Kandidat für die Landtagswahl 2026: Dr. Matthias Reuber (CDU)
Am Sonntag, 22. März, stehen die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen 2026 an. Doch wer sind die Direktkandidierenden, denen wir unsere Stimme geben sollen, was sind ihre Vorstellungen und Ziele für unsere Region? Die Kuriere haben nachgefragt und allen die gleichen Fragen geschickt. Hier die Antworten von Dr. Matthias Reuber (CDU)
Wahlkreis Altenkirchen. Unverfälscht und echt sollen die Antworten der Kandidierenden zur Landtagswahl sein. Deshalb sind alle Antworten original zitiert, ohne Bewertung, ohne Kommentar, ohne Kürzung oder Anmerkung. Die Aussagen der Politiker spiegeln nicht die Meinung der Kuriere wider, sondern ausschließlich die des Kandidierenden. Hier sind die Antworten von Dr. Matthias Reuber (CDU)
Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Bis zu meinem Einzug in den Landtag habe ich mich viele Jahre kommunalpolitisch in meinem Heimatort Birken-Honigsessen engagiert. Das tue ich auch bis heute sehr bewusst. Mir ist wichtig, Politik dort zu machen, wo die Menschen leben und wo Entscheidungen unmittelbar spürbar sind. Meine enge Verbundenheit mit der Heimat prägt mein politisches Handeln bis heute.
In den vergangenen fünf Jahren im Landtag habe ich mich als Oppositionsabgeordneter vor allem in den Bereichen Bildung und Wissenschaft engagiert. Hier haben wir als Fraktion Missstände klar benannt, aber auch eigene Konzepte vorgelegt. Gerade bei Schulen, Hochschulen und Forschung ist Stillstand keine Option, denn Versäumnisse gefährden die Zukunft unseres Landes.
Außerdem habe ich als Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe im Ahrtal an der Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse rund um die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 mitgearbeitet.
Was muss sich in Rheinland-Pfalz dringend verändern?
Rheinland-Pfalz braucht dringend einen politischen Neustart. Nach 35 Jahren SPD-geführter Landesregierung ist unser Land in vielen zentralen Bereichen ins Hintertreffen geraten.
Gerade bei uns vor Ort zeigt sich, wie notwendig dieser Wechsel ist: Die Landesregierung trägt ihren Teil der Verantwortung dafür, dass das Altenkirchener Krankenhaus geschlossen wurde. Das ist ein konkretes Beispiel dafür, wie politische Fehlentscheidungen der Landesregierung die Versorgungssicherheit vor Ort gefährden.
Unser Land braucht deshalb einen echten Wechsel: neue Prioritäten, klare Entscheidungen und den Mut, Dinge endlich anzupacken. Rheinland-Pfalz braucht wieder politischen Gestaltungswillen und neuen Schwung, damit es überall im Land wieder vorangeht.
Was sollte sich ändern, damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt?
Eine flächendeckende gute Grund- und Notfallversorgung ist entscheidend, wenn wir über gleichwertige Lebensverhältnisse im Land reden. Damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis verbessert wird, braucht es sowohl landesweite als auch konkrete Maßnahmen vor Ort. Auf Landesebene brauchen wir endlich mehr Medizinstudienplätze und Anreize für Ärztinnen und Ärzte nach Rheinland-Pfalz zu kommen und hier zu bleiben. Nur wenn wir mehr Mediziner ausbilden und im Land halten, wird sich die Situation langfristig spürbar verbessern, auch in jedem Ort unseres Wahlkreises.
Vor Ort braucht es eine gezielte Stärkung der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie des Medizinischen Versorgungszentrums in Altenkirchen. Perspektivisch sollte das MVZ mit Unterstützung des Landes zu einer sektorenübergreifenden Klinik mit haus- und fachärztlichen Angeboten weiterentwickelt werden.
Entscheidend ist dabei, dass Träger, Land und Landkreis gemeinsam definieren, welche medizinischen Angebote konkret gebraucht werden und was am Standort realistisch und sinnvoll umsetzbar ist. Die vorhandenen Voraussetzungen in Altenkirchen müssen dabei ausdrücklich berücksichtigt werden, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.
Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Infrastrukturprobleme in Ihrem Wahlkreis (Straßen, Brücken, ÖPNV, digitale Netze) – und welche drei Projekte würden Sie in der nächsten Legislaturperiode priorisieren?
Die gute Anbindung an die großen Ballungsräume ist für unseren Landkreis von zentraler Bedeutung. Dazu gehören neben leistungsfähigen Straßenverbindungen insbesondere der Ausbau der Siegstrecke in Richtung Köln. Ebenso bleibt der konsequente Ausbau des Radwegenetzes ein wichtiger Baustein moderner Mobilität. Glasfaser- und Mobilfunknetze müssen flächendeckend ausgebaut werden.
