖPNV, digitale Netze) – und welche drei Projekte würden Sie in der nächsten Legislaturperiode priorisieren?
Der infrastrukturelle Zustand ist das Resultat jahrelanger Unterfinanzierung.
Die Probleme sind bekannt:
Sanierungsstau bei Straßen und Brücken
Unzureichender ÖPNV außerhalb zentraler Achsen
Funklöcher und unzureichende Breitbandversorgung
Eingeschränkte Mobilität für ältere Menschen, Jugendliche und Berufspendler
Meine Prioritäten:
Erhalt vor Neubau (sofern wirtschaftlich vertretbar): Verkehrssicherheit und Substanzerhalt haben Vorrang vor Prestigeobjekten.
Mobilität als soziale Frage begreifen: Verlässlicher ÖPNV ist Voraussetzung für Teilhabe, Arbeit und Bildung.
Digitale Infrastruktur als Grundversorgung: Internet und Mobilfunk sind Standortfaktoren und Teil der öffentlichen
Daseinsvorsorge.
Fazit
Die Infrastruktur im nördlichen RLP steht an einem Wendepunkt: Wir müssen nicht nur bestehende Defizite beheben, sondern zeitgleich auf zukünftige Herausforderungen - Klimawandel, Digitalisierung und Mobilitätswandel - vorbereitet sein. Eine koordinierte, finanzstarke und langfristig orientierte Infrastrukturpolitik ist hierfür absolut entscheidend.
Wo sehen Sie die Grenzen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung, und unter welchen Bedingungen befürworten Sie die Entnahme einzelner Tiere? Wie sollte das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und der Sicherung der Weidetierhaltung in Rheinland-Pfalz künftig politisch ausbalanciert werden?
Naturschutz braucht Akzeptanz - und Akzeptanz braucht Fairness.
Weidetierhaltung:
sichert Kulturlandschaft
trägt zum Umwelt- Klimaschutz bei
ist wirtschaftlich oft existenziell
leisten Landschaftspflege
Ich befürworte Koexistenz dort, wo sie realistisch umsetzbar ist. Wo es trotz Schutzmaßnahmen zu wiederholten Übergriffen kommt und Existenzen gefährdet werden, ist die Entnahme einzelner Tiere rechtlich zulässig und politisch verantwortbar.
Ein Naturschutz, der die Betroffenen alleinlässt, verliert seine gesellschaftliche Grundlage.
Welche drei wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wollen Sie in Rheinland-Pfalz setzen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, insbesondere im industriellen Mittelstand und bei Start-ups?
Arbeit ist keine Selbstverständlichkeit. Wer arbeitet, ausbildet oder Verantwortung trägt, braucht Rückhalt - nicht Misstrauen. Mittelstand ist Mittelpunkt.
1. Industriellen Mittelstand und Handwerk sichern
bezahlbare Energie
verlässliche Rahmenbedingungen (zum Beispiel Investitionsanreize für Innovationen)
Abbau unnötiger Bürokratie
Schluss mit Überregulierung
regionale Wertschöpfung stärken
2. Innovationsfreundliches Umfeld für Start-ups schaffen
besserer Zugang zu Wagniskapital
starke Netzwerke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gründerszene
moderne Verwaltung, die Gründungen unterstützt statt ausbremst
3. Gründungen im ländlichen Raum ermöglichen - nicht erschweren
auch Pflege, Handwerk, Dienstleistungen
Infrastruktur und Beratung statt Förderchaos
Infrastruktur statt Bürokratie
Wirtschaftliche Stärke entfaltet sich nur in einer Gesellschaft, in der Menschen bezahlbar wohnen können. Deshalb braucht es zusätzlich bezahlbaren Wohnraum.
Zukunft entsteht nicht in Aktenordnern, sondern dort, wo Menschen anpacken, und Werte schaffen, in Werkstätten, Industriehallen und auf Baustellen. Wirtschaftspolitik muss Arbeitsplätze sichern und den Menschen nutzen - nicht nur Standortdebatten führen. Nur eine Wirtschaft die auch frei atmen kann, schafft Arbeitsplätze, Innovationen und Perspektiven - auch für unsere Kinder.
Was ist Ihr Konzept, damit der Strukturwandel (Klimaschutz, Digitalisierung, Fachkräftemangel) nicht zulasten der ländlichen Räume geht?
Strukturwandel sozial und regional gestalten
Klimawandel und Digitalisierung sind notwendig. Sie dürfen aber nicht sozial blind umgesetzt werden. Dabei gilt für mich ein klarer Grundsatz: Keine ideologischen Verbote, keine unrealistischen Zieljahre, die am Ende die Menschen überfordern.
Mein Grundsatz:
kein Strukturwandel auf Kosten von Beschäftigten
kein Klimaschutz gegen den ländlichen Raum
keine Digitalisierung ohne funktionierende Infrastruktur
kein Wandel ohne soziale Absicherung
Strukturwandel gelingt nur, wenn er gerecht finanziert, regional differenziert und sozial abgesichert ist.
Wie wollen Sie die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren gestalten – insbesondere mit Blick auf Unterrichtsqualität, Lehrkräftegewinnung, Inklusion, Digitalisierung der Schulen und Entlastung von Schülern und Lehrkräften?
Die Probleme sind seit Jahren bekannt - und trotzdem ungelöst. Die Folgen tragen Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler gleichermaßen. Dieses System, was auf Verschleiß fährt, müssen wir endlich unterbinden.
Statt ständig neue Reformen anzukündigen, braucht es endlich Verlässlichkeit und Substanz.
Notwendig sind:
deutlich mehr pädagogisches und multiprofessionelles Personal
kleinere Lerngruppen, um individuelle Förderung überhaupt zu ermöglichen
Inklusion mit ausreichenden Ressourcen statt politischer Schönwetterkonzepte
Eine zeitgemäße digitale Ausstattung, die im Alltag funktioniert
Eine spürbare Entlastung der Schulen von Verwaltungs- und Dokumentationspflichten
Eventuell muss man auch darüber nachdenken, ob man sich an nordeuropäischen Modellen orientiert. Trennung nicht schon nach der 4. Klasse, sondern erst nach der 5. oder 6. Klasse. Darüber muss man laut nachdenken dürfen.
Bildungspolitik darf nicht länger auf dem Rücken der Beteiligten ausgetragen werden. Schulen brauchen Stabilität, Planungssicherheit und Vertrauen, damit sie ihrem Bildungsauftrag gerecht werden können - unabhängig vom Wohnort der Kinder.
Deshalb sind Sie in die Partei eingetreten, für die Sie als Kandidat antreten:
Die Menschen im Land müssen mehr wert sein als leere Versprechungen.
Warum FREIE WÄHLER? Weil die FREIEN WÄHLER:
nicht Teil des Problems sind,
kommunal verankert sind,
soziale Fragen ernst nehmen,
Verantwortung übernehmen, statt Zuständigkeiten weiterzureichen.
Ich mache Politik nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus Verantwortung gegenüber den Menschen.
Worüber können Sie lachen?
Über politische Inszenierungen, die Lösungen simulieren, während die Realität kollabiert.
Lustige Tierfilme
Was löst bei Ihnen Frust aus oder macht Sie sogar wütend?
Wenn bekannte Missstände jahrelang analysiert werden, ohne dass sich für die Betroffenen etwas ändert und Artensterben.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal lesen?
Rheinland-Pfalz beendet strukturelle Benachteiligung - ländliche Regionen werden in vielen Bereichen gezielt gestärkt
Was betrachten Sie als Ihre größte Fehleinschätzung bezogen auf Ihre eigene politische Arbeit und/oder Partei?
Zu lange darauf zu vertrauen, dass politische Vernunft sich von selbst durchsetzt. Veränderung braucht Druck, Klarheit und Haltung.
Deshalb sollten die Wähler mir ihre Stimme geben:
Weil ich:
Probleme klar benenne,
soziale Gerechtigkeit und staatliche Verantwortung ernst nehme und einfordere,
Verantwortung nicht delegiere,
Daseinsvorsorge gegen Marktlogik und politische Bequemlichkeit verteidige,
den Rückzug des Staates aus dem ländlichen Raum nicht akzeptiere.
Ich stehe für eine Politik, die sozial, ehrlich und konsequent ist - nicht bequem, aber notwendig
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Kurzer Steckbrief
Wohnort: Eichen
Geburtsdatum: 28. April 1977
Familienstand: verheiratet
Beruflicher Lebenslauf/Ausbildung: Gelernter Maurer, weitere Stationen waren chronologisch unter anderem Bundeswehr (mit Blauhelmurkunde), Maschinenführer, Transportbranche, Schlosser (hochgearbeitet bis Techn. Disponent); Ich bin dem Handwerk treu geblieben bis zuletzt.
Politischer Werdegang: Rund 2010 fast in die CDU eingetreten. Seit 2023 Mitglied der Freien Wähler (2023 Mitglied im Landesfachausschuss 1 - unter anderem Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie seit 2024 Beisitzer in der Bundesarbeitsgemeinschaft Ländliche Räume), Herbst 2024 Entschluss für Bewerbung zur Bundestagswahl 2025, Direktkandidat mit Nominierung im Dezember. Dieses Jahr eventuell noch Bundesfachausschuss Ländliche Räume
Gesellschaftliches Engagement und Vereinsaktivitäten: Ehrenamtlicher Sicherheitsberater für Senioren
Hobbys: Angeln, spazieren gehen, Natur beobachten
Drei Lieblingsorte im Wahlkreis: Burg Freusburg (Kirchen), Förderturm Grube Georg, Wied (gemütlich und ruhig zum Spazieren)
Vorbilder: meine Eltern, Helmut Schmidt, M. Gandhi
Kontaktdaten zur Veröffentlichung: c.zeuch-fw@web.de; Carsten Zeuch (Facebook); carsten_zeuch_fw (Instagram); carsten_zeuch (TikTok)
Eine kurze Übersicht aller Direktkandidierenden für den Kreis Altenkirchen finden Sie hier. (Red)
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