In der nächsten Legislaturperiode würde ich drei Projekte klar priorisieren: den durchgängigen dreispurigen Ausbau der B 8, die Ortsumgehung Willroth an der L 256 sowie den Siegradweg mit der Brücke bei Etzbach.
Wo sehen Sie die Grenzen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung, und unter welchen Bedingungen befürworten Sie die Entnahme einzelner Tiere? Wie sollte das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und der Sicherung der Weidetierhaltung in Rheinland-Pfalz künftig politisch ausbalanciert werden?
Aus meiner Sicht funktioniert Koexistenz nur dann, wenn die Weidetierhaltung realistisch geschützt werden kann. Die Grenze ist dort erreicht, wo trotz zumutbarer Schutzmaßnahmen wiederholt Risse auftreten oder sich Wölfe erkennbar an Nutztiere oder die Nähe zu Siedlungen gewöhnen. Dann kippt das Verhältnis zulasten von Tierwohl, Akzeptanz und der Weidetierhaltung insgesamt.
Problemwölfe müssen in solchen Fällen konsequent entnommen werden können. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, handlungsfähige Strukturen und Verfahren, die schnell, rechtssicher und unbürokratisch greifen.
Welche drei wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wollen Sie in Rheinland-Pfalz setzen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, insbesondere im industriellen Mittelstand und bei Start-ups?
Ich sehe drei klare wirtschaftspolitische Schwerpunkte:
Erstens: Industrie und Mittelstand entlasten und stärken.
Wir brauchen wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Rahmenbedingungen und einen konsequenten Abbau von Bürokratie. Genehmigungen müssen schneller werden, Investitionen dürfen nicht an endlosen Verfahren scheitern. Der industrielle Mittelstand ist Rückgrat unseres Wohlstands und braucht Planungssicherheit statt immer neuer Auflagen.
Zweitens: Fachkräfte sichern und qualifizieren.
Gute Arbeitsplätze entstehen nur, wenn Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter finden. Deshalb müssen Ausbildung, duale Bildung und berufliche Weiterbildung gestärkt werden. Gleichzeitig braucht es schnellere Anerkennungsverfahren und bessere Bedingungen, um qualifizierte Fachkräfte im Land zu halten und zu gewinnen.
Drittens: Innovationen und Start-ups gezielt fördern.
Rheinland-Pfalz braucht mehr Mut zu neuen Ideen. Start-ups müssen einfacher gründen können, Zugang zu Kapital erhalten und besser mit Hochschulen, Forschung und Mittelstand vernetzt werden. Innovationen müssen schneller vom Labor in die Anwendung kommen.
Was ist Ihr Konzept, damit der Strukturwandel (Klimaschutz, Digitalisierung, Fachkräftemangel) nicht zulasten der ländlichen Räume geht?
Strukturwandel darf nicht zulasten der ländlichen Räume gehen, sondern muss ihnen neue Chancen eröffnen. Das gelingt nur mit klaren Prioritäten:
Klimaschutz muss technologieoffen und praktikabel gestaltet werden. Maßnahmen dürfen die Menschen vor Ort und die regionale Wirtschaft nicht überfordern, sondern sollen Wertschöpfung in der Region stärken.
Digitalisierung ist der entscheidende Standortfaktor für den ländlichen Raum. Glasfaser und Mobilfunk müssen flächendeckend ausgebaut werden - nicht nur in den Städten.
Fachkräfte gewinnt man nur dort, wo Lebensqualität stimmt. Gute Schulen, verlässliche medizinische Versorgung, Mobilität und bezahlbares Wohnen sind dafür entscheidend.
Mein Grundsatz ist klar: Strukturwandel funktioniert nur, wenn der ländliche Raum gestärkt wird - nicht, wenn man ihm zusätzliche Lasten aufbürdet.
Wie wollen Sie die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren gestalten – insbesondere mit Blick auf Unterrichtsqualität, Lehrkräftegewinnung, Inklusion, Digitalisierung der Schulen und Entlastung von Schülern und Lehrkräften?
Unsere Leitlinie ist klar: Bildung muss wieder verlässlich funktionieren und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Dafür braucht es fünf Schwerpunkte:
Unterrichtsqualität und Verlässlichkeit. Weniger Unterrichtsausfall, klare Leistungsstandards und verlässliche Schulstrukturen müssen oberste Priorität haben. Unterricht darf nicht vom Zufall oder vom Wohnort abhängen.
Lehrkräfte gewinnen und halten. Gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Karrierewege, faire Bezahlung und weniger Bürokratie sind entscheidend, damit mehr Menschen Lehrerin oder Lehrer werden und im Land bleiben.
Inklusion mit Augenmaß. Inklusion muss sich am Kindeswohl orientieren. Förderschulen bleiben ein wichtiger Bestandteil unseres Bildungssystems und müssen gezielt gestärkt werden.
Digitalisierung sinnvoll einsetzen. Digitale Ausstattung allein reicht nicht. Digitalisierung muss den Unterricht verbessern und Lehrkräfte entlasten mit funktionierender Infrastruktur und praxisnahen Fortbildungen. Künstliche Intelligenz und eine datengestützte Schulentwicklung gehören zukünftig zum Alltag.
Entlastung von Schülern und Lehrkräften. Weniger Bürokratie, zeitgemäße Lehrpläne und klare Zuständigkeiten sorgen dafür, dass sich Schulen wieder auf guten Unterricht konzentrieren können.
Kurz gesagt: Wir brauchen eine Bildungspolitik, die verlässlich ist, Leistung fördert und allen Beteiligten wieder Luft zum Arbeiten und Lernen lässt.
Deshalb sind Sie in die Partei eingetreten, für die Sie als Kandidat antreten:
Die CDU steht für Maß und Mitte, für eine Politik, die Leistung anerkennt, Verantwortung übernimmt und den Menschen zutraut, ihr Leben selbst zu gestalten. Auch wenn es in einzelnen Fragen unterschiedliche Auffassungen gibt, bin ich bis heute überzeugt davon, dass es auf die CDU als Motor für wirtschaftliche Stärke, vernünftige und verantwortungsvolle Entscheidungen sowie die Stärkung von Eigenverantwortung ankommt. Genau dieses Verständnis von Politik - pragmatisch, bodenständig und lösungsorientiert - hat mich in die CDU geführt und trägt mich bis heute.
Worüber können Sie lachen?
Lachen kann ich vor allem über die kleinen und großen Momente mit meinen beiden Kindern. Oft sind es gerade die alltäglichen Situationen, die am meisten Freude machen.
Was löst bei Ihnen Frust aus oder macht Sie sogar wütend?
Frust entsteht bei mir, wenn Aussagen bewusst falsch verstanden oder nur verkürzt wiedergegeben werden und dadurch der politische Diskurs erschwert wird. Politik lebt von unterschiedlichen Meinungen und vom offenen Austausch. Das sachliche Ringen um die beste Lösung gerät jedoch zu oft durch Nebensächlichkeiten oder Zuspitzungen in den Hintergrund - und das ärgert mich.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal lesen?
Rheinland-Pfalz in der Bildung endlich wieder Spitzenreiter
Was betrachten Sie als Ihre größte Fehleinschätzung bezogen auf Ihre eigene politische Arbeit und/oder Partei?
Rückblickend habe ich zu Beginn meiner parlamentarischen Arbeit unterschätzt, wie lange politische Entscheidungsprozesse auf Landesebene dauern und wie groß der Unterschied zur Kommunalpolitik ist. Ich habe gelernt, dass es neben guten Argumenten auch Geduld, Ausdauer und die Fähigkeit braucht, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, um tragfähige Lösungen zu erreichen.
Deshalb sollten die Wähler mir ihre Stimme geben:
In den vergangenen fünf Jahren habe ich mich mit ganzer Kraft für unsere Region eingesetzt. Diese Arbeit möchte ich fortsetzen und die Anliegen der Verbandsgemeinden Altenkirchen-Flammersfeld, Hamm (Sieg) und Wissen weiterhin verlässlich und konsequent im Landtag vertreten. Mir ist wichtig, zuzuhören, dranzubleiben und Probleme nicht nur zu verwalten, sondern sie zu lösen.
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Kurzer Steckbrief
Wohnort: Birken-Honigsessen
Geburtsdatum: 1. August 1992
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beruflicher Lebenslauf/Ausbildung: Studium der Mathematik mit anschließender Promotion an der Universität Siegen; Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen und als Data Scientist bei einem Siegener Unternehmen
Politischer Werdegang: seit 2014 Mitglied im Ortsgemeinderat Birken-Honigsessen; seit 2021 Landtagsabgeordneter; seit 2024 Mitglied des Kreistages
Gesellschaftliches Engagement und Vereinsaktivitäten: Aktiver Musiker in der Bergkapelle "Vereinigung" Birken-Honigsessen; Vorsitzender des Kreismusikverbandes Altenkirchen; Vizepräsident des Landesmusikrates Rheinland-Pfalz
Hobbys: Musik, Kochen, Grillen, Unterwegs in der Natur sein
Drei Lieblingsorte im Wahlkreis: Mein Heimatort Birken-Honigsessen, die Burg Lahr und Marienthal
Vorbilder:
Kontaktdaten zur Veröffentlichung: Bürgerbüro Mittelstraße 9, 57537 Wissen; kontakt@matthias-reuber.de
Eine kurze Übersicht aller Direktkandidierenden für den Kreis Altenkirchen finden Sie hier. (Red)
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